Disney hat Klassiker neu verfilmt

Wer versteht Tom Hanks? – Der Hollywoodstar spielt den Vater von Pinocchio

Froh, einen Sohn zu haben: Gepetto (Tom Hanks) verabschiedet Pinocchio (Stimme im Original von Benjamin Evan Ainsworth), am ersten Schultag.

Froh, einen Sohn zu haben: Gepetto (Tom Hanks) verabschiedet Pinocchio (Stimme im Original von Benjamin Evan Ainsworth), am ersten Schultag.

Man braucht eine Weile, um Tom Hanks zu erkennen. Das wild abstehende graue Haar und der opulente Schnauzbart wirken wie ein Versteck für sein Gesicht. Hanks ist Gepetto, ein Kunsttischler für Spiel- und Kuckucksuhren sowie andere Holzarbeiten. Er hat selbst das Reden verlernt, so einsam ist er. Gepetto brabbelt und nuschelt kaum Verständliches, während er an seiner Werkbank an einer Marionette aus Pinienholz herumhantiert.

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Gepettos einzige Gesellschaft sind das Kätzchen Figaro und das Goldfischmädchen Clio. Er wünscht sich mehr Miteinander – eine richtige Familie. Er betet zum Wunschstern. Und wie Pinocchio-Kenner seit 1940 wissen: „When you wish upon a star – Your dreams come true.“ Der Holzbengel wird lebendig durch den Zauber der von Cynthia Erivo gespielten Blauen Fee.

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Das „Wunsch“-Lied aus dem vor nunmehr 82 Jahren gar nicht mal allzu erfolgreichen Original, einem Zeichentrickfilm, der inzwischen aber längst im Rang eines Filmklassikers steht, erklingt heute vor jedem Disney-Streifen zum Logo des „Dornröschen“-Schlosses an. Die originale Disney-Variante gilt bis heute als die bekannteste Verfilmung des Stoffs.

Pinocchio ist ein filmgeschichtlicher Dauerbrenner seit 1911

Pinocchio hüpfte seit 1911 recherchierte 34-mal als Held auf die Leinwand und über die Bildschirme der Welt, vielleicht öfter. Aber auch sonst wird das Männchen immer bemüht, wenn Leben in einen Helden zurückkehren soll. Jeff Bridges taumelte mit Pinocchio im Arm trunken durch Terry Gilliams „König der Fischer“ (1988), und der Robojunge Haley Joel Osment hielt in Steven Spielbergs „A.I.“ (2001) auf dem Meeresgrund eine Pinocchio-Figur in den Händen – Spiegel seines künstlichen Seins.

Na ja, und im „Shrek“-Franchise trägt Carlo Collodis stocknasiges Holzmännlein Frauenunterwäsche. Wer hätt’s gedacht?

Trickfilmmeister: Regisseur Robert Zemeckis steht für Roger Rabbit

Der „Pinocchio“ mit Tom Hanks ist ein Realfilm-Remake des zweiten abendfüllenden Disney-Films – mit starken CGI-Anteilen, also computeranimierten Bildern. Er ist Teil des kühnen Vorhabens des Hauses der Maus, all seine Zeichentrickjuwelen neu zu inszenieren. Was ihnen zuletzt – siehe Tim Burtons „Dumbo“ (2019) oder Niki Caros „Mulan“ (2020) – nicht immer allzu gut gelang.

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Regie bei „Pinocchio“ führte Altmeister Robert Zemeckis, der in seinem CGI-Weihnachtsfilm „Der Polarexpress“ (2004) schon einen computeranimierten Tom Hanks hatte auftreten lassen. Und der mit der Klamaukiade „Falsches Spiel mit Roger Rabbit“ (1988) den vielleicht berühmtesten Hybriden aus Spiel- und Trickfilm überhaupt schuf. Die Disneys trauten den großen Namen Hanks und Zemeckis indes offenbar nicht. Sie verwehrten „Pinocchio“ einen Kinostart.

