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Lieder für den Frieden

Songs für Blau-Gelb: Die Rockmusik solidarisiert sich weiter mit der Ukraine

Neue Lyrics für „Wind of Change“: Die Scorpions (v. l. Bassist Pawel Maciwoda, Gitarrist Rudolf Schenker, Schlagzeuger Mikkey Dee, Sänger Klaus Meine und Gitarrist Matthias Jabs bei der Toureröffnung ihrer „Sin City Nights“ im Zappos Theater in Las Vegas.

Die Popmusik steht der Ukraine weiterhin bei. Und es sind jetzt auch die großen Bands und die großen Songs, die ihre musikalischen Banner des Friedens entfalten. Am deutlichsten wird das dieser Tage bei den Scorpions. Die hannoversche Band, seit den späten Siebzigerjahren weltweit erfolgreich, machte jüngst aus ihrem wohl größten Hit, der Versöhnungs­ballade „Wind of Change“, einen „Wind to Change“.

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Der „Wind of Change“ der Scorpions hat gedreht

Aus der Hymne zum Zeitenwechsel der Gorbatschow-Ära, als nach dem Heben des Eisernen Vorhangs ein dauerhaftes friedliches Zusammenwachsen von West und Ost möglich, ja wahrscheinlich schien, wird eine Solidaritäts­erklärung für die vom russischen Angriffskrieg geschundene Ukraine. Sänger Klaus Meine folgte beim Tourauftakt in Las Vegas textlich nicht mehr der Moskwa. Stattdessen eröffnete er den Song mit den Zeilen „Now listen to my heart / it says Ukrainia / waiting for the wind to change / A dark and lonely night, / our hopes and dreams won’t die / waiting for the wind to change“ („Höre nun auf mein Herz / es sagt Ukraine / und wartet darauf, dass der Wind sich dreht. / Es ist eine dunkle und einsame Nacht, / (aber) unsere Hoffnungen und Träume werden nicht sterben / und warten darauf, dass der Wind sich dreht.“

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Der Song solle mit seinem neuen Text als „Aufruf zum Frieden“ verstanden werden, sagte Meine am 26. März beim ersten von neun Auftritten im Zappos Theater in der Casinostadt. Noch lauter würde man heute den Song singen als sonst. Und tatsächlich zeigten sich Tausende amerikanischer Fans stimmstark und ließen in der Saalnacht ein Lichtermeer funkeln. Der Heavyrock-Plattform „Loud Wire“ gestand Meine, dass es der Band unmöglich gewesen sei, die klassische Version noch zu spielen: „Wir können Russland nicht mehr mit Strophen wie ‚Follow the Moskva – Down to Gorky Park‘ romantisieren. Das geht nicht. Ich wollte ein Statement zur Unterstützung der Ukraine setzen.“

Pink Floyd – nach 28 Jahren Pause ein Lied für die Ukraine

Die größte Rocksensation der letzten Wochen ist wohl der erste neue Song, den Pink Floyd seit 1994 einspielten. Neben Gitarrist David Gilmour – er hat eine ukrainische Schwiegertochter, deren Großmutter noch bis vor knapp vier Wochen in Charkiw war – und Schlagzeuger Nick Mason ist als Sänger Andrij Chlywnjuk von der ukrainischen Band Boombox zu sehen. Chlywnjuk singt in Kiew das Protestlied „Ой у лузі червона калина“ (Oh der rote Viburnum auf der Wiese) von 1914, während die Band um Gilmour und Mason im Studio spielt und Gilmour seine Gitarre weidlich träumen lässt.

Das Video zu „Hey Hey Rise up“ zeigt auch Bilder von Raketenangriffen, ukrainischen Ruinen und weinenden Menschen, und ganz am Ende sind kleine Kinder in der Ukraine zu sehen, die einen sofort an die Toten von Butscha und den Bahnhof von Kramatorsk denken lassen. Der Krieg ist vor allem gegen die Schwächsten gerichtet, die Angreifer vergewaltigen und töten ukrainische Frauen und Kinder.

