„Ein Effekt der Digitalisierung“: Warum junge Menschen schlechter über Medien informiert sind

Junge Menschen haben in ihrer Mediensozialisation nur wenige konkrete Erfahrungen mit professionell-journalistischen Medien, meint Medienwissenschaftler Markus Beiler.

Junge Menschen haben in ihrer Mediensozialisation nur wenige konkrete Erfahrungen mit professionell-journalistischen Medien, meint Medienwissenschaftler Markus Beiler.

Leipzig. Junge Menschen sind im Vergleich zu Älteren schlechter über Medien und Journalismus informiert. Das geht aus einer Studie der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung hervor. Aus mangelndem Wissen resultiere Misstrauen gegenüber den Medien, was zu einer „Gefahr für die Demokratie und den gesellschaftlichen Zusammenhalt“ werden könne, warnt Markus Beiler, Direktor des Instituts für Kommunikations- und Medienwissenschaft der Universität Leipzig und Leiter des Zentrums Journalismus und Demokratie im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Damit junge Menschen mehr Medienkompetenz erlangen, müssen Schulen Beiler zufolge eine größere Rolle bei der Medienbildung einnehmen.

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Herr Beiler, was bedeutet es, wenn junge Menschen zu wenig über die Arbeit und Funktion von Medienschaffenden wissen?

Markus Beiler: Je weniger ich über Journalismus weiß, desto skeptischer sehe ich ihn. Allerdings gibt es noch weitere Faktoren, die da hineinspielen – vor allem das Gefühl, medial nicht repräsentiert zu sein. Geringes Vertrauen in Medien kann zur Gefahr für die Demokratie und den gesellschaftlichen Zusammenhalt werden. Wer sich komplett vom professionellen Journalismus abwendet, der nimmt unter Umständen auch grundlegende Fakten zu aktuellen Ereignissen und Themen nicht zur Kenntnis. Und beteiligt sich vielleicht nicht mehr oder auf Grundlage von Falschinformationen an politischen Prozessen. Informiertheit gehört eben auch zur Demokratiekompetenz.

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Welche Gründe gibt es dafür, dass junge Menschen wenig Vertrauen in die Medien haben?

Medien-Misstrauen ist sicherlich auch ein Effekt der Digitalisierung und der Umbrüche im Mediennutzungsverhalten: Junge Menschen haben in ihrer Mediensozialisation nur wenige konkrete Erfahrungen mit professionell-journalistischen Medien. Diese sind kaum Bestandteil ihrer Lebenswelt – dafür sind sie sehr viel in sozialen Medien unterwegs und stillen dort ihre Informationsbedürfnisse.

Die Untersuchung der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung befasst sich mit dem Wissen junger Sächsinnen und Sachsen. Ist die von Ihnen angesprochene Skepsis nur in Sachsen ein Problem?

Es gibt leider keine repräsentativen Studien, die einen Vergleich zwischen den Bundesländern zulassen. Sachsen ist allgemein stark im Fokus in der Debatte um Medien- und Demokratiemisstrauen, weil hier Pegida mit ihren Lügenpresse-Vorwürfen entstanden ist, weil die AfD, die hier bei Wahlen sehr erfolgreich ist, diese unsäglichen Vorwürfe ständig wiederholt, und weil weil hier die meisten Tätlichkeiten gegen Journalistinnen und Journalisten verübt werden. Aber wir wissen schlicht nicht, wie hoch die Medienkompetenz in anderen Bundesländern ist. Der Befund aus der Sachsen-Studie wurde jedoch auch bundesweit so ähnlich gemacht: Laut dem Reuters Digital News Report 2020 haben junge Erwachsene von 18 bis 24 Jahren weniger Vertrauen in Nachrichten als alle Altersgruppen über ihnen.

Wie können junge Menschen Medienkompetenzen erlangen?

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Medienkompetenz bekommt man quasi nebenbei im Elternhaus und von Gleichaltrigen vermittelt – oder eben nicht. Deshalb muss zusätzlich die Schule eine größere Rolle als bisher spielen. Aus eben diesem Grund vermitteln wir an der Universität Leipzig künftigen Lehrkräften wie Journalistinnen und Journalisten arbeiten. Die daraus gewonnene Kompetenz können sie dann in den Schulen weitergeben.

RND/epd

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