„7 vs. Wild“-Erfinder Fritz Meinecke und seine Skandale

Dunkle Wolken über dem Survival-Camp

Der Youtuber Fritz Meinecke bei einer Veranstaltung 2016.

Der Youtuber Fritz Meinecke bei einer Veranstaltung 2016.

Magdeburg. Dass Menschen morgens in der Büroküche über Netflix-Serien, Fußballspiele und große TV-Shows vom Vorabend sprechen, ist nichts Neues. Dass sie über Youtube-Formate reden, passiert wahrscheinlich eher seltener. Im Herbst 2021 ändert sich das schlagartig: Da startet auf der Videoplattform das bislang wohl erfolgreichste Serienformat eines deutschen Youtubers überhaupt: „7 vs. Wild“. Die Outdoor-Reality-Show des Survival-Experten Fritz Meinecke schafft innerhalb kürzester Zeit den Sprung aus der Youtube-Nische in den Mainstream – und löst dabei einen riesigen Hype aus.

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In dem Format werden sieben Kandidaten in der Wildnis Schwedens ausgesetzt – dort müssen sie sich mit sieben selbst gewählten Gegenständen und vorgegebener Kleidung zurechtfinden und irgendwie überleben. Dabei filmen sich die Kandidaten selbst, wie sie etwa Nahrung suchen oder eine Unterkunft bauen. Wer am längsten in der Natur durchhält, gewinnt.

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Survival- und Outdoor-Formate gibt es bei Youtube zu Hauf – „7 vs. Wild“ machte das Thema im Winter zu einem Massenphänomen. Satte sieben Millionen Mal werden einige Videos der Serie angeklickt, keine einzige Folge hat weniger als drei Millionen Aufrufe. „7 vs. Wild“ sei eine Show, die „so auch im Fernsehen laufen könnte“, rezensiert etwa „Der Spiegel“ das Format. Youtuber-Kolleginnen und -Kollegen bejubeln die Sendung in höchsten Tönen, Radiosender versuchen, den Erfolg der Show zu erörtern.

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All das schreit nun nach einer umso erfolgreicheren Fortführung. Im Herbst soll es eine zweite Staffel geben, hatte Meinecke bereits im Juni auf seinem Youtube-Kanal angekündigt. Doch ausgerechnet der Schöpfer des Formats sorgt jetzt bei seinen Fans für mächtig Unmut – und erste Werbepartner ziehen Konsequenzen.

„7 vs. Wild“-Erfinder Fritz Meinecke: „Ficki, ficki 5 Euro“

Dafür gibt es gleich mehrere Anlässe. Ein Streitpunkt ist ein Video, das Meinecke am 6. Juli auf seinem Kanal veröffentlicht hatte. Es ist Teil einer Serie, in der der 33-Jährige mit zwei befreundeten Youtube-Kollegen eine Radreise von Berlin nach Istanbul unternimmt. Auf dem Weg dahin geht es durch Tschechien, die Slowakei, Ungarn, Serbien und Bulgarien – man gerät in Polizeikontrollen, trifft auf aggressive Straßenhunde, überwindet Tausende Höhenmeter mit dem Rad.

Die Videos sind ein Abbild klischeehafter Männlichkeit – und wirken allein deshalb schon ein wenig aus der Zeit gefallen. Man kämpft sich bei glühender Hitze an den Rand der Erschöpfung, spricht viel über Schweiß, Exkremente und Körpergerüche, reißt am laufenden Band Witze unterhalb der Gürtellinie. Und als Meinecke und seine Kollegen schließlich auf eine leicht bekleidete Frau am Straßenrand treffen, eskaliert die Situation.

Eine Szene im Video zeigt, wie die Gruppe an einer viel befahrenen Straße entlangradelt, Meinecke hält die Kamera auf die Frau am Wegesrand, die eine sehr kurze Hose und ein schwarzes Oberteil trägt, das viel Haut frei lässt. Unkenntlich gemacht wird sie im Video nicht. Meinecke radelt an der Frau vorbei, hält die Kamera weiter auf sie und dreht sie schließlich zurück auf sich. Nach einem Schnitt und offenbar ein paar Metern weiter ruft der Youtuber: „Ficki, ficki 5 Euro“.

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Fans wenden sich ab

Damit nicht genug: Meinecke wählt die Szene auch als Vorschaubild für das Video aus, hier zeigt er die fremde Frau in Großaufnahme von verschiedenen Seiten sowie sein erstauntes Gesicht. Auf dem Bild wird die Frau mit einem Emoji unkenntlich gemacht. Als Überschrift des Videos wählt Meinecke den Titel „F*cki F*cki 5 Euro“. Ob es sich bei der Frau tatsächlich um eine Prostituierte handelt, wie der Youtuber im Video suggeriert, ist unbekannt.

