Harz

Vor 20 Jahren: 376 Tonnen eingelagerte DDR-Banknoten werden vernichtet

Archiv: In einer Höhle im Vorharz wurden frisch gedruckte DDR-Banknoten eingelagert, als die D-Mark eingeführt wurde. Sie sollten dort verrotten. Das Lager wurde allerdings zu unsicher.

Archiv: In einer Höhle im Vorharz wurden frisch gedruckte DDR-Banknoten eingelagert, als die D-Mark eingeführt wurde. Sie sollten dort verrotten. Das Lager wurde allerdings zu unsicher.

Halberstadt. „Diese beeindruckenden Bilder werde ich wohl nie vergessen. Bis hoch unter die Decke lagerten Millionen von Banknoten“, beschreibt Christine Volk von Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) die einstige Schatzhöhle in den Halberstädter Thekenbergen. In den unterirdischen Gewölben sollten die Geldscheine, die ab 1. Juli 1990 mit Einführung der D-Mark in Ostdeutschland kein gültiges Zahlungsmittel mehr waren, verrotten. „Der größte Teil des Papiergeldes wirkte druckfrisch“, erinnert sich die KfW-Sprecherin.

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Verborgen vor der Öffentlichkeit hatte die DDR-Staatsbank die Banknoten 1990/91 unter Tage eingelagert. Der Schatz wurde eingemauert und eingeschlämmt. Ein Gutachten gab an, dass sich das Geld in den Stollen in einem überschaubaren Zeitrahmen gleichsam auslösen würde.

Archiv: Eingelagerte Banknoten in der Höhle bei Halberstadt. Dort sollte das Geld verrotten.

Archiv: Eingelagerte Banknoten in der Höhle bei Halberstadt. Dort sollte das Geld verrotten.

Geldscheine aus dem Lager tauchten auf Sammlermarkt auf

Die Hoffnung auf eine unspektakuläre Entsorgung der DDR-Banknoten in dem verzweigten Höhlensystem, das während der Nazi-Zeit von KZ-Häftlingen angelegt und für Rüstungszwecke genutzt worden war, erfüllte sich jedoch nicht. 2001 tauchten Geldscheine auf dem Sammlermarkt auf, nie emittiert und druckfrisch. Eine Prüfung durch die KfW - als Rechtsnachfolgerin der Staatsbank der DDR für das „Milliardengrab“ unter den Thekenbergen verantwortlich - ergab, dass diese Banknoten aus Halberstadt stammten und sich Diebe durch offene Lüftungsschächte illegal Zutritt zu den Stollen verschafft hatten.

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Als zwei Männer am 28. Juli 2001 von einem Wächter auf frischer Tat gestellt wurden, befanden sich auffällig viele 200-Mark- und 500-Mark-Scheine in der aufgefundenen Diebesbeute. Diese Banknoten, die 1985 in der DDR gedruckt wurden, aber nie in Umlauf gelangten, haben für Sammler einen hohen Wert.

Die KfW aber befürchtete weitere Einbrüche und entschied sich deshalb für eine rasche Beseitigung des riesigen Geld-Lagers. „Wir wollten verhindern, dass die Thekenberge Ziel von Abenteuerausflügen werden“, sagte Christine Volk, die die Auflösung des „Milliardengrabes“ zwischen April und Juni 2002 begleitete.

Lager wurde bis auf den letzten Schein geleert

In jenen drei Monaten wurde das einstige Zahlungsmittel in einer Abfallvernichtungsanlage bei Helmstedt nach und nach verbrannt. Zuvor mussten in den Stollen die eingelagerten 376 Tonnen Banknoten von Kies und Sand getrennt und in Behälter verladen werden. Während zehn Mitarbeiter des Schachtbaus Nordhausen diese Arbeiten verrichteten, achteten Wachleute eines Wernigeröder Unternehmens darauf achten, dass auch der letzte Schein in die bereitgestellten Container kam.

Bis Ende Juni 2002 transportierten nahezu täglich sechs Container-Fahrzeuge insgesamt 620 Millionen Geldscheine durch den Harz ins niedersächsische Buschhaus. Die grauen 33-Kubikmeter-Container waren vollgestopft mit Banknoten. Gefahren wurde in den Abendstunden, von der Entsorgungsaktion sollten möglichst wenig Leute erfahren.

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Endstation Müllverbrennungsanlage: Geld verbrennt bei 1200 Grad

In der Abfallvernichtungsanlage Buschhaus (TRV), der Endstation für das ausgediente Papiergeld, sollen sich einige Mitarbeiter anfangs noch über den Geldregen, der sich regelmäßig gegen 20.00 Uhr in den riesigen Müllbunker ergoss, gewundert haben. „Es war schon ein wenig wie bei Onkel Dagobert, der superreichen Ente Walt Disneys, wenn die Container entladen wurden und die zum Teil bestens erhaltenen Scheine nur so umherflatterten“, so der damalige TRV-Sprecher Markus Nitschke.

Diese Banknoten wurden jeweils sofort nach dem Ausladen geschreddert, mit anderen Restabfällen vermischt. Bei 1200 Grad im Kessel verglühte das Geld, das mehr als 40 Jahre lang Zahlungsmittel für rund 17 Millionen Menschen zwischen Ostsee und Thüringer Wald war, nahezu restlos. Die Schlacke, die aus dem Gemisch von Hausmüll und Banknoten entstand, wurde als Kiesersatz beim Straßenbau eingesetzt, der Eingang zu der einstigen Schatzhöhle bald darauf zugemauert.

Ein kleiner Teil des Halberstädter Schatzes übrigens ist noch öffentlich zu sehen, sagte Tanja Chatzinotas vom Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig. Für dessen Dauerausstellung stellte die KfW einige Banknotenbündel zur Verfügung. Eine Vitrine präsentiert eine Sammlung DDR-Banknote - darunter auch Scheine, die zuvor in den Thekenbergen eingelagert worden waren.

Von RND/dpa

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