Facebook, Meta und das Metaverse: Was Mark Zuckerberg mit seinem Konzern und dem Internet vorhat

Neuer Name, neues Logo: Der Facebook-Konzern heißt jetzt Meta.

Neuer Name, neues Logo: Der Facebook-Konzern heißt jetzt Meta.

Mark Zuckerberg wollte über die Zukunft sprechen, trotz allem. Statt um Skandale oder Probleme sollte es lieber um das nächste Kapitel des Internets und die seines eigenen Unternehmens gehen – denn beide, das wurde am Donnerstagabend sehr deutlich, sind für den Facebook-Chef untrennbar verbunden. Beide sind Meta.

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Die Geschichte von Facebook war schon immer turbulent. Doch die Schlagzeilen, die das größte soziale Netzwerk der Welt in den vergangenen Wochen produziert hat, dürften so zahlreich wie noch nie sein. Grob lassen sie sich jedoch in zwei Kategorien einteilen: worüber Facebook gerne sprechen möchte – und worüber nicht.

Wie sieht Facebooks Zukunft aus?

Zu den Themen, die Facebook selbst auf die Agenda setzt, zählen: der neue Name, das Metaverse, die Ausrichtung an jungen Nutzerinnen und Nutzern. Es ist die strahlende, digitale Zukunft, in der Facebook nichts an Relevanz eingebüßt hat – im Gegenteil. Zu den Themen, die Facebook dagegen lieber ignorieren würde, gehören all die Erkenntnisse und Berichte, die sich aus den sogenannten Facebook Papers ergeben. Sie haben den Konzern in seine größte PR-Krise seit Cambridge Analytica gestoßen. Und sie zeigen die komplizierte, schmutzige, harte Gegenwart, mit der das größte soziale Netzwerk, seine Nutzerinnen und Nutzer und seine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen tagtäglich zu kämpfen haben.

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Beides hängt jedoch zusammen. Denn im Grunde geht es um die Frage: Wie sieht Facebooks Zukunft aus? Und wer bestimmt darüber?

„Statt auf einen Bildschirm zu schauen, werden Sie mittendrin in diesen Erlebnissen sein“

Mark Zuckerberg,

Meta-Chef

Metaverse: Das Internet wird Facebook nicht mehr los

Wenn es nach Mark Zuckerberg geht, dann hat Facebook sein Schicksal, seine nächste Verwandlung, selbst in der Hand. Das Metaverse soll das nächste Kapitel des Internets sein – und das nächste Kapitel für Facebook. Der Anspruch ist damit klar formuliert: Das Internet wird Facebook nicht mehr los. Anstatt sich von dessen nächster Entwicklungsphase überrollen zu lassen oder gar vom nächsten Facebook abgelöst zu werden, gibt man lieber vor, wie die nächste Phase des Internets aussehen soll. Und löst sich im gleichen Schritt auch noch aus der Abhängigkeit von Smartphones, Apple, Google und Co. Der Gigakonzern will noch gigantischer, noch allumfassender werden.

Das Metaverse soll das analoge Leben seiner Nutzer und Nutzerinnen noch mehr mit dem Digitalen verschmelzen als es soziale Netzwerke schon heute tun. Das gilt für alle Lebensbereiche, ob Freizeit, Arbeit, zu Hause oder unterwegs. Das Metaverse soll, so skizzierte Zuckerberg es, eine virtuelle Welt sein, in die man noch tiefer eintauchen könne, bis hin zum Gesichtsausdruck der Menschen, die einen umgeben.

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„Statt auf einen Bildschirm zu schauen, werden Sie mittendrin in diesen Erlebnissen sein“, sagte Zuckerberg. Das Gefühl, vor Ort zu sein, sei das entscheidende Merkmal des Metaverse, betonte er. Physische Gegenstände werde man einscannen können, damit sie auch im Metaverse präsent sind, sagte der Facebook-Gründer. Zugleich werde man sie als Hologramme überall in die reale Welt projizieren können.

Welches Potenzial hat das Metaverse wirklich?

In der Demo, die Zuckerberg zeigte, sah das erst einmal eher unspektakulär aus. Mehr wie ein mittelmäßiges Computerspiel als eine große Technikoffenbarung. Und so fallen die ersten Reaktionen auch sehr gemischt aus: Für die einen ist das, was Zuckerberg da präsentierte, nichts anderes als ein Boomer-Traum. Die fieberhafte Idee eines Unternehmens, das feststellen muss, dass es selbst nicht mehr wirklich jung ist – geschweige denn seine User und Userinnen.

