Online-Rechner ermittelt Fünfjahresrisiko für Demenz
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Eine Demenz beginnt in den meisten Fällen schleichend.
© Quelle: Getty Images/iStockphoto
Ottawa. Wo ist der Haustürschlüssel geblieben? Wie hieß die Katze der Nachbarin noch gleich? Welcher Wochentag ist heute? Dass wir manchmal Dinge vergessen, ist völlig normal – und noch kein Grund zur Beunruhigung. Problematisch wird es, wenn diese Vergesslichkeit häufig oder über einen längeren Zeitraum auftritt, vielleicht sogar mit Orientierungsproblemen oder Konzentrationsschwäche einhergeht. Dies kann unter Umständen auf eine Demenz hindeuten. Nach Angaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft leben in Deutschland rund 1,6 Millionen Menschen mit einer Demenzerkrankung.
Ein kanadisches Forscherteam hat nun ein neues Online-Tool entwickelt, mit dem Personen ab 55 Jahren ihr Risiko, an Demenz zu erkranken, für die kommenden fünf Jahre bestimmen können. Der sogenannte „Dementia Calculator“ nutzt dafür den DemPoRT-Algorithmus, der auf anonymisierte Daten der Canadian Community Health Survey zurückgreift. Grundlage sind Umfragedaten von 50.000 Einwohnerinnen und Einwohnern der kanadischen Provinz Ontario, die 55 Jahre oder älter sind. Das genaue Verfahren beschreiben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Ottawa Hospitals, der University of Ottawa, des Bruyère Research Institutes und des Forschungsinstituts ICES im „Journal of Epidemiology and Community Health“.
Online-Rechner nur in englischer Sprache verfügbar
„Was diesen Demenz-Risiko-Rechner auszeichnet, ist, dass man keinen Arzt für irgendwelche Tests aufsuchen muss“, wird Studienautorin Stacey Fisher in einer Pressemitteilung des Ottawa Hospitals zitiert. „Die Menschen haben bereits alle Informationen, die sie benötigen, um den Rechner bequem von zu Hause aus auszufüllen.“
Der „Dementia Calculator“ fragt nach unterschiedlichen Faktoren, die das Risiko für eine Demenzerkrankung beeinflussen können – zum Beispiel körperliche Aktivität, Alkoholkonsum, Ernährung und Stress. „Die Covid-19-Pandemie hat auch deutlich gemacht, dass soziodemografische Variablen wie ethnische Zugehörigkeit und Nachbarschaft eine große Rolle für unsere Gesundheit spielen“, sagte Peter Tanuseputro, leitender Autor der Studie. „Es war wichtig, diese Variablen in das Tool einzubeziehen, damit politische Entscheidungsträger verstehen können, wie verschiedene Bevölkerungsgruppen von Demenz betroffen sind.“
Innerhalb weniger Minuten können die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mithilfe des „Dementia Calculators“ ihr Demenzrisiko errechnen lassen und erhalten Tipps, wie sie dieses senken können. Laut des Ottawa Hospitals kann das Online-Tool zudem die Anzahl neuer Fälle in einer Gemeinde vorhersagen, Bevölkerungsgruppen mit hohem Risiko identifizieren und über Demenzpräventionsstrategien informieren. Bislang ist der Rechner nur in Kanada nutzbar, das heißt, es gibt ihn auch nur in englischer Sprache. Es sei jedoch möglich, ihn für jedes andere Land, das Gesundheitsumfragedaten sammelt, anzupassen, teilte das Ottawa Hospital mit.