Studie mit eindeutigem Ergebnis

Krimis auf allen Kanälen: Im deutschen TV wird so viel gemordet wie nie zuvor

Beliebt bei Krimifans: Die Reihe „Nord Nord Mord“ mit Peter Heinrich Brix (l.).

Beliebt bei Krimifans: Die Reihe „Nord Nord Mord“ mit Peter Heinrich Brix (l.).

Hannover. Im deutschen Fernsehen wird so viel gemeuchelt wie noch nie zuvor. Wie die in der Fachzeitschrift „Media Perspektiven“ veröffentlichte Studie „Tendenzen im Zuschauerverhalten“ zeigt, sind Filme und Serien, die sich um Mord und Totschlag drehen, beliebter denn je.

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„Krimis bleiben nicht nur das mit Abstand beliebteste fiktionale Genre der Deutschen, sie gewinnen sogar noch an Bedeutung“, steht in der Studie. „Mittlerweile machen sie 48 Prozent, also fast die Hälfte des Fictionkonsums aus. Alle anderen Genres, ob beispielsweise Liebesfilme, Sitcoms, Krankenhausserien, Western oder Science-Fiction müssen die andere Hälfte der TV-Fiction-Zeit unter sich aufteilen“, heißt es weiter. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren entfielen nur 37 Prozent des fiktionalen TV-Konsums auf das Genre Krimi.

Es folgen Statistiken und Tabellen, die den Trend zu immer mehr Mord und Totschlag eindrucksvoll belegen. So finden sich unter den 100 meistgesehenen fiktionalen Sendungen des vergangenen Jahres sage und schreibe 89 Krimis. „Bei den elf verbliebenen Sendungen handelt es sich um eine Ausgabe des ‚Traumschiffs‘, neun Folgen der Serie ‚Der Bergdoktor‘ und das Gerichtsdrama ‚Feinde‘ von Ferdinand von Schirach“, konstatiert die Studie in „Media Perspektiven“ – Traumschiff-Kapitän Florian Silbereisen, Bergdoktor Hans Sigl und Bestsellerautor Ferdinand von Schirach waren 2021 also die Einzigen, die der allgemeinen Krimiflut Paroli bieten konnten.

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Kriminalfilm-Quoten: „Tatort“ nur auf Platz drei

Ein genauer Blick auf die Zuschauerzahlen ist interessant: Von den zehn erfolgreichsten Fernsehfilmreihen 2021 sind neun dem Genre Kriminalfilm zuzuordnen. An der Spitze lag mit „Stubbe – Tödliche Hilfe“ und mit einem Marktanteil von 28,1 Prozent und 9,4 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern der gute alte Stumpi: Das ZDF hatte Publikumsliebling Wolfgang Stumph im vergangenen Jahr für einen Stubbe-Krimi reaktiviert – eine clevere Maßnahme. Auf Platz zwei folgt die ZDF-Reihe „Nord Nord Mord“ (27,5 Prozent Marktanteil und 8,6 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer im Schnitt) mit der knorrig-wortkargen Nord-Ikone Peter Heinrich Brix.

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Nur auf Platz drei der „Tatort“: Manche Filme aus der ARD-Krimireihe erzielen zwar sagenhafte Spitzenquoten von bis zu mehr als 14 Millionen Zusehern – besonders wenn sie aus Münster kommen, wo Jan Josef Liefers und Axel Prahl als Ermittlerduo Fälle lösen. Im Schnitt brachte es der „Tatort“ 2021 aber „nur“ auf den beachtlichen Wert von knapp 8,4 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern und einen Marktanteil von 25,2 Prozent. Es folgen Krimireihen wie „Polizeiruf 110″, „Erzgebirgskrimi“, „Nord bei Nordwest“ und andere. Als einzige Filmreihe ohne kriminellen Hintergrund konnte sich „Der Bergdoktor“ in die Top Ten dieser Kategorie einreihen: ein guter Platz acht für Publikumsliebling Hans Sigl und seine wackeren Mitstreiterinnen und Mitstreiter vom Wilden Kaiser.

Auch bei den Serien stehen die Deutschen auf Mord

Etwas besser für das fiktionale Restprogramm sieht es aus, betrachtet man die Tabelle mit den Einschaltquoten und Marktanteilen von Fernsehserien: Zwar dominieren auch hier Krimis wie „Die Chefin“ mit Katharina Böhm und einer durchschnittlichen Reichweite von 6,5 Millionen Zuschauern oder „Der Staatsanwalt“ mit Rainer Hunold (6,3 Millionen Zuschauer), aber immerhin vier der erfolgreichsten zehn Serien hatten 2021 nichts mit Mord und Totschlag zu tun, als da sind: die Krankenhaussaga „Charité“, die siebte Staffel von „Tierärztin Dr. Mertens“, die Advokatenkomödie „Die Heiland – Wir sind Anwalt“ und die letzte Staffel der Klosterklamotte „Um Himmels Willen“ mit Fritz Wepper und Janina Hartwig.

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Warum um Himmels Willen die Deutschen so verrückt nach Krimis sind und immer mehr davon wollen, darauf hat die neue Studie übrigens keine Antwort – mit dieser Frage haben sich aber schon andere medienwissenschaftliche Untersuchungen beschäftigt. Zu nennen sind hier Stichworte wie „Angstlust“ und „Spannungsabbau“. Viele Zuschauerinnen und Zuschauer fühlen aber auch ihr Gerechtigkeitsempfinden befriedigt, wenn sie einen Krimi schauen, denn die gezeigten Verbrechen werden ja in der Regel gelöst und die Missetäter dingfest gemacht.

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