Amerika im Impfmarathon: Warum die USA im Kampf gegen Corona jetzt schneller vorankommen

USA, Brownsville: Eine Person erhält einen Covid-19-Impfstoff an einer regionalen Impfstelle im US-Bundesstaat Texas.

Impfung mit dem Covid-19-Impfstoff an einer regionalen Impfstelle in Brownsville im US-Bundesstaat Texas.

Nach monatelanger Suche nach einem geeigneten Vakzin und etlichen Verhandlungen ist es Ende 2020 in weiten Teilen der Welt gelungen, Impfungen gegen das Coronavirus zu verabreichen. Doch der Start fiel manchen schwerer als anderen: In nahezu allen europäischen Ländern hat es gewaltig geruckelt. Es mangelte an Impfstoff und an schnellen Strategien. Und auch heute, ein Vierteljahr später, wirken die Unterschiede enorm. Während in Deutschland gerade mal die Impfungen für Priogruppe 1 und 2 laufen, erhalten in den USA bereits Menschenaffen im Zoo eine Injektion. Wie kann das sein?

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USA und Deutschland im Vergleich: Wer wird geimpft?

Deutschland impft zuerst diejenigen, die am ehesten Schutz brauchen. Deshalb ist die Reihenfolge von der Bundesregierung vorgegeben. Priorität haben dabei zunächst unter anderem über 80-Jährige, Bewohner von Pflege- und Altenheimen und das Personal auf Intensivstationen, in Notaufnahmen und Rettungsdiensten. Dann folgen Menschen über 70 Jahre, diejenigen, die Trisomie 21 oder Demenz haben, Transplantationspatienten und das Personal in Kitas und Grundschulen.

Die USA verfolgen ein anderes, auf die breite Masse ausgerichtetes Prinzip: Es gibt online und telefonisch die Möglichkeit, sich einen Impftermin zu sichern. Und wer die Zeit und Ressourcen dazu hat, bekommt einen. Eine Erfolgsstrategie: In den Vereinigten Staaten sind nach Angaben der Gesundheitsbehörde CDC bislang landesweit rund 85 Millionen Dosen des Vakzins verabreicht worden, davon waren 55,5 Millionen Injektionen Erstimpfungen (Stand: 5. März 2021). 1,7 Millionen Menschen im Land lassen sich täglich impfen. US-Präsident Joe Biden geht derzeit sogar davon aus, dass bis Ende Mai genügend Impfstoff da sei, um allen Erwachsenen in Amerika Schutz zu ermöglichen.

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Zum Vergleich: Hierzulande zählt das Robert-Koch-Institut (RKI) seit Impfstart der europäischen Länder am 27. Dezember vergangenen Jahres rund 7,3 Millionen verabreichte Dosen (Stand: 6. März).

Tempo der Impfungen in den USA hängt mit Rüstungsgesetz zusammen

Das Tempo zieht die US-Regierung mit einem Rüstungsgesetz an, das dabei hilft, die Herstellung maximal zu beschleunigen. Für die nahezu ununterbrochene Produktion, Verpackung und Auslieferung des Impfstoffs und der dazugehörigen Ausrüstung, beispielsweise Spritzen und Nadeln, erhalten die beteiligten Konzerne Unterstützung. Zudem hilft das Verteidigungsministerium bei der Verteilung der Dosen. Auch der Katastrophenschutz und Nationalgardisten tragen ihren Teil zu dem Prozess bei – zudem kommt medizinisches Personal, das sich eigentlich im Ruhestand befindet, zum Einsatz.

Ob Disneyland oder Stadion: Hier lassen sich die Amerikaner impfen

Um die Durchführung der Impfungen kümmern sich die Bundesstaaten. Und die setzen vor allem auf riesige Zentren für Tausende Impfungen täglich. Nicht nur in Kliniken, Gemeindezentren, Supermärkten und Apotheken wird geimpft. Auch Stadien, große Parkplätze und sogar Disneyland bekommen in der Krise eine neue Funktion – überall, wo viel Platz ist, werden Impfstellen errichtet.

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So haben die Menschen mancherorts, beispielsweise in Maryland, sogar die Möglichkeit, sich per Drive-in gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Scheibe runterlassen, Ärmel hochkrempeln, Spritze in den Arm – praktisch ist das allemal.

Impfstoffbestellungen: Biden setzt Trumps Strategie fort

Dass die USA in so großem Stil impfen, liegt auch daran, dass Ex-Präsident Donald Trump noch während seiner Amtszeit 600 Millionen Dosen Impfstoff von Biontech und Moderna eingekauft hatte.

Und sein Nachfolger Joe Biden macht dort weiter: Sein Plan sieht vor, in den ersten 100 Tagen, also bis Ende April, 100 Millionen Amerikanern eine Impfung zu ermöglichen. 100 Millionen Dosen des in den USA bereits zugelassenen Vakzins von Johnson & Johnson orderte der neue Regierungschef zu Beginn seiner Amtszeit. Dabei ermöglichte er auch eine neue Art der Kooperation: Johnson & Johnson arbeitet mit dem eigentlichen Rivalen Merck zusammen und nutzt dessen Produktionskapazitäten, da Merck selbst bislang keinen Impfstoff produziert. Diese Kollaboration unterstützt Bidens Regierung mit nötiger Ausstattung für Mercks Produktionsstätten und logistischer Hilfe. Der dritte in den USA zugelassene Impfstoff von Johnson & Johnson hat dazu einen entscheidenden Vorteil: Er muss im Unterschied zu den Vakzinen von Biontech/Pfizer und Moderna nur einmal gespritzt werden.

USA impfen sogar Menschenaffen gegen Covid-19

Die Pandemie ist noch im vollen Gange, der Impfstoff begehrt. Trotzdem sind Amerikas Wissenschaftler so weit, dass es sogar schon ein geeignetes Vakzin für Tiere gibt: So sind etwa im Zoo von San Diego im US-Bundesstaat Kalifornien die ersten Menschenaffen gegen Covid-19 geimpft worden. Das bestätigte der Betreiber des Zoos am Freitag (Ortszeit) auf Twitter.

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„Der Impfstoff wurde speziell für Tiere entwickelt“, hieß es weiter. Geimpft wurden laut „National Geographic“ vier Orang-Utans und fünf Bonobos, demnächst sollen vier weitere Affen an der Reihe sein. Die Tiere erhielten jeweils nach drei Wochen ihre zweite Dosis.

Seit Beginn der Pandemie rund 29 Millionen Corona-Fälle in den USA

Der Ländervergleich der Corona-Fallzahlen zeigt: In Amerika ist der Bedarf nach Impfungen gegen das Virus hoch. Bis heute verzeichnete die Johns-Hopkins-Universität (JHU) weltweit rund 116 Millionen Infektionen, davon fast 29 Millionen in den USA. Danach folgen, mit großem Abstand, Indien und Brasilien mit jeweils etwa elf Millionen gemeldeten Corona-Fällen. In Deutschland sind demnach seit Beginn der Pandemie rund 2,5 Millionen Infektionen registriert worden.

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