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Energieversorgung

Flüssiggasterminal in Wilhelmshaven auf der Kippe?

Beim Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven gibt es Platz für ein LNG-Importterminal. Die Pläne sind nun aber wieder offen.

Beim Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven gibt es Platz für ein LNG-Importterminal. Die Pläne sind nun aber wieder offen.

Essen/Wilhelmshaven.Erneut gibt es einen Dämpfer für Niedersachsens ambitioniertes Energieprojekt mit Flüssiggas in Wilhelmshaven. Der Uniper-Konzern, der dort nahe dem Tiefwasserhafen ein Terminal für den Umschlag von zehn Milliarden Kubikmetern jährlich errichten wollte, hat gestern einen Teilrückzieher gemacht. Es gebe zu wenig konkretes Interesse von potenziellen Flüssiggasabnehmern, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Deshalb sei eine „Fortsetzung in bisheriger Form“ nicht möglich. Denkbar sei aber noch eine Verwirklichung in kleinerer Dimension.

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Wirtschaftsminister Althusmann: Uniper soll „neu denken“

Landeswirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) sprach von einem „spürbaren Rückschlag für die seit Jahren laufenden Bemühungen der Landesregierung, Niedersachsen zu einem Standort für Flüssiggas zu entwickeln“. An Uniper richtete er einen „Appell, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, neu zu denken, um das Energieimportvorhaben in veränderter Ausprägung fortzuführen“.

Verflüssigtes Erdgas (LNG für Liquefied Natural Gas) gilt als möglicher „Brückenträger“ bei der Energiewende. Zudem würden verstärkte Flüssiggasimporte Deutschland und Mitteleuropa unabhängiger von Pipeline-Gaslieferungen etwa aus Russland machen. Es gibt jedoch auch Kritik, weil letztlich doch wieder fossile Energien genutzt werden. LNG wird unter anderem für den Kraftfahrzeugantrieb verwendet. Wirtschaftsminister Althusmann betonte, dass es besonders für Lkw und Busse geeignet sei, um die Klimaziele der Hersteller zu erreichen.

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„Das Projekt ist nicht tot“

Für den Transport mit Schiffen wird Flüssiggas auf minus 163 Grad heruntergekühlt, wodurch es stark an Volumen verliert. Am Anlandepunkt im Terminal muss es wieder in die gasförmige Form gebracht („regasifiziert“) werden. Uniper hat bereits Vorverträge mit einem japanischen Partner geschlossen, um im Wilhelmshavener Jadebusen eine schwimmende Plattform zu errichten. Mit einer südkoreanischen Werft sollen bereits Vereinbarungen für den Bau getroffen worden sein, die Betreiber wollten die Plattform dann für 20 Jahre mieten.

„Das Projekt ist nicht tot“, sagte Uniper-Sprecher Georg Oppermann. Es werde sich zwar verändern, „aber wir fangen ja nicht bei null an“. Uniper hat bei Gasabnehmern nach dem Bedarf gefragt. Nach Angaben des Essener Unternehmens gab es bisher zu wenige konkrete Abnahmezusagen für ein Terminal mit zehn Milliarden Kubikmetern Jahreskapazität.

Transport per Schiff: Das LNG-Bunkerschiff „Kairos“ liegt am Kreuzfahrtterminal Steinwerder.

Transport per Schiff: Das LNG-Bunkerschiff „Kairos“ liegt am Kreuzfahrtterminal Steinwerder.

Auch für Wasserstoff geeignet?

Welche Dimension das Projekt künftig haben könne, dazu machte der Sprecher keine Angaben. Man werde jetzt die Planung überarbeiten. „Im Frühjahr wissen wir, wie es weitergeht“, sagte Oppermann. Eine Option könne sein, das Terminal so auszulegen, dass langfristig auch die Einfuhr von Wasserstoff möglich ist.

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Neben Wilhelmshaven laufen auch in Brunsbüttel, Stade und Rostock Planungen für LNG-Terminals. Im Juli hatte es geheißen, der Wilhelmshavener Standort stehe auch wegen eines geschützten Unterwasser-Biotops noch nicht fest. Eine für 2022 erhoffte Fertigstellung hat sich bereits auf 2024 verschoben – jetzt ist offen, ob es bis dahin überhaupt etwas wird.

In Deutschland werden aktuell etwa 80 Milliarden Kubikmeter Gas im Jahr verbraucht. Die Flüssiggas-Terminals hätten zusammen weit mehr als 30 Milliarden Kubikmeter beitragen sollen – aber nicht alles für den deutschen Markt, sondern für ganz Mitteleuropa. Vor allem Katar fördert den Rohstoff. Auch die USA wollen ihn in großem Maßstab nach Europa exportieren und sind aus diesem Grund strikt gegen den Weiterbau der Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 zwischen Russland und Deutschland.

Von Conrad von Meding

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