„Nord bei Nordwest: Der Andy von nebenan“: Das Herz eines Riesen

Andy (Christoph Franken) ist verzweifelt, als er die Leiche seines Adoptivvaters findet.

Der Andy von nebenan ist ein wahrer Koloss, hat jedoch den Verstand eines Kindes. Die Vermutung, dieser Berg von einem Menschen könne keiner Fliege was zu leide tun, erweist sich allerdings als trügerisch. Trotzdem bleibt Andy der sympathisch-tragische Held dieser Geschichte. Der Film könnte auch „Das Herz des Riesen“ heißen, zumal dieser Titel eine doppelte Bedeutung hätte; aber das offenbart sich erst später.

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„Der Andy von nebenan“ (6. Januar, 20.15 Uhr, ARD) ist bereits die 20. Episode aus der von Holger Karsten Schmidt geschaffenen Reihe „Nord bei Nordwest“. Der Erfolgsautor hat den Geschichten von Anfang an eine spezielle Note gegeben: Die Krimis über den Hamburger LKA-Kommissar Hauke Jacobs (Hinnerk Schönemann), der nach Ermittlungen gegen die Mafia im beschaulichen ostholsteinischen Schwanitz als Tierarzt untertaucht, hatten stets einen amüsanten Unterton und waren deutlich familienfreundlicher als beispielsweise Schmidts Schöpfung „Harter Brocken“.

Diverse romantische Verwicklungen

Die Dreiecksereignisse zwischen Jacobs, Polizistin Lona Vogt (Henny Reents) und Arzthelferin Jule Christiansen (Marleen Lohse) sorgten zudem für diverse romantische Verwicklungen. Mittlerweile teilt sich Jacobs das Polizeirevier mit Lonas Nachfolgerin Hannah Wagner (Jana Klinge); und Schmidt teilt sich die Reihe mit dem Kollegen Niels Holle. Dessen Bemühungen, den Stil der Vorbilder zu treffen, sind aller Ehren wert, aber die von Schmidt verfasste weihnachtliche Sonderfolge „Ho ho ho!“ hat die Unterschiede verdeutlicht: Der Film wirkte in mancherlei Hinsicht eine Nummer größer.

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Andererseits gilt das auch für den hünenhaften Andy, zumindest im Vergleich zu seinen Mitmenschen. Christoph Franken verkörpert den jungen Mann mit ungemein viel Feingefühl. Andy ist als Baby von dem Abenteurer und Seefahrer Cem Brose (Vedat Erincin) adoptiert worden. Mit dem kleinen Glück der beiden ist es schlagartig vorbei, als sich ein Ehepaar (Sarah Hostettler, Samuel Weiss) gewaltsam Zutritt zum Haus verschafft. Die beiden haben es auf den Tresor abgesehen, in dem sie offenbar einen Schatz vermuten. Als Brose früher als erwartet aus seiner Betäubung erwacht, kommt es zu einem Scharmützel. Der heimgekehrte Andy findet die Leiche seines Adoptivvaters und steht nun auch noch unter Mordverdacht.

Verbrechen wird mit einer Vorgeschichte verknüpft

Geschickt verknüpft Holle das Verbrechen mit einer Vorgeschichte und den üblichen Nebenhandlungen, die den Rest des festen Ensembles mit Spielmaterial versorgen: Jule hat ihr Examen bestanden und ist nun Tierärztin, weshalb Jacobs sie zur Praxispartnerin macht. Beide wollen die neue Augenhöhe nutzen, um endlich ihr Verhältnis zu klären; aber dann kommt alles ganz anders.

Für die amüsanten Momente der Filme ist meist das Bestattungspaar Bleckmann und Töteberg (Regine Hentschel, Stephan A. Tölle) zuständig. Bindeglied zwischen dem Überfall und der Jahrestreffen des Bestatterverbands Holstein-Ost ist Broses Tarantel Mathilda, die über Umwegen bei der Tagung landet und dort für allerlei Trubel sorgt.

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Film geht vor dem Finale etwas die Geschichte aus

Trotz solcher Heiterkeiten und den romantischen Elementen geht dem Film vor dem Finale etwas die Geschichte aus. „Der Andy von nebenan“ lebt daher vor allem vom Mitgefühl für die Titelfigur, zumal Franken den Riesen, dessen Umarmungen durchaus bedrohliche Ausmaße annehmen können, mit einer anrührenden Sanftmut versieht.

Sehr sympathisch sind auch die kleinen Einfälle am Rande, ohne die der Film ein Krimi wie viele andere wäre. So hat Holle zum Beispiel eine originelle Lösung gefunden, um sowohl Jacobs wie auch Jule das klärende Gespräch üben zu lassen. Witzig ist nicht zuletzt die Idee, wie Jacobs und Hannah beim Heringsfilet aus der Dose ihre gemeinsame Abneigung gegen Fisch bestätigt sehen. Regie führte Nina Wolfrum, die bereits einige Episoden für „Nord bei Nordwest“ inszeniert hat und für Holles Drehbuch bis auf den kleinen Durchhänger gegen Ende genau das richtige Tempo gefunden hat.

„Nord bei Nordwest: Der Andy von nebenan“ läuft am 6. Januar ab 20.15 Uhr in der ARD.

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