Weltdiabetestag 2019: Diabetes erhöht das Risiko eines plötzlichen Herztods

Eine Frau fasst sich an das Herz.

Für Diabetiker ist der Herzinfarkt oft das erste Symptom einer lange bestehenden Verkalkung der Herzkranzgefäße.

Hannover. Langjährige Diabetiker haben häufig ein schwaches Schmerzempfinden für typische Herzinfarkt-Warnsymptome wie starke, anhaltende Brustschmerzen. Für diese Patienten ist der Herzinfarkt deshalb oft das erste Symptom einer schon lange bestehenden Verkalkung der Herzkranzgefäße (Arteriosklerose) infolge der koronaren Herzkrankheit (KHK). „Bei Diabetikern führt die lang bestehende Überzuckerung zur Störung des Nervensystems und dazu, dass sie die typischen Brustschmerzen als Folge der Durchblutungsstörung des Herzmuskels nicht spüren. Somit fehlt ihnen das entscheidende Warnzeichen für ihre lebensbedrohliche Situation. Die Folge sind stumme Infarkte, Herzrhythmusstörungen oder plötzlicher Herztod“, erläutert Diethelm Tschöpe, Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Deutschen Herzstiftung und Direktor des Diabeteszentrums am Herz- und Diabeteszentrum NRW Bad Oeynhausen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Das Risiko eines Herzinfarkts ist bei Diabetikern höher

Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) ist bei mehr als sieben Millionen Menschen in Deutschland bekannt. Ein chronisch hoher Blutzucker begünstigt die Arteriosklerose als Ursache von Herzinfarkt und Schlaganfall, sodass bei Männern mit Diabetes das Herzinfarktrisiko um das Zwei- bis Vierfache und bei Frauen um das Sechsfache (nach der Menopause noch mehr) erhöht ist. Durch den hohen Blutzucker werden die Blutgefäße beschädigt und damit die Sauerstoffversorgung des Herzens und des ganzen Organismus beeinträchtigt.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Unterzuckerung erhöht Risiko für bösartige Herzrhythmusstörungen

Auch das Risiko für den plötzlichen Herztod, der bei Diabetes auch als „Dead-in-bed-Syndrom“ bezeichnet wird, ist bei Betroffenen auf das Doppelte erhöht. Experten wie Tschöpe gehen davon aus, dass sich das erhöhte Risiko durch Unterzuckerung erklärt, die lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen auslösen kann. Dabei spielen Störungen des Mineralhaushalts (Mangel an Elektrolyten Kalium und Magnesium), die mit der Unterzuckerung verbunden sind, eine Rolle. Wichtig ist auch die Aktivierung des sympathischen Nervensystems als Alarmreaktion auf niedrige Blutzuckerwerte zum Schutz des Gehirns. „Patienten, die häufig oder gar unbemerkt Unterzuckerungen erleiden, sind erheblich mehr durch den plötzlichen Herztod gefährdet“, sagt der Herz- und Diabetesspezialist.

Die Gefahr lebensbedrohlicher Herzrhythmusstörungen kann bei Diabetespatienten auch dann entstehen, wenn es infolge einer unerkannten koronaren Herzkrankheit zum Herzinfarkt kommt. Der Herzinfarkt kann bösartige Herzrhythmusstörungen mit über 300 Schlägen pro Minute auslösen. Die mögliche Folge: ein Herzstillstand.

Experte fordert engmaschigere Kontrolle der Blutzuckerwerte

Diabetesspezialisten wie Tschöpe fordern deshalb dringend, die Diabetesbehandlung zu individualisieren und anzupassen – „allerdings nicht um den Preis einer dauernden Stoffwechsellage mit hohen Blutzuckerwerten“, wie er betont. Die Häufigkeit von Unterzuckerungen werde nicht nur vom HbA1c-Ziel (in der Regel unter 7 Prozent), sondern wahrscheinlich noch mehr von Schwankungen der Blutzuckerwerte beeinflusst.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Bei Patienten mit hohem Risiko sei eine angemessene Überwachung des Blutzuckers in der Behandlung daher nötig. Das ist heute durch kontinuierliche Glukosemessung mit einem Sensor, der in das Unterhautfettgewebe eingesetzt wird, gut möglich. Darauf basierend können für insulinspritzende Diabetiker sehr individuelle Dosierungspläne entwickelt werden, sodass sich Unterzuckerungen vermeiden lassen. Werden keine Substanzen eingesetzt, die die Insulinverfügbarkeit erhöhen, ist das mit Diabetesmedikamenten fast immer zu erreichen. Das Risiko für Unterzuckerung wird durch die Wahl des Medikaments sowie die Art und Häufigkeit der Blutzuckerkontrolle bestimmt.

Schutz vor Komplikationen: beim Hausarzt Risikofaktoren checken lassen

Grundsätzlich sollten Diabetes- und Herzpatienten von ihrem Hausarzt Herzinfarkt-Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Blutzuckerwerte, Cholesterinwerte sowie Übergewicht überprüfen lassen. „Diabetes und Herzprobleme sind eine gefährliche Kombination: Diabetes- und KHK-Patienten wissen häufig über viele Jahre hinweg nur von ihrer jeweils einen Erkrankung, aber nichts von der anderen. Deshalb sind sie stark infarktgefährdet – und das obwohl sie womöglich seit Jahren in fachärztlicher Behandlung sind.“ Klagt etwa ein Diabetespatient über häufige Atemnot, kann das ein Anzeichen einer Herzschwäche als Folge einer nicht behandelten koronaren Herzkrankheit oder eines nicht erkannten Bluthochdrucks sein. Und Herzpatienten mit KHK, Herzschwäche oder Vorhofflimmern sollten bei ihrem Arzt auf Blutuntersuchungen bestehen und in regelmäßigen Abständen auch ihren Blutzuckerwert (Nüchternblutzucker) messen lassen. Diabetiker sollten ihren Gefäßstatus und ihre Herzfunktion überprüfen lassen.

Blutzuckertest schützt vor zusätzlichen Komplikationen durch Diabetes

Blutzuckertests sind vom Hausarzt oder Internisten und Diabetologen durchzuführen: Wenn zwei unterschiedliche Blutzuckermessungen, die aus dem Blut der Fingerspitze gewonnen sind, Werte über 126 mg/dl ergeben, steht die Diagnose: Diabetes. Sicherheit gibt ein standardisierter Blutzuckerbelastungstest, der durchgeführt wird. Wenn zwei Stunden nach Einnahme von Glukose (Traubenzucker) der Wert bei über 200 mg/dl liegt, hat der Patient Diabetes. Eine sofortige konsequente Behandlung zur Normalisierung der Blutzuckerwerte ist wichtig, damit die Blutgefäße durch den hohen Blutzucker nicht beschädigt und damit die Sauerstoffversorgung des Herzens und des ganzen Organismus nicht beeinträchtigt werden.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Mehr aus Gesundheit

 
 
 
 
 
Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen