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Long Way North, Teil drei

Das Wettrennen Wasserstoff gegen Elektroantrieb – Entscheidung im hohen Norden

Siegerin mit knapp 23 Stunden Vorsprung: Julia Alefelder mit ihrem vollelektrischen Volvo C40. Als Siegesprämie gab es eine Riesenzimtschnecke.

Tag 4

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Für die restlichen rund 1000 Kilometer ist damit das Drehbuch geschrieben: Die völlig unzureichende schwedische Wasserstoffinfrastruktur diktiert den Rhythmus. Im Grunde hat während der gesamten Reise keine einzige Tankstelle problemlos funktioniert. Der Mirai schleppt sich also mit Tempo 80 weiter gen Norden, während Julia im Volvo jetzt Gas gibt. Denn am nördlichsten Punkt der Tour, in Skellefteå, wartet noch ein weiteres Highlight: Die Batteriefabrik von Northvolt.

Sie steht für eine völlige Kehrtwende in der europäischen Elektromobilität: Die Batterieproduktion kehrt zurück nach Europa. Gegründet wurde Northvolt 2015 von zwei ehemaligen Tesla-Managern. Der Plan war, im großen Stil und vor allem umweltfreundlich Lithium-Ionen-Batterien herzustellen. Und der Plan ging auf. Binnen kurzer Zeit hatten Peter Carlsson und Paolo Cerruti das Investivkapital in Höhe von rund 4 Milliarden Dollar zusammen – das Projekt nahm Fahrt auf. Kurz darauf steigen die Autohersteller VW, Volvo und BMW als Partner ein. Im Januar 2022 laufen die ersten Batterien vom Band. Geplant ist eine Kapazität von 60 Gigawattstunden, was rein rechnerisch für rund eine Million E-Auto-Batterien pro Jahr langt.

„Die grünsten Batterien der Welt“

Der Clou: Im Gegensatz zu den bisherigen Anlagen in Asien läuft hier alles CO₂-neutral. Die Produktion von Lithium-Ionen-Batterien frisst gewaltige Mengen Strom. Zur Herstellung von 1 kWh Batteriekapazität werden rund 109 kWh Strom benötigt. „Wir wollen die ‚grünsten Batterien der Welt‘ herstellen“, so Sanna, die Sprecherin von Northvolt. „Dazu ist es nötig, die Produktion in einem Netzwerk mit hohem Ökostromanteil zu platzieren. Und das ist hier in der Nordmark gegeben.“ So ist es. In Skellefteå jedenfalls kommt der Strom ausschließlich aus Wind- und Wasserkraft.

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Und das ist erst der Anfang. Die nächsten Northvolt-Werke sind schon im Bau, beziehungsweise in Planung. In Salzgitter errichten die Schweden zusammen mit Volkswagen ebenfalls eine gewaltige Batteriefabrik und die übernächste ist schon angekündigt: Bis 2025 entsteht in Heide in Schleswig-Holstein ein weiteres Werk mit einer geplanten Kapazität von ebenfalls 60 GWh. Dazu soll eine Recyclinganlage kommen, was zusammen rund 3000 hochqualifizierte Arbeitsplätze verspricht. Der Grund für die Ansiedlung in Nordfriesland ist übrigens laut Northvolt die hohe Verfügbarkeit von Strom aus Windkraft. Nordfriesland? Da war doch was …

Long Way North: Das Wettrennen Wasserstoff gegen Elektroantrieb

Wasserstoff gegen Elektromotor – Toyota Mirai gegen Volvo C40: 2513 Kilometer müssen die Fahrzeuge von Köln bis Nordschweden zurücklegen.

Tag 5, Finale

Und auch auf den Mirai wartet noch ein letztes Highlight: Im besagten „Extreme-Mode“ gelingt es dem Team, den Verbrauch auf sagenhafte 0,6 kg/100 km zu senken und in Umeå die nördlichste Wasserstofftankstelle Europas zu erreichen. „Auf eigener Achse hat das bisher noch keiner geschafft“, versichert uns der Betreiber Bo. Mit seiner Firma Oazer ist er Wasserstoffpionier im hohen Norden. Unter den unwirtlichen Bedingungen Nordschwedens erprobt er die empfindliche Infrastruktur und Logistik. Elektrolyseure, Verdichter, Pumpen – alles ist hier härtesten Belastungen ausgesetzt. Minus 30 Grad und drei Meter Neuschnee in einer Nacht – was dann immer noch funktioniert, ist großserienreif. Und bislang hat sich in Schweden und Finnland niemand um das Thema Wasserstoff gekümmert. „Beide Länder haben bislang voll auf Bioraftstoffe gesetzt. Erst jetzt nimmt die Umstellung auf Wasserstoff – auch dank Druck der EU – Fahrt auf“, so Bo und er verspricht: „Wenn Du das nächste Mal mit einem Wasserstoffauto nach Schweden kommst, Christof, wirst Du keine Probleme mehr haben. Allein bis 2023 sollen 25 neue H₂-Tankstellen entstehen.“

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Geschafft: Christof Johann an Europas nördlichster Wasserstofftankstelle. Bei dem Reichweitenweltrekord fällt auch kaum ins Gewicht, dass der Rückstand auf den Elektro-Volvo C40 22 Stunden und 50 Minuten betrug.

Geschafft: Christof Johann an Europas nördlichster Wasserstofftankstelle. Bei dem Reichweitenweltrekord fällt auch kaum ins Gewicht, dass der Rückstand auf den Elektro-Volvo C40 22 Stunden und 50 Minuten betrug.

Mögen Thor, Odin und Freya ihn erhören, denkt das Team Wasserstoff, das zwar den Rekord für den nördlichsten je mit Wasserstoff erreichten Punkt geschafft hat, vor dem aber noch die Tortur der Rückreise liegt. Weitere 1000 Kilometer im „Extreme Mode“ also. Trotzdem ist das Fazit der Reise ein rundum positives.

Elektromobilität: Reisen im E-Auto ist mittlerweile problemlos möglich. Zumindest in den befahrenen Ländern Deutschland, Dänemark und Schweden ist die Ladeinfrastruktur gut bis sehr gut. Und mit Autos, wie dem Volvo C 40, der in rund 20 Minuten wieder 80 Prozent Akkuladung erreicht, sind große Tagesetappen drin. Der Volvo gewinnt die Canonball-Rallye übrigens mit 22:50 Stunden Vorsprung. Dazu entwickelt sich das Thema Elektromobilität auch wirtschaftlich zu einem Erfolgsmodell und bringt Europa zurück an die Spitze der Entwicklung.

Wasserstoff: Hier hängt alles an der Infrastruktur. In Deutschland, mit mehr als 90 Tankstellen, ist man auch auf Fernreisen schnell unterwegs. Ebenso in Dänemark. Mit Autos wie dem Mirai ist problemlos funktionierende Technik verfügbar. In Ländern wie Schweden sind dagegen noch echte Pioniere die wahren Helden. Wie auch GP Joule in Nordfriesland suchen sie mit Herzblut nach neuen Lösungen und Geschäftsmodellen.

Fazit: Elektromobilität ist die Gegenwart, Wasserstoff die Zukunft. Ganz sicher.

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