Japaner setzen weiter auf Hybrid

Toyota Corolla Cross: Das neue SUV in der Erfolgsfamilie macht ordentlich Lärm

Individuell und nicht gefällig: Der Toyota Corolla Cross überzeugt durch ein eigenwilliges Design.

Individuell und nicht gefällig: Der Toyota Corolla Cross überzeugt durch ein eigenwilliges Design.

Seit 1966 läuft die Erfolgsstory des Corolla: Ob Coupé, Kombi, Limousine, ob Kompaktwagen oder Mittelklasse – der Corolla schlug sie alle. Rund 50 Millionen Autos wurden bis Ende 2021 verkauft. Jetzt gibt es den Rekordhalter auch als SUV. Allerdings ist auch dieses Toyota-Derivat kein reines Elektroauto. Auch beim Toyota Corolla Cross setzt die japanische Firma weiter auf ihre über Jahrzehnte gewachsene Hybridkompetenz. Man könnte das schon fast stur nennen, aber der Erfolg gibt der Toyota Motor Corporation recht.

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Mit dem neuen Modell – auch der Cross tritt im umkämpften C‑Segment an, das Toyota in Europa eh schon dominiert – möchten die Japaner in erster Linie junge Familien ansprechen. Der Corolla Cross ist deshalb oberhalb des flotten C‑HR und unterhalb des wuchtigen RAV 4 platziert. Wie bei den meisten Corolla-Modellen liegt die Schönheit im Auge des Betrachters. Auch der Cross ist kein glattgebügeltes Auto zum Verwechseln. Er sticht aus der Masse heraus, sei es durch die wulstigen Verschnörkelungen zwischen vorderem Radkasten und Fahrzeugfront, oder durch die wuchtige Vorderseite, die selbstbewusst von den schmal geschnittenen Bi‑LED-Scheinwerfern eingerahmt wird.

Ein cW-Wert aus der Vergangenheit

Der Corolla Cross fällt auf in mehrfacher Hinsicht. Die vielen Kanten und Nischen folgen jedenfalls nicht dem Bestreben, einen möglichst geringen Luftwiderstandswert zu erzielen. Mit 0,31 cW lässt auf den ersten Blick die Vergangenheit grüßen, in der Energieverbrauch ein Fremdwort war. Doch 5,9 Liter Verbrauch über Bergstraßen, Autobahnen und Landstraßen im Umland Barcelonas beziehungsweise 4,9 Liter auf dem Weg zum Flughafen straften das Vorurteil des ersten Blicks Lügen. Man macht sich bei Toyota durchaus Gedanken um Nachhaltigkeit – und man genügt den Wünschen einer großen Mehrheit der Kundinnen und Kunden, die auf die Sparsamkeitskompetenz der japanischen Hybridmeister setzen.

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Toyota Corolla Cross: wuchtige Vorderseite, die selbstbewusst von den Scheinwerfern eingerahmt wird.

Toyota Corolla Cross: wuchtige Vorderseite, die selbstbewusst von den Scheinwerfern eingerahmt wird.

Aber dennoch: Das über Jahrzehnte perfektionierte Prinzip des „selbstladenden Hybrids“, also eines Systems, in dem der kleine Elektromotor immer dafür sorgt, dass der große Verbrenner wenig verbraucht, ist und bleibt mit Blick auf die Zeit, die dem Verbrennermotor in Europa noch bleibt – zwölf Jahre und zwei Monate – ein Kompromiss. Und Fakt ist auch, dass der sparsame Cross in der Spitzenversion 2.0 AWD‑i mit Allrad und einer Systemleistung von 146 Kilowatt (197 PS) immer noch 119 bis 127 Gramm CO₂ pro gefahrenem Kilometer in die Luft bläst. Damit liegt er deutlich über dem seit 2020 in der EU gültigen Grenzwert für neue Pkw von 95 Gramm CO₂ pro Kilometer. Dieser entspräche einem Durchschnittsverbrauch von 3,6 Litern Diesel oder 4,1 Litern Benzin auf 100 Kilometer.

