Temperaturunterschied ist entscheidend

Richtig lüften im Sommer: Fenster auf oder zu an heißen Tagen?

Sonenschirm auf, Jalousie runter: Innenstädte heizen sich infolge der Klimaerwärmung besonders stark auf.

Fenster zu, Jalousie runter: Gerade die Innenstädte heizen sich derzeit besonders auf.

Nicht erst seit Corona wird empfohlen, Innenräume regelmäßig zu lüften. Frische Luft in der Wohnung sorgt für ein angenehmes Raumklima und neuer Sauerstoff für einen wachen Geist. Was ist aber, wenn draußen Temperaturen von 30 Grad und mehr herrschen? Sollte man auch dann für Durchzug sorgen?

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„Die wichtigste Frage ist, wann man die Fenster aufmacht. Wenn wir an heißen Tagen am Mittag lüften, dann lassen wir die Wärme rein“, erklärt Immanuel Stieß vom Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE). Er beschäftigt sich mit Klimaschutz im Alltag und Energienutzung im Haushalt. „Am besten ist es, früh morgens alle Fenster weit zu öffnen, wenn sich die Luft über die Nacht abgekühlt hat. Wer lange wach ist, kann auch abends schon die Fenster aufmachen.“

Die Faustregel ist: Erst die Fenster öffnen, wenn es draußen kühler als drinnen ist. Hierbei kann man sich gut an einer Wetter-App orientieren und schauen, wann die Temperaturen am tiefsten sind. Über Nacht können die Fenster dann auch über mehrere Stunden geöffnet bleiben, damit die Wärme nachhaltig entweichen kann.

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Duschen und kochen: Bei hoher Luftfeuchtigkeit hat Lüften Priorität

Aber auch für diese Regel gibt es Ausnahmen, erklärt Stieß: „Wenn wir etwa tagsüber duschen oder kochen, dann ist es wichtig, die feuchte Luft schnell aus der Wohnung hinauszuleiten – also gleich Fenster auf. Hohe Luftfeuchtigkeit sorgt für ein unangenehmes schwüles Klima und kann in Verbindung mit Wärme schnell zu Schimmel führen.“

Durch die geschlossenen Fenster steht jedoch die Luft bewegungslos in der Wohnung. Wer tagsüber viel zu Hause ist und etwa im Homeoffice sitzt, dem empfiehlt der Experte einen energiesparenden Ventilator, um sich zu kühlen. Laut Verbraucherschutzzentrale liegen hier die jährlichen Stromkosten bei nur 10 bis 15 Euro pro Jahr.

Sonnenschutz fürs Haus ist entscheidend

„Wer Jalousien, Roll- oder Fensterläden hat, sollte die während der Sonnenstunden schließen – gerade an den Sonnenseiten des Hauses“, so Stieß. Ein Vorhang hinter dem Fenster im Innenraum bringe leider nur wenig. Insgesamt sei es aber entscheidend, auch die Fassade vor der Sonneneinstrahlung und damit der Hitze zu schützen. Hierbei kann auch ein Baum oder Fassadenbegrünung helfen. „Auch die Anstrengungen, Gebäude besser nach außen zu isolieren, helfen nicht nur beim Heizen im Winter, sondern sie verhindern ebenso, dass sich die Gebäude im Sommer aufheizen.“

Hitzehacks für den Sommer

An einigen Sommertagen klettert das Thermometer gern mal über 30 Grad. Hier ein paar praktische Tipps, um sich abzukühlen.

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Wegen der zunehmend besseren Isolierung der Gebäude empfiehlt die Verbraucherschutz­zentrale, unnötige Wärmequellen im Inneren abzuschalten. Ein zweiter Kühl- oder Eisschrank etwa, der nicht unbedingt gebraucht wird, oder alte Glühbirnen heizen den Raum weiter auf.

Flächendeckend Klimaanlagen nötig?

Trotz aller Maßnahmen wird die Klimakrise und die stetig steigende Zahl an heißen Tagen Probleme machen. Bei der letzten Untersuchung des ISOE aus dem Jahr 2015 wurde festgestellt, dass rund 3 Prozent der Haushalte in Deutschland eine Klimaanlage besitzen. „Dieser Wert ist mittlerweile sicher höher und wird in Zukunft noch steigen“, sagt Immanuel Stieß.

Der Forscher glaubt aber, dass es in Deutschland durch energetische Gebäudesanierung und eine vorausschauende Stadtplanung nicht nötig sein wird, flächendeckend Klimaanlagen in Privatwohnungen einzubauen. „Eine Alternative sind jedoch Lüftungssysteme mit einer Wärme beziehungsweise Kälterückgewinnung, wie wir sie aus Passivhäusern kennen. Mit denen wird für einen Luftaustausch gesorgt, ohne dass die Wärme von außen hineinkommt.“

 

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