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Thema des Tages Wie ein Peiner die Brennwert-Heiztechnik erfand
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07:23 09.09.2019
Ein Foto aus dem Jahr 1999: Richard Vetter, Erfinder aus Peine, zeigt stolz die verschiedenen Modelle seines Ofens. Quelle: Archiv
Gifhorn/Peine/Wolfsburg

Er hatte eine geniale Idee, die vielen zunächst gar nicht gefiel: Richard Vetter, der in Dungelbeck im Landkreis Peine zu Hause war, gilt als Erfinder der modernen Brennwert-Heiztechnik. Sein Streit mit den Behörden um die Zulassung seines Veritherm-Ofens ist legendär und fand in den 1980er Jahren bundesweit Beachtung. Am 11. September wäre er 100 Jahre alt geworden.

Vetter war ein Tüftler

Der Müllermeister Richard Vetter war ein Tüftler, der mehr als 100 Patente erwarb, erfand in den 1980er Jahren ein neues, umweltschonendes Heizsystem, das geeignet war, die gesamte Heizungsindustrie zu revolutionieren. Auf seine Idee geht der Voll-Brennwertkessel zurück, der im Gegensatz zu damals herkömmlichen Konstruktionen einen wesentlich besseren Wirkungsgrad erreicht, weil er die Abgaswärme nutzt.

Die Idee für den Ofen war ebenso einfach wie genial.

Von Behörden torpediert

Doch Vetter hatte es nicht leicht, seine ebenso einfache wie geniale Idee zu vermarkten. Seine Bemühungen um Zulassung seiner Öfen unter dem Markennamen Veritherm (Veri ist abgeleitet von den Anfangsbuchstaben von Vetter, Richard) wurden jahrelang von TÜV, Schornsteinfegerverbänden und dem Umweltbundesamt torpediert. Unter anderem war nach damaligem Kenntnisstand ein Abgasrohr aus Kunststoff schier undenkbar und deshalb nicht genehmigungsfähig – allen praktischen Tests zum Trotz.

Odyssee gegen Bürokratie

Vetters Odyssee gegen die Bürokratie wurde schon in den 1980er Jahren bemerkt und aufbereitet. Der Autor Daniel Knop schrieb unter dem Titel „Der Vetter-Ofen. Ein Erfinder, ein neues umweltschonendes Heizsystem und ein jahrelanger Kampf gegen Bürokraten“ ein Buch über die Ereignisse. Auch das Fernsehmagazin Panorama wurde auf die Geschichte aufmerksam. Der Autor Peter Gatter berichtete über die Auseinandersetzungen des Erfinders mit dem TÜV Hannover. Dessen Mitarbeitern gelang es im Beisein der Kameraleute nicht, die behaupteten unzulässigen Abgastemperaturen zu reproduzieren und damit die Verweigerung der Zulassung zu begründen.

Neuauflage des Buchs über Vetter

Im Buch von Daniel Knop werden in Tagebuchform chronologisch die mitunter verworrenen Abläufe der Jahre 1959 bis 1987 nachgezeichnet. Darin werden Auszüge aus Gesprächsprotokollen gebracht, die durchaus auf Willkür und Verschleppungstaktik der Behörden hinweisen – aber auch auf Vetters aufbrausendes Temperament. Diplomatie war nicht seine Stärke, so dass er immer wieder Menschen gegen sich aufbrachte, deren Unterstützung er gebraucht hätte. Zum 100. Geburtstag des Erfinders wird es auf Betreiben und unter Mitarbeit von Vetters Weggefährten Klaus-Dieter Balke eine Neuauflage geben.

Zulassung kam 1995

„Nach 13-jährigem Kampf nun doch noch die Genugtuung“ schrieb der damalige Redakteur der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung, Hans-Anton Papendiek, in der Ausgabe vom 4. September 1995 anlässlich der Zulassung des Brennwertkessels „Veritherm“ bis zum Jahr 2000. Mit einem Schlag waren die Querelen mit Schornsteinfegern und Gerichten vom Tisch. „Drei Verfahren, in denen Vetter-Kunden die Genehmigung für ihre Öfen gerichtlich einklagen wollten, sind sofort eingestellt worden. Die Schornsteinfeger-Innungen aller Bundesländer gaben Anweisung, die Heizgeräte abzunehmen“, schrieb Papendiek. Für Vetter kam das zu spät. Er war zu dem Zeitpunkt 75 Jahre alt und fühlte sich zu alt, um noch eine Produktion im großen Stil aufzubauen.

Hat die Konkurrenz Druck gemacht?