Der renommierte Techjournalist Casey Newton stellte jedoch nach der Präsentation ganz richtig fest: Der technologische Fortschritt wird mit dem Smartphone nicht an sein Ende gekommen sein. Auf die Wette, dass Virtual Reality, Augmented Reality und „connected experiences“ nie zustande kommen werden, würde er sich nicht einlassen. Facebook selbst hofft, dass bis zum Jahr 2030 eine Milliarde Nutzer und Nutzerinnen im „Metaverse“ sein werden.

Facebook hat schon länger Interesse an virtueller Realität

„Wir werden heute als Social-Media-Unternehmen gesehen, aber im Kern sind wir ein Unternehmen, das Menschen verbindet“, sagte Zuckerberg. Der Name Facebook habe nicht mehr die ganze Angebotspalette des Konzerns widerspiegeln können. Gegenüber „The Verge“ sagte er, er habe darüber schon seit der Übernahme von Whatsapp und Instagram nachgedacht, dieses Jahr sei es dann dafür an der Zeit gewesen.

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Spätestens mit dem Kauf des damaligen VR-Start-ups „Oculus VR“ war zudem auch klar, dass Facebook seine Zukunft nicht nur in seinen sozialen Plattformen sieht, sondern auch ganz massiv auf das Potenzial der virtuellen Realität setzt.

Die Namensänderung kommt, je nach Lesart, zu einem schlechten oder perfekten Zeitpunkt. Denn auch wenn Zuckerberg gegenüber „The Verge“ abstritt, dass es einen Zusammenhang zu der seit Wochen andauernden Berichterstattung über die Facebook Papers gebe: Die Umbenennung lenkt die Aufmerksamkeit von der namensgebenden Plattform ab, die, wie manche glauben, ihren Zenit längst erreicht hat – und wie selten zuvor in der Kritik steht.

Viele Probleme waren und sind Facebook bekannt

Grund sind die zahlreichen Dokumente, die die ehemalige Facebook-Angestellte Frances Haugen öffentlich gemacht hat. Sie wirft dem Facebook-Konzern vor, Profite über das Wohl seiner Nutzer und Nutzerinnen zu stellen. Seit Wochen beleuchten zahlreiche Medienberichte die verschiedenen Themen, die sich aus den internen Informationen herauslesen lassen.

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Wissen Sie, was wir alles für Sicherheit hätten tun können, wenn wir 10.000 Ingenieure gehabt hätten?

Frances Haugen,

Facebook-Whistleblowerin

Dabei den Überblick zu behalten ist nicht leicht. Doch eine wichtige Erkenntnis ist: Viele der Probleme waren und sind intern bei Facebook bekannt. Facebook-Mitarbeiter haben jahrelang gewarnt, angesichts des rasanten Wachstums zu wenig gegen Hassrede und Falschinformationen zu tun, berichtet etwa die Nachrichtenagentur Reuters nach Einblick in die Dokumente und Gespräche mit früheren Facebook-Angestellten. Demzufolge wusste Facebook etwa, dass zu wenige Menschen mit Sprachkenntnissen und Informationen über lokale Veranstaltungen beispielsweise in Schwellenländern eingestellt waren. Auch darüber, dass Instagram toxisch für weibliche Teenager ist, wurde bei Facebook intern diskutiert. Der Eindruck, der bleiben wird: Facebook weiß oft mehr, als es zugibt.

Die Probleme werden nicht weniger, nur weil man die Plattform wechselt

Ob das alles Konsequenzen für Facebook haben wird? Bis dato hat der Konzern jede seiner zahlreichen großen und kleinen Krise überstanden. Tatsächlich hat Haugen zwar die Aufmerksamkeit zahlreicher Politikerinnen und Politiker erlangt, sie sagte etwa vor dem US-Senat und einem Ausschuss des britischen Unterhauses aus. Doch ob die EU, die USA oder Großbritannien die Macht des Konzerns tatsächlich effektiv beschränken werden, ist derzeit unklar.

Klar ist dagegen: Das soziale Netzwerk hat allein mit dem Kampf gegen Hassrede und Falschinformationen eigentlich alle Hände voll zu tun. Doch die Vision des Metaverse wird einige Kräfte bündeln. Facebook will in den kommenden fünf Jahren in der Europäischen Union 10.000 neue hochqualifizierte Arbeitsplätze schaffen, um das Metaverse aufzubauen. „Wissen Sie, was wir alles für Sicherheit hätten tun können, wenn wir 10.000 Ingenieure gehabt hätten?“, fragte Haugen kürzlich. Facebooks Probleme werden nicht verschwinden, nur weil man auf eine andere Plattform umzieht.

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