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Gilmour kennt Chlywnjuk seit einem gemeinsamen Boombox-Konzert in London im Jahr 2015. Der neue Pink-Floyd-Song (bei dem Guy Pratt Bass und Nitin Sawhney Keyboards spielen) entstand am 31. März mit Chlywnjuks Segen, der bei Kriegsbeginn seine US-Tour unterbrochen hatte, um für sein Land zu kämpfen, und sich derzeit von einer Granatsplitter­verletzung erholt. Auch wenn der 1985 ausgestiegene Pink-Floyd-Bassist Roger Waters nicht auf der Aufnahme zu hören ist und schon zuvor mit einem seltsamen Statement zum Krieg auffiel (er nannte die Invasion zwar die „Tat eines Gangsters“, entdeckte aber auch „Propaganda, um Russland zu dämonisieren“), wird der Song, darauf lässt sich wetten, am kommenden Freitag in vielen Ländern der Welt auf die Spitzenposition der Singlecharts gehen. Es ist nach „When the Tigers Broke Free“ von 1982 bereits die zweite Antikriegssingle der Band.

U2 widmen ihr „Walk on“ mit neuem Text den Geflüchteten

Auch U2 haben ihr „Walk on“ vom Album „All That You Can’t Leave Behind“ (2000) zu einem „Walk on Ukraine“ umgetextet. In einem Video singt Bono „Zu Hause – du weißt nicht, was das bedeutet, bevor du gezwungen bist, von dort zu fliehen“, während The Edge Akustikgitarre spielt. Gewidmet ist die neue Version dem „tapferen ukrainischen Volk, das angesichts unsäglicher Gewalt und einer unrechtmäßigen Invasion für seine und unsere Freiheit kämpft“. Der Song war am 9. April U2s Beitrag zur globalen Spendensammelaktion „Stand up for the Ukraine“ für ukrainische Geflüchtete, wo Stars von Bruce Springsteen bis Kacey Musgraves vornehmlich verbale Schulterschlüsse mit dem angegriffenen Land und seiner Bevölkerung übten.

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Im Gänsehautvideo „Zeit“ von Rammstein holt der Tod Kinder, Frauen und Soldaten. Til Lindemanns „Zeit / Bitte, bleib stеhen, bleib stehen / Zeit / Es soll immer so weitergehen“ klingt wie eine vergebliche Gegenzeile zur ausgerufenen Zeitenwende. Die politisch meist nicht allzu expliziten Rammstein äußerten sich früh zum Krieg und brachten ihre „Unterstützung für das ukrainische Volk“ zum Ausdruck, „das sich gegen den schockierenden Angriff der russischen Regierung wehrt“.

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Die einstigen Feinripp-Cowboys von The Boss Hoss gruben den Antikriegssong „For What it’s Worth“ von Neil Youngs und Stephen Stills’ Sixties-Band Buffalo Springfield aus. Die kanadisch-amerikanische Rockband Envy of None veröffentlichte ihr trancehaftes Friedenslied „Enemy“ auf Vinyl im Blau-Gelb der ukrainischen Flagge und spendet die Einnahmen an das Flüchtlings­hilfswerk der Vereinten Nationen. John Legend widmete seinen Gospel „Free“ bei den diesjährigen Grammys der Ukraine und spielte ihn am Piano – zusammen mit ukrainischen Künstlerinnen, während auf den Gigaleinwänden Bilder von Krieg und Flucht liefen.

Julian Lennon singt erstmals den Übersong seines Vaters

Sammelaktionen, Solidaritäts­bekundungen, Benefiz­kompilationen, Friedens­konzerte – die Musikwelt steht nicht still bis hin zu den Straßen­musikern, die John Lennons „Imagine“ seit Wochen in allen Fußgängerzonen erklingen lassen. Den berühmtesten Solosong seines Vaters hat jetzt auch Julian Lennon zum ersten Mal in seiner Karriere öffentlich gesungen – inmitten eines Meers von Kerzen, begleitet von Extreme-Gitarrist Nuno Bettencourt auf der Akustikgitarre: „Imagine all the people / living life in peace.“

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„Ich habe immer gesagt, dass ich ‚Imagine‘ nur dann sänge, wenn es ans ‚Ende der Welt‘ ginge“, bekennt Julian Lennon. Doch sei „der Krieg in der Ukraine eine unvorstellbare Tragödie. Als Mensch und als Künstler fühlte ich mich veranlasst, auf die bedeutendste Weise zu reagieren, die mir möglich war.“

Die Rockmusik bezieht gefühlt unisono Stellung für Frieden, für Verfolgte, gegen den russischen „Master of War“. Eine der guten Nachrichten in diesen an schlimmen Nachrichten so reichen Tagen.

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