Im Alter von 95 Jahren gestorben

Das brünette Pendant zu Marilyn Monroe: über das Leben der italienischen Schauspieldiva Gina Lollobrigida

Die italienische Schauspielerin Gina Lollobrigida im Jahr 1974. Am Montag starb sie im Alter von 95 Jahren.

Die italienische Schauspielerin Gina Lollobrigida im Jahr 1974. Am Montag starb sie im Alter von 95 Jahren.

Rom. Filme drehte sie schon lange nicht mehr. Mit ungebrochener Willensstärke verteidigte Gina Lollobrigida bei gelegentlichen Fernsehauftritten jedoch ihre Lebensentscheidungen. Vor allem die Regenbogenpresse interessierte sich bis zuletzt für die italienische Schauspielerin. Am Montag starb „Gina Nazionale“ in Rom.

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Ihrem Sohn Milko gelang es 2021, sie unmündig erklären zu lassen. Der 1957 geborene Milko junior – er stammt aus der Ehe mit dem jugoslawischen Arzt Milko Skofic - bezichtigte in dem Verfahren Lollobrigidas 30-jährigen Manager Andrea Piazzolla, sie zu manipulieren. Seit er ihre Geschäfte führe, entfremde sie sich von ihrer Familie, so der Vorwurf. Um die Vorwürfe zu erhärten, stellte ihr Enkel sich im italienischen Fernsehen gar als obdachlos dar, nachdem er aus der Wohnung auf dem Anwesen seiner Großmutter an der Via Appia Antica nahe Rom habe ausziehen müssen.

Lollobrigidas Wohnräume waren bis auf den letzten Zentimeter voll mit Fotos aus den Zeiten als Star. Schlagzeilen machte sie zuletzt jedoch eher mit Skandalen. Dazu gehört auch die Beziehung zu dem rund 34 Jahre jüngeren Spanier Javier Rigau Rifols. Eine Klage wegen einer angeblich betrügerischen Eheschließung gegen ihren Willen verlor sie.

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Durchbruch mit „Fanfan, der Husar“

Die Tochter eines Möbelfabrikanten kam 1927 im Bergdorf Subiaco östlich von Rom zur Welt, in dem Ordensgründer Benedikt einst als Eremit in einer Grotte gelebt hatte. Nachdem der Vater infolge von Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg sein Vermögen verloren hatte, zog er 1944 mit seiner Familie nach Rom. Tochter Gina – eigentlich Luigina – studierte dort Bildhauerei, Malerei und Gesang.

Während sie sich mit Karikaturen und als Model für die in Italien damals beliebten Fotoromane über Wasser hielt, belegte sie immer wieder vordere Plätze bei Schönheitswettbewerben. Nach Auftritten als Statistin in mehreren Filmen soll sie auf der Straße von Filmregisseur Mario Costa entdeckt worden sein, der sie 1948 für ihre erste größere Rolle im Opernfilm „Bajazzo“ engagierte. Der internationale Durchbruch gelang wenige Jahre später mit dem Mantel-und-Degen-Film „Fanfan, der Husar“ an der Seite von Gérard Philipe, der 1952 in Cannes und Berlin ausgezeichnet wurde.

In Hollywood spielte „La Lollo“ an der Seite von Stars wie Frank Sinatra, Errol Flynn und Burt Lancaster. Den wohl größten Erfolg hatte sie als verführerische Esmeralda an der Seite von Anthony Quinn in „Der Glöckner von Notre Dame“.

Lollobrigida wurde als Männerschwarm gefeiert, galt als brünettes Pendant zu Marilyn Monroe. „Marilyn fürchtete sich davor, sich mit mir fotografieren zu lassen“, erzählte Lollobrigida noch vor wenigen Jahren sichtlich zufrieden.

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Rückzug aus dem Kinogeschäft nach rund 60 Filmen

In Italien erhielt sie mit der ebenfalls für ihre Rundungen und ihre sinnliche Art der Darstellung bekannten Sophia Loren früh Konkurrenz. Im Unterschied zu ihr zog sich Lollobrigida nach rund 60 Filmen weitgehend aus dem Kinogeschäft zurück. Während Loren auch reifere Frauen darstellte, verlegte sich die Ex-Diva auf die Fotografie und die Bildhauerei. Sie fotografierte Berühmtheiten wie Fidel Castro und Salvador Dalí, verkaufte selbst gefertigte Skulpturen.

Als sie 1986 Jurypräsidentin bei den Filmfestspielen von Berlin war, sorgte Lollobrigida mit Kritik am Hauptpreis für einen Eklat. Die Tatsache, dass der italienische Film „Die Messe ist aus“ von Nanni Moretti den Silbernen Bären erhielt, während die RAF-Dokumentation „Stammheim“ von Reinhard Hauff mit dem Hauptpreis ausgezeichnet wurde, nannte sie ein „absolut absurdes Votum“.

Rund zehn Jahre später ging die Schauspielerin selbst in die Politik. Als Kandidatin für Romano Prodis Zentrumsbündnis verfehlte sie 1999 allerdings den Einzug ins Europäische Parlament. Zuletzt kandidierte sie bei den italienischen Parlamentswahlen vom vergangenen September für einen Sitz im Senat für „Italia sovrana e popolare“ („Souveränes und populäres Italien“), ein Bündnis aus Protestparteien.

RND/epd

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