Der sexistische Spruch, auch bekannt als „Catcalling“ (sexuell anzügliches Hinterherrufen oder Pfeifen) stößt Fans des Youtubers übel auf. Der Twitter-User @tim0cy, der als Videocutter für verschiedene große Youtuber arbeitet, greift das Thema als Erstes prominent auf Twitter auf: „Jeder macht privat mal grenzwertige Jokes (...). Aber diesen Joke ins Video zu schneiden, um das Thumbnail und den Titel auf Kosten dieser Frau würziger zu machen, ist halt lame“, schreibt er. Ein anderer meint: „Alltäglicher Sexismus unter dem Humordeckmantel. Wenn Masken fallen.“

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Andere sind der Ansicht, der Youtuber sei seiner Vorbildfunktion nicht gerecht geworden – schließlich bestehe sein Publikum vorrangig aus jungen Menschen. „So was zu teilen ist schon daneben, denn ich finde, das sind keine Werte, die man an jüngere weitergibt“, schreibt jemand unter dem Video. „Ich denke, du überschätzt deine ‚Männlichkeit‘ maßlos und verkörperst ein wenig toxische Werte, was man in letzter Zeit immer mal wieder so rausnimmt. (...) Deshalb finde ich dich nicht länger unterstützbar und so gerne ich es täte, kann ich persönlich für mich kein ‚7 vs. Wild‘ gucken.“

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Instagram-Post in Populistenmanier

Meinecke selbst sieht das offenbar nicht so: „Wer das als sexistisch und respektlos empfindet, ist auf meinem Kanal falsch“, kommentiert der Youtuber den Fall knapp in einer Instagram-Story. Kurze Zeit später allerdings entfernt der 33-Jährige die fragwürdige Szene aus dem Video, auch das Vorschaubild verschwindet. Statt „F*cki F*cki 5 Euro“ wird dort nun die „HUNDE-HÖLLE in Rumänien“ angeteasert.

Damit könnte der Fall eigentlich erledigt sein – doch Meinecke hat offenbar das Bedürfnis, nachzulegen. Am Montag postet der Youtuber einen langen Text in einer Instagram-Story – und zieht darin in bester Populistenmanier über die angeblich „verweichlichte Gutmenschengesellschaft“ und politische Korrektheit vom Leder.

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„Glaubt mir, ich halte mich so oft extrem zurück, und wenn ich das jedes Mal aussprechen würde, was ich wirklich denke, wär ich vermutlich überall gebannt, hätte keine Kooperationspartner mehr und das Wort Shitstorm würde ein neues Level erreichen“, beginnt der Post. „Mir geht diese völlig verweichlichte Gutmenschengesellschaft so auf die Eier, ja nicht anecken, niemandem auf den Schlips treten und für alles rechtfertigen. Triggerwarnungen hier und da. Immer politisch korrekt. Er/Sie/divers*innen-Bennenung von Begriffen, das darfste nicht mehr sagen, der fühlt sich dadurch angegriffen ... 🤮. Ich möchte die manchmal schütteln. Vor lauter Liebe natürlich.“

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„Immer enttäuschender und unangenehmer“

Der Ausraster irritiert offenbar selbst treueste Fans des Outdoorexperten. „Fritz Meinecke ist für mich so was von durch. Schade, ich fand #7vswild absolut spannend und hatte mich gefreut“, schreibt jemand auf Twitter. Auf Youtube meint einer: „Fritz wird immer rassistischer und sexistischer. (...) dachte immer, der wäre super chillig drauf, aber in den letzten Monaten zeigt sich sein anderes Gesicht.“ Andere werfen dem Youtuber vor, mit seinem Post rechten Gruppierungen in die Hände zu spielen, zu deren Vokabular ebenfalls gerne das Wort „Gutmensch“ zählt.

Auch größere Youtuber üben Kritik: „Wie zur Hölle kann man sich denn so sabotieren?“, fragt etwa der Streamer Staiy in einem Video. „Das ist ja einfach Selbstsabotage. (...) Ich würde gerne ‚7 vs. Wild‘ gucken, aber frage mich langsam, ob ich das moralisch vertreten kann, wenn du so dumme Scheiße schreibst.“ Man werde wegen Homophobie, für Rassismus oder menschenfeindliche Aussagen von Plattformen gebannt, erklärt der Youtuber. Wenn Meinecke nun Angst davor habe, dann habe nicht die Gesellschaft ein Problem – sondern Meinecke selbst.

