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Stadt Peine Warum eine sauerländische Familie zum Campen nach Wolfsburg fährt
Stadt Peine Warum eine sauerländische Familie zum Campen nach Wolfsburg fährt
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06:12 19.07.2019
Familienurlaub: Tanja Plaßmann, Finn Baldauf und Gunnar Baldauf (v.l.) ziehen den Wolfsburger Campingplatz jeder Ferienwohnung vor: Quelle: Roland Hermstein
Wolfsburg

Der elfjährige Finn sitzt am Esstisch und bastelt eine Lego-Rakete, seine Mutter sitzt ihm gegenüber und liest, der Vater macht sich an der Kaffeemaschine noch ein Tässchen Kaffee. Neben der Kaffeemaschine stehen ein Wasserkocher und eine Kühl- und Gefriertruhe, auf dem Tisch dudelt ein Radio. Doch was wirkt wie ein ganz normales Esszimmer, ist ein Vorzelt auf dem Wolfsburger Campingplatz: Familie Baldauf/Plaßmann aus Attendorn in Nordrhein-Westfalen macht seit einigen Jahren nur noch Camping-Urlaube. Ein Zurück kommt für sie nicht in Frage.

„Bei Ferienwohnungen weiß man nie, wie man sie vorfindet“

„Ich fliege nicht“, erklärt Mutter Nadja Plaßmann den Hauptgrund. „Und mein Mann mag keine Hotels: Morgens um neun frisch gestriegelt zur Massenabfertigung beim Frühstück, das ist nicht unsers.“ Früher mietete die Familie deshalb hauptsächlich Ferienwohnungen an. „Aber da weiß man nie, wie man sie vorfindet“, erklärt Plaßmann. „Außerdem habe ich sowieso immer all unser Bettzeug und Handtücher und alles dabei, da konnten wir auch gleich ein Wohnmobil nehmen.“

Allerhand technisches Gerät sorgt für Komfort

Gesagt, getan: 2014 kauften die drei einen Wohnanhänger und reisen seither regelmäßig mit ihrer Wohnung auf Rädern, inklusive Ventilator, Heizlüfter, faltbaren Geschirrschränken und einem Outdoor-Teppich fürs Vorzelt. In Scharbeutz waren sie schon, am Mosel-Ufer auch – und nun in Wolfsburg. „Wir sind nicht die, die mit dem Wohnmobil nach Kroatien fahren und drei Wochen im Sand liegen“, meint Vater Gunnar Baldauf. „Wir wollen lieber was erleben.“

So schön ist Campen – eine Bilder-Galerie:

Lieber Frühstück im Vorzelt als Buffet im Sterne-Hotel: Familie Baldauf/Plaßmann verbringt ihren Urlaub auf dem Wolfsburger Campingplatz. Wie sie hier wohnen, zeigt diese Bildergalerie.

Und das tun die drei. Ein Bekannter hatte ihnen die Autostadt empfohlen, und Nadja Plaßmanns Reiseführer mit 1000 Ausflugszielen in Deutschland listet auch noch Allerpark und Phaeno auf. Außerdem stehen noch Tagesfahrten nach Hannover und Magdeburg an.

Finn (11): „Beim Campen hat man das Gefühl von Freiheit“

Und auch direkt vor der Haus-, Verzeihung, Zelttür warten Abenteuer: Sohn Finn hat sich einen Elektroroller gekauft, mit dem er jetzt um den Allersee düst. Auch beim Schnupperkurs des Wolfsburger Kanu Clubs ist Finn selbstredend mit dabei und sticht ganz ohne Mama und Papa in See. „Man hat beim Campen das Gefühl von Freiheit“, findet er. Umso mehr, seit er groß genug ist, um nicht mehr das Walkie-Talkie mit auf seine Touren nehmen zu müssen.

Und ein Video zu den Campern – viel Spaß beim Anschauen:

Die Familie aus Nordrhein-Westfalen bleibt gleich für anderthalb Wochen

Normalerweise dominieren auf dem Wolfsburger Campingplatz die Dauercamper. Touristen hingegen bleiben meist nur eine Nacht und nicht, wie die drei Sauerländer, gleich anderthalb Wochen. Doch dass der Platz nicht die Infrastruktur einer Touristenhochburg hat, stört die drei Urlauber wenig. Ja, zum Wasserholen muss man ein Stück laufen, und ja, das nur holprig funktionierende WLAN nervt, wenn man zum Beispiel Tickets für die Autostadt buchen will. Aber wen stört das, wenn man dafür so viel mehr erlebt als im Hotel. Denn wer eh schon im Vorzelt sitzt, ist ja schon fast im Freien und damit auf dem Sprung zum nächsten Abenteuer.

Camping mit Teenager – geht das gut?

Wie viel es zu erleben gibt, zeigt sich auch an dem DVD-Spieler, den Finn mitgenommen hat. Denn den hat der Elfjährige zuletzt auf der vierstündigen Fahrt genutzt – seitdem liegt das Gerät unbeachtet im Wohnwagen. Doch was, wenn Finn erstmal in die Pubertät kommt und es auf so engem Raum dicke Luft gibt? „Es gibt Inlet-Zelte, die man innerhalb des Vorzelts aufbauen kann und in denen größere Kinder dann schlafen können“, erklärt seine Mutter. Und wenn das nicht mehr reicht, kann Finn sich auch ein eigenes Zelt außerhalb aufbauen.

Von Frederike Müller

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