Allerdings gilt diese EU-Vorgabe nicht für jedes einzelne, individuell erworbene Fahrzeug. Die Zahl betrifft alle in der EU neu zugelassenen Pkw pro Stichjahr und somit die Fahrzeugflotte eines Herstellers. Die komplexen Zahlenspiele zeigen aber exemplarisch, dass auch Toyotas clevere Hybridtechnik keine große Zukunft mehr hat. Der Corolla Cross hingegen schon. Der 4,46 Meter lange Wagen wirkt rundum geräumig und bequem. Wir fuhren die Allradversion, die über einen Zusatz­elektromotor an der Hinterachse verfügt (30 kW/41 PS) sowie das Spitzenmodell mit Frontantrieb. Es gibt noch einen 1,8-Liter-Hybridantrieb, der aber zunächst nur in Israel und der Türkei angeboten wird.

Zeitgemäß sortiertes Digitalcockpit mit dem Infotainment-Center in der Fahrzeugmitte.

Zeitgemäß sortiertes Digitalcockpit mit dem Infotainment-Center in der Fahrzeugmitte.

Das digitale Cockpit mit 12,3-Zoll-Diagonale und mittig platziertem 10,5-Zoll-Schirm ist zeitgeistgemäß praktisch und schlicht gehalten. Das optionale Panoramadach bringt viel Tageslicht in den Innenraum. Die Preise beginnen bei 38.600 Euro (Allrad ab 40.600 Euro). Die Fahrkultur überzeugte beim Fronttriebler einen Hauch mehr. Die Fahrwerte: In 7,5 Sekunden (Allrad) respektive 7,6 Sekunden (Frontantrieb) geht es auf 100 km/h, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei mittlerweile marktüblichen 180 km/h.

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Beim Tritt aufs Gas hebt Jaulen und Heulen an

Die Lenkung ist verzögerungsfrei und akkurat, die Bremsen sprechen sensibel an, und eigentlich ist das Gaspedal auch gut zu dosieren – eigentlich. Denn wenn der Corolla Cross auch nur ansatzweise beschleunigt wird, hebt ein Jaulen und Heulen an, dass man Sorge hat, gleich eine ganze Herde von Tieren zu martern. Trotz vier Zylindern und zwei Litern Hubraum klingt der Lärm aus dem Motorraum so, als würde eine Nähmaschine in den Overdrive gezwungen.

Es lässt sich leider nicht anders sagen: Der Corolla lärmt. Und zwar in einer schrill-unkultivierten Art und Weise, die den Abschied vom Verbrennungsmotor verzweifelt herbeisehnen lässt. Warum hier die kundigen Ingenieurinnen und Ingenieure aus Japan bei 30 und mehr Assistenzsystemen im Fahrzeug nicht zumindest mit Noise-Cancellation oder anderen Schalltechniken den Innenraum des Wagens geschützt haben, bleibt ein Rätsel.

Einzig die Heckpartie des Cross ist eher konventionell gestaltet.

Einzig die Heckpartie des Cross ist eher konventionell gestaltet.

Aber junge Familien sind ja hohe Lärmpegel gewohnt. Ansonsten kriegen sie oder auch andere Interessierte nämlich ein unkonventionelles Auto, das sich für Alltag und Freizeit gleichermaßen eignet. 433 Liter bietet der Cross an Standardladeraum. Bis zu 1337 Liter werden es, wenn die im Verhältnis 60 zu 40 umklappbare Rücksitzlehne umgelegt wird. Emissions- und lärmfrei allerdings wäre der Corolla Cross noch wesentlich charmanter, als er ohnehin schon ist. Vielleicht gibt man sich ja einen Ruck in Toyota, dem gleichnamigen Sitz des Unternehmens, und elektrifiziert den Corolla Cross bald.

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