Der Peiner Ofenbauer war bis zum Schluss der Meinung, dass ihm auf Druck der Konkurrenz so viele Jahre hindurch die Anerkennung versagt blieb. Dieser Vorwurf allerdings wurde von Vertretern der Behörden entschieden zurückgewiesen. Hauptproblem aus deren Sicht war, dass Vetter immer wieder etwas Neues eingefallen sei und deshalb seine Entwicklungen von den Genehmigungsunterlagen abwichen. „Erfinder können mitunter schwierige Menschen sein. Aber so einen schwierigen wie Vetter hatten wir noch nicht“, zitierte HAZ-Redakteur Papendiek einen Behördenvertreter.

Mehrfach ausgezeichnet

Doch Vetter hat auch viel Unterstützung erfahren – von Kirchen, Parteien, vielen Bürgern und Tüftlern, die über ähnliche Erfahrungen und Behinderungen freier Erfinder klagten. Für seine Erfindung wurde er mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit der renommierten „Diesel-Medaille“ und dem „Vital-Preis für praktischen Umweltschutz“.

Die Panorama-Sendung vom 19. Februar 1985 über Vetter und seinen Ofen ist bis heute in der ARD-Mediathek abrufbar.

Richard Vetter

Richard Vetter wurde am 11. September 1919 in Leonberg geboren. Der gelernte Müllermeister verzichtete 1977 nach einem Brand auf den Wiederaufbau seiner Brotfabrik in Dungelbeck. Er setzte die Entschädigung seiner Versicherung für seine Erfindungen ein und konzentrierte sich auf seine Entwicklungen. Am 19. April 2000 starb er im Alter von 80 Jahren in seinem Haus in Dungelbeck.

Neben vielen Ehrungen wurde ihm 1986 für seine wegweisenden Arbeiten die Diesel-Medaille verliehen. Diese Auszeichnung wird nur sehr wenigen zuteil. Unter den Diesel-Medaillenträgern finden sich Namen wie Ferdinand Graf von Zeppelin, Carl-Friedrich Benz oder Wernher von Braun.

Das technische Prinzip des Brennwertofens

Richard Vetters Erfindung: Wärmetauscher im Ofen sparen Heizenergie. Quelle: Richard Vetter

Vetters Lösung: Die Brennkammer wird im Ofen nicht – wie bis dato üblich – unten angeordnet, sondern oben (1). In dieser Kammer verbrennt mit einer etwa 1400 Grad heißen Flamme Erdöl oder Gas. Die Abgase aus dem Verbrennungsraum (2) werden an Wärmetauscherplatten vorbeigeführt, durch die das Wasser der Heizkörper geleitet wird. Sie geben hier schon so viel Wärme ab, dass sie hinterher nur noch eine Temperatur von etwa 60 Grad haben. Das allein bedeutet schon eine große Energie-Ersparnis.

Unterhalb dieses Wärmetauschers installierte Vetter noch einen zweiten (3), durch den er die Frischluft leitete, die der Ofen für die Verbrennung braucht. Während die Frischluft durch diesen zweiten Wärmetauscher strömt, entzieht sie dem Abgas die Wärme, die sonst verloren ginge. Dadurch kann der Ofen auch bei strengem Frost noch sehr wirtschaftlich arbeiten. Durch die Ausnutzung der restlichen Abgaswärme ist der Brennstoffverbrauch sehr gering.

Darüber hinaus brauchen Abgase, die fast auf die Umgebungstemperatur abgekühlt wurden, keinen feuerfesten Kamin, es genügt ein einfaches Plastikrohr (4). Dieser Gedanke war damals revolutionär, doch ohne das Kunststoffrohr wäre der Ofen nicht zu verwirklichen gewesen: Je tiefer die Temperatur der Abgase sinkt, desto tiefer sinkt auch der Feuchtigkeitsgehalt. Die vorher darin enthaltene Feuchtigkeit sammelt sich als Kondensat an den Wänden der Abgas-Rohrleitungen – samt der darin gelösten giftigen Chemikalien. Allein der darin enthaltene Schwefel würde zum Beispiel ein Rohr aus Metall in kurzer Zeit zerfressen.

Zudem entwickelte Vetter ein der Natur abgeschautes Prinzip, um die Luft schon im Ofen zu vollziehen. Er sprühte fein zerstäubtes Wasser in die Abgasleitung und produzierte so quasi künstlich direkt im Ofen den in der Natur gefürchteten „sauren Regen“, der in den 1980er Jahren ein großes Thema war und ein verbreitetes Waldsterben zur Folge hatte.

Von Kerstin Wosnitza

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