Covid-Pech? Fünf der letzten sechs Hanks-Filme liefen nicht im Kino

Die letzten fünf von sechs Tom‑Hanks-Filmen liefen damit ohne Umschweife bei Streamingdiensten. Wären darunter nicht erlebenswerte Lichtspiele wie das Gutfühlstück „Der wunderbare Mr. Rogers“ (2019) oder Hanks’ erster Western, der grandiose „Neues aus der Welt“ (2020), würde man meinen, der Hollywoodstar hätte nicht etwa Covid-Pech gehabt, sondern seinen Kinozenit überschritten. Nur Baz Luhrmanns „Elvis“ brachte es in diesem Juni zu Leinwandehren. Da spielte Hanks den zwielichtig-gewichtigen Manager des King of Rock ’n’ Roll.

Erneut erzählt bei Disney die sprechende Grille Jiminy Cricket das Mailänder Märchen, die von der Blauen Fee zum Gewissen des Holzjungen bestellt wird (und dabei eigentlich nie da ist, wenn sie gebraucht wird). Weitgehend überraschungsfrei macht Zemeckis alles nach, was die Regisseure Hamilton Luske und Ben Sharpsteen mit ihrem siebenköpfigen Autorenteam 1940 vorgemacht hatten – zum Teil bis ins letzte szenische Detail.

Die Story: Der belebte Pinocchio, immer noch in einem Holzkörper steckend, soll zur Schule, wird – das ist neu – Opfer eines nicht inklusionsbereiten Lehrers – und von Schurke Fuchs und Schurke Kater an den brutalen Showman Stromboli verkauft. Er gerät an unheimliche Kinderfänger, die ihre jugendlichen Opfer in einem gruseligen Vergnügungspark in Tiere verwandeln und verschiffen und schließlich in den Bauch eines Wals (hier ist es ein walartiges Seeungeheuer), aus dem er sich und Gepetto samt Katze, Goldfisch und Grille befreien kann. Am Ende befindet die gute Fee, er habe ihren Vorgabenkatalog erfüllt, sei aufrichtig, selbstlos und mutig. So gibt sie ihm einen Körper aus Fleisch und Blut. Alle tanzen und freuen sich – Happy End.

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Zemeckis entscheidet sich für ein anderes Filmende

Wobei – nein, im neuen Film bleibt die Fee am Ende weg, und der Totalversager Jiminy Cricket munkelt nur, Pinocchio könnte am Ende zum wirklichen Jungen geworden sein. Wie bitte? Was für ein Fehler! Wie sollen kleine Zuschauer das ertragen, wenn es für alles hart Erkämpfte keine Belohnung gibt? Nun, kleine Kinder, die bis dahin durchgehalten haben, träumen sowieso schlecht – vom fetten Fiesling Stromboli oder den gelungenen Horrorclowns von „Pleasure Island“.

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Ein Tipp: Lieber das Original gucken, das ist trotz des Alters und der Tatsache, dass Pinocchio Gepetto vorkriegsmäßig „Vati“ nennt, deutlich witziger. Der fehlende Drive des neuen Films liegt auch daran, dass Zemeckis die zutiefst moralische Coming-of-Age-Story von 83 Minuten des Originals auf 105 Minuten streckt: Mit unbedeutenden neuen Figuren wie einer Puppenspielerin oder einer heiseren Möwe, die Insekten wie Jiminy vom Speiseplan gestrichen hat, sorgt er für Entschleunigung.

Nachdem alle Abenteuer überstanden sind, nuschelt Gepetto zumindest nicht mehr wie Brad Pitt in Guy Ritchies „Snatch“ (2000). Es will scheinen, als sei auch er erst jetzt so richtig zum Leben erweckt worden.

Es war einmal, ja … Aber doch nicht so, oder?

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„Pinocchio“, Film, 105 Minuten, Regie: Robert Zemeckis, mit Tom Hanks, Benjamin Evan Ainsworth (Stimme), Luke Evans, Cynthia Erivo (ab 8. September bei Disney+)

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