Hohe Infektionszahlen bei Kindern

Ist ein Ende der Maskenpflicht in Schulen zu riskant?

In Schulen soll stufenweise sowohl die tägliche Testpflicht als auch die Maskenpflicht im Unterricht entfallen.

In Schulen soll die Maskenpflicht im Unterricht demnächst entfallen – trotz extrem hoher Infektionszahlen.

Maske tragen in der Schule ist Alltag geworden. Das soll sich nun ändern – je nach Bundesland zu einem anderen Zeitpunkt. Viele Bundesländer haben in Aussicht gestellt, die Verpflichtung zum Tragen spätestens im Laufe des Aprils abzuschaffen. Mancherorts wurde die Regel bereits gelockert, insbesondere in Grund- und Förderschulen. In Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen soll ab Anfang April beispielsweise auch in höheren Klassen Schluss mit Maske sein, auch Niedersachsen will nach den Osterferien nachziehen.

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Aber ist das eine gute Idee? Immerhin kursierte das Virus noch nie so stark in Deutschland. Allein an diesem Donnerstag wurden über 300.000 Corona-Neuinfektionen an das Robert Koch-Institut (RKI) gemeldet. Momentan stecken sich so viele Menschen mit Corona an wie noch nie. Und erst um Ostern herum könnten die Zahlen Fachleuten zufolge nach und nach sinken.

Dem Epidemiologen Timo Ulrichs von der Akkon Hochschule Berlin zufolge könnten zwei gegenläufige Effekte zum Tragen kommen: Im Frühling sinken die Zahlen der Neuinfizierten naturgemäß – auch in den Schulen. Gleichzeitig könnte eine konstant hohe Menge an zirkulierenden Viren in der Gesamtbevölkerung aber dazu führen, dass die Zahlen auch über Frühling und Sommer weiter hoch bleiben.

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„Eine Aufhebung der Maskenpflicht an Schulen kann also gewagt werden, wenn der Gesamttrend eindeutig nach unten zeigt, falls nicht, würde diese Aufhebung eher zu einer Stabilisierung der sehr hohen Neuinfiziertenzahlen führen“, sagte Ulrichs dem RND. Der Zeitpunkt der Aufhebung könne entscheidend sein: „April wäre noch sehr früh, Mai besser, da dann der Trend der Gesamtlage eher zu beurteilen sein wird.“ Und: Eine Aufhebung der Maskenpflicht an Schulen wäre dem Wissenschaftler zufolge sehr viel leichter möglich, wenn nicht gleichzeitig alle anderen Maßnahmen auch abgeschafft worden wären.

Virologin: „Jede vermiedene Infektion ist ein Gewinn“

Die deutsche Virologin Isabella Eckerle, die an der Universitätsklinik Genf zu Corona forscht, äußerte bereits Mitte März Kritik. Öffentliche Innenräume sollten ihrer Einschätzung nach die Maskenpflicht beibehalten. Dazu zählen auch Bildungseinrichtungen. „Jede vermiedene Infektion ist ein Gewinn für das Gesundheitssystem und gegen das Virus“, machte die Corona-Expertin in ihrem Twitter-Account deutlich. Masken seien vor allem dann effektiv, wenn alle sie tragen.

„Viele ohne und wenige mit (auch FFP2) ist kein sinnvoller Infektionsschutz“, erläuterte Eckerle. „Wieso man bei aktuellen Inzidenzen und in Erwartung einer weiteren Variante auf so etwas wirkungsvolles wie Masken verzichtet, ist nicht zu verstehen.“ Man werde sicherlich nicht für immer Maske tragen, weil jede Pandemie einmal endet. Klar sei aber, dass jetzt nicht die Zeit dafür sei, „so einen guten und einfachen Schutz zu stoppen.“

Besonders problematisch ist das Ende der Maskenpflicht, wenn gleichzeitig auch noch die Testpflicht in den Schulen in einigen Bundesländern stark eingeschränkt oder beendet wird“, gibt der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, zu Bedenken. Ein zu schnelles Ende der Vorsichts­maßnahmen nehme auch keine Rücksicht auf Kinder mit Vorerkrankungen und die Familien mit Risikopersonen im Haushalt oder engeren Umfeld, sagte er dem RND.

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Fachgesellschaften empfehlen Masken in Schulen

Ab hohem Infektionsgeschehen soll ein medizinischer Mund-Nasen-Schutz zum Einsatz kommen.

Aus der S3-Leitlinie

Vor den Schulen macht das Virus momentan auf jeden Fall nicht Halt. 426 Schulausbrüche wurden bundesweit von Mitte Februar bis Mitte März registriert. Das RKI rechnet in seinem Wochenbericht vom 17. März noch mit mehr Ausbrüchen, die für die vergangenen zwei Wochen nachgemeldet werden. Besonders betroffen seien derzeit die Sechs- bis Zehnjährigen. Das könne mit der niedrigeren Impfquote in dieser Altersgruppe zu tun haben. Aber auch damit, dass Kinder im Grundschulalter Masken nicht immer korrekt tragen, wie die Gesundheitsbehörde festhält.

Schützen Masken Kinder und Jugendliche im Schulalltag also sowieso nicht? Die sogenannte S3-Leitlinie mit „Maßnahmen zur Prävention und Kontrolle der Sars-CoV-2-Übertragung an Schulen“ kommt zu einem anderen Schluss: Der Nutzen des Maskentragens überwiege – bei Schülern und Schülerinnen, bei Lehrkräften und Schulpersonal. „Ab hohem Infektionsgeschehen soll ein medizinischer Mund-Nasen-Schutz zum Einsatz kommen“, heißt es in der evidenzbasierten Empfehlung, an der rund 40 Fachgesellschaften beteiligt sind – etwa die Deutsche Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi), die Deutsche Gesellschaft für Public Health (DGPH) und die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ).

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In Kombination mit weiteren Maßnahmen wie Wechselunterricht und Lüften der Klassenräume verringere das Tragen von Masken das Infektionsrisiko in Schulen. Zeitlich und örtlich begrenzte Ausnahmen bezüglich der Maßnahme könne es zwar für Grundschüler und Schülerinnen geben - aber nur „bei regional und überregional mäßigem Infektionsgeschehen in der Bevölkerung und in der Schule“. Ginge es nach der Empfehlung, sollten also selbst Grundschüler und Schülerinnen weiter Maske tragen - denn die Ansteckungszahlen befinden sich deutschlandweit auf Rekordniveau.

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