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Reihe „Spurensuche“

Soldatenbriefe aus Edemissen schildern Schrecken des Weltkriegs

Wolfgang Welge bietet einen tiefen Einblick in seine Familiengeschichte: Die Feldpostbriefe seines Vaters aus dem zweiten Weltkrieg bilden die Basis eines “Spurensuche“-Heftes.

Wolfgang Welge bietet einen tiefen Einblick in seine Familiengeschichte: Die Feldpostbriefe seines Vaters aus dem zweiten Weltkrieg bilden die Basis eines “Spurensuche“-Heftes.

Edemissen.500 Briefe seines Vaters aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs hat Wolfgang Welge aus Edemissen jahrzehntelang aufbewahrt. Nun werden sie veröffentlicht.

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Erst mit fünf Jahren hat Wolfgang Welge seinen Vater kennengelernt. An einem Sonntag, einem herrlichen warmen Sommertag im Jahr 1948, kehrte der Soldat nach Krieg und Gefangenschaft zu seiner Familie zurück. „Bekleidet mit einem riesig langen und sicherlich auch schweren Militärmantel steht ein großer, hagerer Mann vor mir, meine Mutter hat ihn fest an sich geschlossen. Nach Aussage meiner Mutter ist das mein Vater Walther Welge, den ich bisher nur von einem Bild in der Wohnstube kannte“, schreibt der Edemisser in den Erinnerungen an seinen Vater. Dieser war wohl zur Taufe des Sohnes 1943 auf Heimaturlaub, aber daran erinnern kann sich Wolfgang Welge, der zu diesem Zeitpunkt sieben Wochen alt war, natürlich nicht.

Heimkehr brachte Probleme mit sich

Eitel Sonnenschein herrschte mit der Heimkehr des Vaters keineswegs. „Immer wieder waren wir unterschiedlicher Meinung, jeder wollte das Sagen haben“, schildert Wolfgang Welge. „Irgendwann hat es ihm dann wohl gereicht und ich habe mir die erste Ohrfeige eingehandelt. Daraufhin soll ich ihn dann beschimpft haben und ihm angeboten: ,Du alter böser Onkel. An der Ecke hält ein Bus; hau wieder ab nach Frankreich.’“

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Wolfgang Welges Vater Walther in Wehrmachtsuniform.

Wolfgang Welges Vater Walther in Wehrmachtsuniform.

Über seine Erlebnisse im Krieg habe der Vater lange Jahre kein Wort verloren. Erst nachdem Wolfgang Welge 1958 eine Ausbildung beim Landkreis Peine begonnen hatte und sich für einen Kriegsgräber-Einsatz mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge in Frankreich angemeldet hatte, sprachen Vater und Sohn auch über dessen Erlebnisse im Krieg und in der anschließenden Gefangenschaft in Amerika und der Zwangsarbeit in Frankreich.

Erfolglose Recherche

Zwölf Jahre nach dem Tod seines Vater unternahm Wolfgang Welge den Versuch, die Aufenthaltsorte seines Vaters in Frankreich sowie Zeitzeugen ausfindig zu machen, jedoch ohne Erfolg.

Die Briefe seines Vaters – mehr als 500 Stück – hat er in all der Zeit aufbewahrt und sie schließlich Gundolf Algermissen gezeigt, der für die Akademie Regionale Gewerkschaftsgeschichte für Niedersachsen und Sachsen-Anhalt tätig ist. Dieser hat daraus nun eine Auswahl getroffen.

Die Briefe, die in Sütterlin-Schrift verfasst sind, wurden transkribiert. Zusammen mit einem Vorwort von Professor Dr. Gerd Biegel und den einführenden Kapiteln zum Leben des Vaters von Wolfgang Welge erscheinen sie in dem Heft 12 in der Reihe „Spurensuche“ unter dem Titel „Eine Familiengeschichte – die 1940er Jahre“. Erhältlich ist es für eine Spende von mindestens fünf Euro unter anderem in der Geschäftsstelle der PAZ, Werderstraße 49. Die Einnahmen gehen an die Bildungsvereinigung Arbeit und Leben in Wolfsburg und dienen der Teilfinanzierung von Jugendprojekten.

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Von Mirja Polreich

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