Wer ist der Designer, der so viele fasziniert?

Modeikone Daniel Lismore: „Ich lebe als Kunstwerk“

Der Designer Daniel Lismore bei den Fashion Awards 2021 in der Royal Albert Hall in London.

Der Designer Daniel Lismore bei den Fashion Awards 2021 in der Royal Albert Hall in London.

London. Als Daniel Lismore an diesem sonnigen Vormittag im Herbert Art Gallery and Museum in Coventry in seiner fliederfarbenen Kreation durch die lichtdurchflutete Eingangshalle schreitet, tut der groß gewachsene Künstler dies mit einer gewissen Anmut. Mit dem einer Tracht ähnelnden Kleidungsstück will er auf die Situation von Frauen in Syrien aufmerksam machen, erzählt der Künstler später.

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Zunächst jedoch richtet er mit sanfter Stimme einige Wort an die Gäste, die an diesem Tag angereist sind, um seine Ausstellung von „Be Yourself, Everyone Else Is Already Taken“, (Sei du selbst, alle anderen gibt es schon) in seiner Heimatstadt zu sehen. Diese Schau, sagt Lismore, „ist eine Reflexion meines Lebens, der Dinge, die ich gesehen und erlebt“, der Kleidung, die er getragen habe. „Denn ich lebe als Kunstwerk.“ Nach Stationen unter anderem in Australien und den USA ist es für den mittlerweile in London lebenden Künstler seine erste Ausstellung in Großbritannien. Doch wer ist dieser Designer, der so viele Menschen fasziniert?

Daniel Lismore mit seiner Tante Maureen McGregor (links) und seiner Mutter Pat Lismore in der Ausstellung.

Daniel Lismore mit seiner Tante Maureen McGregor (links) und seiner Mutter Pat Lismore in der Ausstellung.

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Was in der Ausstellung zu sehen ist

Wenn man gemeinsam mit Lismore durch seine Ausstellung geht, die von dem britischen Fernsehsender BBC schon vor der Eröffnung als ein Highlight des Jahres bezeichnet wurde, merkt man schnell, dass der 37-jährige Brite Kunst ist und macht. Denn die Schau zeigt Abbildungen von ihm, gescannt und in Kunststoff gegossen, stilisiert wie eine Schaufensterpuppe, meist mit schwarz geschminkten geschlossenen Augen und knallrotem Mund. Die 50 lebensgroßen „Skulpturen“, wie er es beschreibt, tragen Kreationen der letzten Jahre, die faszinieren und fordern. Mal gleicht die Haute Couture, die die Lismores tragen, einer Explosion von Farben mit goldenen Ketten und Perlen, dann wieder ist die fantasievolle Kleidung mit Fangnetzen, Treibgut und Federn bestückt.

50 lebensgroßen Skulpturen sind in der Ausstellung zu sehen – einige sind dem Künstler Daniel Lismore nachempfunden.

50 lebensgroßen Skulpturen sind in der Ausstellung zu sehen – einige sind dem Künstler Daniel Lismore nachempfunden.

Darüber hinaus zeigt die Schau in einem eigens dafür eingerichteten Raum nie zuvor gezeigte Erinnerungsstücke aus dem privaten Archiv des Künstlers: Fotos mit Boy George oder Pamela Anderson, Modemagazine und Bücher, die Lismore in den letzten Jahren gelesen, Bilder und Kritzeleien, die er mit Freunden in einer durchzechten Nacht angefertigt hat. In dem Raum duftet es nach einer seiner Parfümkreationen. In einem Bücherregal ist ein Schild zu sehen. Darauf steht: „Be yourself“ (Sei du selbst).

Wer ist Daniel Lismore?

Nach dem Ziel der Ausstellung gefragt, greift der Künstler im Gespräch mit dem Redaktions­Netzwerk Deutschland (RND) ebendieses Motto auf: „Ich will die Menschen dazu ermutigen, Sie selbst zu sein“ – natürlich ohne jemandem dabei zu schaden. Wenn ihm das nur bei einer einzigen Person gelänge, betonte er, dann habe er schon viel erreicht. Es ist kein Zufall, dass ihm dies so ein wichtiges Anliegen ist. Denn Lismore, so erzählte er einst einer Modezeitung, wurde vor allem in seiner Kindheit und Jugend gemobbt. Besonders schlimm sei es gewesen, als er in die Schule ging, berichtete er damals. Also habe er viel Zeit allein verbracht, habe gemalt und Dinge aus Ton hergestellt. „Ich glaube, dass dies einen großen Einfluss auf meine Arbeit hatte.“

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Die Ausstellung „Be Yourself, Everyone Else Is Already Taken“ ist bis 26. Juni 2022 zu sehen.

Die Ausstellung „Be Yourself, Everyone Else Is Already Taken“ ist bis 26. Juni 2022 zu sehen.

Danach war Kleidung für den heute 37-Jährigen immer auch ein Mittel, um sich für die Welt da draußen zu wappnen. Seine exzentrische Mode ermöglichte es ihm, er selbst zu sein, „viele selbst zu sein“. Aus dieser Strategie wurde schließlich eine Karriere: Lismore wurde vom Model zum Designer und reiste um die Welt. Als Creative Director des Luxuslabels Sorapol kleidete er unter anderem Stars wie Mariah Carey, Naomi Campbell und Boy George ein. Jetzt können seine Entwürfe, wie als Zeichen der Versöhnung mit seiner schwierigen Zeit als Jugendlicher, auch in seiner Heimatstadt Coventry bewundert werden.

Ein Künstler mit vielen Botschaften

Doch es gibt noch eine weitere Facette des Künstlers, die ihn zu etwas Besonderem macht. Seine Kleidungsstücke vermitteln auch politische Botschaften. So zeigt die Ausstellung unter anderem ein extravagantes schwarz-rotes Kleidungsstück, das er während Protesten für den Aktivisten und Whistleblower Julian Assange getragen hat. Dem Wikileaks-Gründer droht die Auslieferung in die USA, wo er wegen Geheimnisverrats angeklagt werden soll. „Julian ist ein sehr guter Freund von mir“, sagt Lismore, „und ich will darauf Aufmerksam machen, dass in diesem Fall die Pressefreiheit auf dem Spiel steht.“

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Aber auch andere Themen sind dem Künstler wichtig, Umwelt und Nachhaltigkeit zum Beispiel. Kürzlich zeigte er sich außerdem mit seinem neuesten Entwurf auf Instagram: ein blaues, locker fallendes Kostüm. Daneben steht: „Unsere Regierung tut nicht genug, um der ukrainischen Armee und den Menschen vor Ort zu helfen. Schreiben Sie an Ihre Abgeordneten, machen Sie Lärm. Wenn Sie Russe sind, gehen Sie auf die Straße.“ Man selbst zu sein, so zeigt sich in diesen Tagen, bedeutet für Lismore demnach nicht nur, sich so zu zeigen, wie man ist, sondern auch, Verantwortung zu übernehmen.

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Die Ausstellung „Be Yourself, Everyone Else Is Already Taken“ im Herbert Art Gallery and Museum in Coventry ist noch bis einschließlich 26. Juni 2022 zu sehen. Tickets können auf der Homepage des Museums gebucht werden. Der Eintritt ist frei.

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