Kostja Ullmann spielt den „Todespfleger“

„Das weiße Schweigen“: Film nach dem Fall Niels Högel

Rico Weber (Kostja Ullmann) in einer Szene des Films "Das weiße Schweigen".

Rico Weber (Kostja Ullmann) in einer Szene des Films "Das weiße Schweigen".

Berlin. „Wie konnte die Mordserie über fünf Jahre unentdeckt bleiben?“, fragt eine Reporterin in die Kamera vor einem Gerichtsgebäude und stellt damit nach einer Stunde und 30 Minuten die Masterfrage in „Das weiße Schweigen“ – ein Film, dessen Geschichte an die Taten des „Todespflegers“ Niels Högel angelehnt ist und der am Mittwoch (7. September, 20.15 Uhr) nun auf Vox ausgestrahlt wird. Im Streamingdienst RTL+ ist er schon seit Ende Juni verfügbar.

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Högel wurde 2019 wegen Mordes in 85 Fällen zu lebenslanger Haft verurteilt. Im Film heißt der Krankenpfleger Rico Weber und wird als heldenhafter, leicht arroganter Womanizer und „Super-Reanimator“ sehr überzeugend von Schauspieler Kostja Ullmann dargestellt.

Rico gilt als eine Art Held

Auch Clara Horn (Julia Jentsch), eine in Scheidung lebende Mutter eines Sohnes, die nach vielen Jahren Elternzeit wieder in ihren alten Job zurückkehrt, ist nach den ersten Begegnungen angetan und lässt sich auf ein amouröses Abenteuer mit ihm ein. Es dauert jedoch nicht lange, bis Clara auffällt, dass in Ricos Schichten viele Reanimationen fallen, die nicht immer gut ausgehen.

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Sie fängt an, Fragen zu stellen und stößt dabei gegen eine Mauer des Wegschauens, Schweigens und Verdrängens. Die Kollegen und auch die Klinikleitung reagieren genervt und aggressiv auf die lästigen Fragen. Schließlich gilt Rico als eine Art Held – ist bei Kollegen und den Ärzten gleichermaßen beliebt. „Reanimieren konnte der krass gut“, schwärmt eine Schwesternschülerin von dem Pfleger, als sie vor Gericht als Zeugin beim Prozess gegen den Mörder aussagt.

Entscheider über das Leben eines anderen Menschen

Rico genießt sein Ansehen und lässt sich feiern, wenn mal wieder eine Reanimation geglückt ist. In diesen Momenten wirkt er so, als habe er einen sportlichen Wettbewerb gewonnen – den Wettbewerb gegen den Tod. Er macht sich damit selbst zum Entscheider über das Leben eines anderen Menschen. Damit gibt er seinem Dasein eine Bedeutung, speist seine Geltungssucht, wenn er nach erfolgreicher Rettung eines Patienten glänzen kann. Ein Motiv, das im wahren Fall Högel auch immer wieder zur Sprache kam. Auch davon erzählt der Film.

Das Besondere an dem TV-Drama ist jedoch, dass nicht etwa der mordende Pfleger Rico im Fokus steht, sondern Clara. Sie ist der Hauptcharakter in diesem leise erzählten Drama - ausgehend von ihr wird die Geschichte seziert. Eine Geschichte, die vor allem davon erzählt, wie lange in einem Umfeld weggeschaut wird, was längst offensichtlich ist – nämlich das Menschen durch die Hand eines vermeintlichen Helden im Pflegerkittel ermordet werden.

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Auch prekäre Situation im Gesundheitswesen wird angerissen

Aber: Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Und das gilt vor allem dann, wenn man in Zeiten des massiven Sparens - auch im Gesundheitswesen - nicht auf eine Kraft verzichten will, für die es außer „Arbeit, Arbeit, Arbeit“ nicht mehr viel gibt im Leben, wie der „Pfleger aus Leidenschaft“ von sich selbst sagt.

Auch die prekäre Situation im Gesundheitswesen wird hier von Regisseurin Esther Gronenborn sanft angerissen und als ein Teil des Erklärungsmosaiks rund um die unfassbaren Taten angeboten.

Man ist als Zuschauer richtig erleichtert, als Rico endlich beim Morden auf der Station erwischt wird und das Töten der Patienten aufhört - und damit auch das laute Schweigen der Weißkittel.

RND/dpa

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