Lauterbach erwartet steigende Zahl von Corona-Toten: „Lage ist objektiv viel schlechter als die Stimmung“

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) warnt vor einem weiteren Anstieg der Corona-Todeszahlen.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) warnt vor einem weiteren Anstieg der Corona-Todeszahlen.

Berlin. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) blickt mit Sorge auf die aktuelle Corona-Lage in Deutschland. „Wir sind in einer Situation, die ich als kritisch bezeichnen möchte“, sagte er am Freitag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), und Long-Covid-Expertin Jördis Frommhold von der Median-Klinik Heiligendamm. Lauterbach wies insbesondere auf die hohen Todesfallzahlen hin: 200 bis 250 Menschen würden pro Tag im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion versterben, „das kann uns nicht zufriedenstellen“.

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Der SPD-Politiker geht davon aus, dass die Sterbezahlen in den kommenden Wochen weiter steigen werden. Dies sei eine „unhaltbare Situation“. In der Bevölkerung sei hingegen der Eindruck entstanden, dass die Pandemie vorbei wäre, weil die Virusvariante Omikron als harmlos eingestuft werde. „Die Lage ist objektiv viel schlechter als die Stimmung“, sagte Lauterbach. Denn die Virusvariante kann gerade für Ungeimpfte zum Problem werden. Knapp 20 Millionen Menschen in Deutschland sind noch nicht gegen Covid-19 geimpft und können im Fall einer Infektion schlimmstenfalls schwere oder sogar tödliche Krankheitsverläufe entwickeln. Auch Geimpfte können sich mit der Variante infizieren, erkranken in der Regel aber milder als Ungeimpfte.

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Lauterbach verteidigt neues Infektionsschutzgesetz

Bundesgesundheitsminister Lauterbach sieht angesichts der aktuellen Corona-Lage akuten Handlungsbedarf. Er rechnet damit, dass es in zahlreichen Bundesländern bald Corona-Hotspots geben wird. Umso schneller könnte seiner Ansicht nach das neue Infektionsschutzgesetz notwendig werden, auf das sich die Ampelkoalition geeinigt hat.

Der erste Gesetzesentwurf, der am Mittwoch im Bundeskabinett beraten wurde, sieht vor, dass die Länder nach dem 20. März nur noch das Tragen einer medizinischen Schutz- oder FFP2-Maske in Bussen und Bahnen sowie in Kliniken und Pflegeinrichtungen vorschreiben können. Zudem können sie in medizinischen und pflegerischen Einrichtungen sowie in Schulen Tests auf das Coronavirus anordnen. Eine Ausnahme stellen Regionen mit erheblich zugespitzter Pandemielage dar. Dort dürfen weitergehende Maßnahmen wie etwa Zutrittsbeschränkungen erlassen werden.

Lauterbach richtete in diesem Zusammenhang einen eindeutigen Appell an die Landesregierungen: Sie sollten sich nicht mit der Kritik am Gesetz aufhalten – „das Gesetz funktioniert“ –, sondern die Nutzung des Gesetzes vorbereiten. „Wir werden dieses Gesetz sehr schnell einsetzen müssen“, machte er deutlich. Der Minister rechtfertigte es, dass weitergehende Beschränkungen an eine hohe Klinikbelastung oder gefährlichere Virusvarianten in einer Region geknüpft werden sollen. Solche Freiheitseingriffe müssten gerechtfertigt werden, um eine rechtssichere Regelung zu haben.

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Auch sprach sich Lauterbach erneut für eine allgemeine Impfpflicht aus: „Wir brauchen eine allgemeine Impfpflicht unbedingt.“ Ohne eine solche Regelung werde Deutschland das bevorstehende Infektionsgeschehen im Herbst nicht bewältigen können. Dann könnte im schlimmsten Fall eine veränderte, noch ansteckendere Omikron-Variante, die Rückkehr der Delta-Variante oder sogar eine rekombinante Variante wie Deltakron drohen.

RKI-Präsident: Hospitalisierungsrate in höheren Altersgruppen steigt

Auch RKI-Chef Lothar Wieler stellte klar, dass die Corona-Lage in Deutschland weiterhin angespannt sei. „Nach wie vor erkranken viel zu viele Menschen schwer an Covid und nach wie vor sterben auch zu viele Menschen an dieser Erkrankung. Und nach wie vor erleiden auch viele Menschen Langzeitfolgen von Covid“, sagte er. Vor dem Hintergrund der steigenden Infektionszahlen machte er erneut auf den kontinuierlich steigenden Anteil des besonders leicht übertragbaren Omikron-Subtyps BA.2 aufmerksam. Der Infektionsdruck, so der RKI-Chef, sei weiterhin „sehr hoch“.

Insbesondere in den höheren Altersgruppen steige die Hospitalisierungsrate, mahnte Wieler. Dies sei auch auf die schrittweisen Lockerungen der Infektionsschutzmaßnahmen vielerorts und das damit verbundene veränderte Verhalten vieler Menschen zurückzuführen. Er ging auch auf mögliche Langzeitfolgen einer Corona-Infektion ein, von denen Erwachsene, und – obgleich wohl seltener – auch Jugendliche und Kinder betroffen sein könnten. Ein Teil dieser Menschen bleibe längerfristig stark eingeschränkt. Die Datenlage zu den Langzeitfolgen sei aber noch begrenzt.

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Erneut bekräftigte Wieler seine Impfappelle und betonte, viele schwere Verläufe, Todesfälle und Langzeitfolgen könnten durch die Impfung vermieden werden. „Die Impfung ist und bleibt der beste und sicherste Weg zur Immunität“, sagte er. Er forderte auch alle Menschen auf, die weiteren bekannten Schutzmaßnahmen einzuhalten, Wachsamkeit zu bewahren und insbesondere auf besonders gefährdete Gruppen zu achten.

RKI registriert am Freitag 249 neue Todesfälle

Am Freitagmorgen verzeichnete das RKI zum neunten Mal in Folge einen Anstieg der Sieben-Tage-Inzidenz. Die Corona-Kennzahl, die die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner binnen sieben Tagen angibt, liegt mittlerweile bei 1439,0. Am Vortag hatte das RKI den Wert mit 1388,5 beziffert.

Die Zahl der Neuinfektionen, die innerhalb eines Tages an die Behörde gemeldet wurden, betrug am Freitag 252.836. Am Donnerstag hatte das RKI eine Rekordzahl von 262.752 neuen Corona-Fällen registriert. Zudem wurden binnen 24 Stunden 249 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 291 Todesfälle.

RND/lb/dpa

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