Auch der Youtuber TrilluXe kritisiert Meineckes Ausfälle auf Twitter: „Wird leider immer enttäuschender und unangenehmer, sehr schade, habe ich kein Verständnis für.“

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Werbepartner beendet Zusammenarbeit

Für Meinecke haben die Eskapaden inzwischen auch geschäftliche Konsequenzen. Die Versicherungs-App Clark, für die Meinecke im umstrittenen „Ficki Ficki“-Video geworben hatte, legt eine weitere Zusammenarbeit mit dem Youtuber vorerst auf Eis. „Wir haben entschieden, bis auf Weiteres keine Kooperationen mit Fritz Meinecke einzugehen“, erklärt eine Sprecherin auf Anfrage des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND).

„Gleichberechtigung unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Sexualität und Religion sind bei Clark fest verankerte Werte. Daher distanzieren wir uns klar von den aufgeführten Aussagen von Fritz Meinecke“, heißt es in dem Statement. „Wir haben uns nach der Veröffentlichung des Videos direkt mit dem Creator in Verbindung gesetzt, damit er den Videotitel, das Vorschaubild sowie die inzwischen herausgeschnittene Szene entfernt, da solche Aussagen nicht tolerabel sind.“

Meinecke sei jahrelang in der Öffentlichkeit präsent gewesen, so die Sprecherin weiter. Darum „gab es für uns vorab keinen Grund zur Annahme, dass Fritz Meinecke derartige Aussagen veröffentlicht. Als Werbetreibender haben wir vorab keinen Einfluss auf den Content von Influencerinnen und Influencern. Nach Bekanntwerden der Aussagen haben wir aber direkt reagiert.“

Meineckes Dauerwerbepartner Yfood, mit dem der Youtuber auch einen eigenen Fitnessdrink auf den Markt gebracht hat, hat sich auf RND-Anfrage bislang nicht zum Fall geäußert. Auch der Youtuber selbst ließ eine Anfrage unkommentiert.

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Wegen Autorennen verurteilt

Es ist nicht das erste Mal, dass Meinecke für Schlagzeilen sorgt. Im Mai war der Youtuber vom Amtsgericht Köln zu einer Geldstrafe von 60.000 Euro verurteilt worden. Der Vorwurf: Meinecke habe an einem illegalen Autorennen teilgenommen.

Die Richterin berief sich laut dem „Kölner Stadtanzeiger“ auf ein Polizeivideo, das den Fall offenbar eindeutig darlegte. Meinecke selbst hatte den Vorwurf bestritten und zum Fall ein Youtube-Video hochgeladen. Weil er dafür auch die Polizisten gefilmt und die Aufnahmen veröffentlicht hatte, habe er sich überdies strafbar gemacht. Das Video ist inzwischen nicht mehr online verfügbar.

Mitte Juli hatte der Youtuber seine Community mit Regeländerungen des Erfolgsformats „7 vs. Wild“ verärgert. Bei der zweiten Staffel sollen Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht mehr wie zuletzt sieben Gegenstände mit in die Wildnis nehmen dürften. Stattdessen werden die Gegenstände je nach Erfahrungswert des Teilnehmers oder der Teilnehmerin aufgeteilt. In den Kommentarspalten zur Ankündigung laufen Fans gegen die Pläne Sturm. „Unverständliche Entscheidung“, ist da zu lesen, „absolut Murks“, schreibt ein anderer. „Immer höher, schneller, weiter ... daran sind schon viele Formate gescheitert“, meint jemand.

Dunkle Wolken über dem Survival-Camp

In einem Statement wies Meinecke die Kritik seiner Fans schließlich zurück. Es bleibe alles so, wie es ist. „Und es wird auch nicht dran gerüttelt. Ob du willst oder nicht.“ Schließlich würde das Organisationsteam der Show ein „bisschen mehr Bescheid wissen“ und „clevere Entscheidungen treffen als so mancher Backseat-Surviver da draußen in seiner schönen, warmen, beheizten oder auch klimatisierten Wohnung“.

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Meinecke zeige sich „überhaupt nicht kritikfähig“, urteilen nun Teile seiner Community – zumal er sie ja nach ihrer Meinung gefragt habe.

Ob die Skandale des 33-Jährigen dem Erfolgsformat „7 vs. Wild“ schaden werden, ist ungewiss. Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Show haben sich bislang nicht zu dem Fall geäußert.

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