Coronavirus: Warum setzen sich manche Varianten durch und andere nicht?

Ein mutierendes Coronavirus (Symbolfoto).

Ein mutierendes Coronavirus (Symbolfoto).

Seit einigen Tagen gibt es Diskussionen um die Bedeutung der neuen Variante Lambda: Während eine Gruppe japanischer Forschender diese für besonders gefährlich hält, sehen andere Experten und Expertinnen sowie die WHO derzeit keinen Anlass zur Sorge. Tatsächlich wurde Lambda schon vor gut einem Jahr erstmals entdeckt und ist bisher nur in Peru zum dominierenden Typ des Erregers geworden. Grundsätzlich gilt: Längst nicht jede neue Variante, die mit Sorge beobachtet wird, setzt sich letztendlich durch.

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Als zu Beginn des Jahres die Alpha-Variante des Virus in Großbritannien auftauchte, riegelte sich Europa kurzzeitig gegen die Insel ab. Deutschland setzte Flüge ins Vereinigte Königreich aus, so groß war die Sorge, dass B.1.1.7 auch hierher gelangt. Dass die Alpha-Variante deutlich gefährlicher sei als der Urtyp des Virus hat sich im Nachhinein nicht bestätigt – wohl aber, dass sie sich schneller verbreitet. Innerhalb weniger Wochen wurde Alpha auch in Deutschland und vielen anderen Ländern Europas zum vorherrschenden Typ des Erregers. Nur um einige Monate später von der Variante Delta zurückgedrängt zu werden und dadurch an Bedeutung zu verlieren.

Die zunächst ebenfalls gefürchtete, in Brasilien entdeckte Variante P.1 konnte sich hingegen nicht bei uns durchsetzen, sie macht bis heute weniger als 1 % der neuen Infektionen in Deutschland aus. Ähnlich verhält es sich mit der in Südafrika entdeckten Variante B.1.351, die laut dem letzten Bericht des Robert Koch-Instituts nur in 1,1 Prozent der untersuchten Proben in Deutschland festgestellt wurde.

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Escape-Mutationen verschaffen Vorteil

Schon fast vergessen ist auch die „bretonische Variante” die im März in Norden Frankreichs entdeckt worden war und für Schlagzeilen sorgte. Französische Ärzte und Ärztinnen hatten damals die Sorge, dass sich der veränderte Erreger mit PCR-Tests nicht nachweisen ließe. Allerdings hatte das wohl nur an Zeitpunkt und Art der Probenentnahme gelegen.

Was aber entscheidet darüber, ob sich eine neue Variante des Virus erfolgreich ausbreitet oder nicht? Viren verändern sich ständig. Während sie sich vermehren, kommt es immer wieder zu einzelnen Mutationen im Erbgut. Allein bis Anfang dieses Jahres wurden schon mehr als 300.000 verschiedene Einzelmutationen nachgewiesen. Neue Varianten entstehen dann, wenn Viren mit einem bestimmten Muster an Mutationen sich stark vermehren. Das ist oft dann der Fall, wenn diese Erbgutveränderungen dem Erreger einen Vorteil verschaffen, er sich also dank der Mutationen schneller vermehren oder ausbreiten kann.

Typischerweise gehören zu solchen Mutationen Veränderungen am Spike-Protein, die es den Viren leichter machen, in menschliche Zellen einzudringen. Aber auch sogenannte „Escape-Mutationen“, die dafür sorgen, dass die Viren Angriffen des Immunsystem besser entkommen können. Viren mit Escape-Mutationen können es leichter haben, auch Genesene oder Geimpfte infizieren. Dort, wo ein großer Anteil der Bevölkerung geimpft oder genesen ist, verschaffen Escape-Mutationen den Viren einen Vorteil gegenüber anderen Varianten. Von daher ist es womöglich kein Zufall, wenn sich in der brasilianischen Stadt Manaus mit besonders vielen Genesenen die Variante P.1 durchsetzen konnte oder dass Delta nun in vielen Ländern mit hohen Impfquoten grassiert: Beide Varianten weisen Escape-Mutationen auf.

Laborversuche nur Anhaltspunkt

Für die Übertragbarkeit gilt, dass man sich eine Art Wettlauf zwischen den Varianten vorstellen muss. Diejenige, die sich besser überträgt, kann sich schneller ausbreiten und mehr Personen infizieren als andere. Um sich als dominante Variante durchzusetzen reicht es daher nicht, infektiöser als der Urtyp des Virus zu sein. Der mutierte Erreger muss sich leichter übertragen lassen als die anderen Varianten, die derzeit in seiner Umwelt zirkulieren.

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Da die meisten unter Beobachtung stehenden Varianten mehrere verschiedene Mutationen vereinen, ist es trotzdem nicht einfach vorherzusagen, wie sich diese genau auf die Eigenschaften des Erreger und letztendlich auf das Infektionsgeschehen auswirken können, Laborversuche geben hierbei nur Anhaltspunkte. Eine Rolle kann auch der Zeitpunkt spielen, zudem eine Mutation an einem bestimmten Ort erstmals auftritt. Während einer Infektionswelle haben neue Varianten es tendenziell leichter, sich als eigene Linie durchzusetzen.

Für alle Varianten gilt: Im Unterschied zu einer leichteren Übertragbarkeit ist es kein Vorteil für die Viren, eine schwerere Form der Erkrankung auszulösen. Daher wurde bei neuen Varianten regelmäßig bestätigt dass sie infektiöser, aber nicht tödlicher sind als das Ursprungsvirus. Auch für Geimpfte gilt, dass diese sich mit neuen Varianten wie Delta offenbar schneller infizieren, aber nur selten schwer daran erkranken.

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