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Stadt Peine Waldbrandkatastrophe 1975: So schwer hatte die Feuerwehr zu kämpfen
Stadt Peine Waldbrandkatastrophe 1975: So schwer hatte die Feuerwehr zu kämpfen
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06:00 05.08.2019
Erinnern an die Waldbrandkatastrophe: Jürgen Bosch (l.) und Kai Ludolf. Quelle: Hilke Kottlick
Meinersen

1975 – eine der größten Waldbrandkatastrophen wütet im Landkreis Gifhorn. Jürgen Bosch – damals 20 Jahre jung – gehört zu den Feuerwehrleuten, die erst bei den Bränden in Stüde und dann in Meinersen im Einsatz sind. Er erinnert sich an diese Brände, als hätte er sie gerade erst erlebt. Verglichen mit neuester Technik von heute, denkt er – gemeinsam mit Kai Ludolf, 47-jähriger Ortsbrandmeister in Meinersen – dabei vor allem auch zurück an eine handylose Zeit mit nur wenigen Telefonen und Funkgeräten, an Löschfahrzeuge, von denen nur die wenigsten Wasser an Bord hatten, an ein Funknetz, das nur von der eigenen Wehr und nicht von ortsfremden Helfern genutzt werden konnte. Genauso denkt er zurück an die persönliche Ausstattung. Sie bestand damals „aus selbst gekauften dünnen Latzhosen und gebrauchten Bundeswehrstiefeln für 9,80 Mark“.

200 Meter Schlauch verbrannt

Bosch blickt zurück: „Wir halfen bei der Waldbrandkatastrophe im Jahr 1975 erst bei dem Feuer, das kurz vorher in Stüde und Grußendorf ausgebrochen war, wurden am Abend aber nach Hause geschickt.“ Am nächsten Tag – es war ein Samstag – ging es wieder zurück nach Stüde, „um dort Kameraden abzulösen“. Bei den Löscharbeiten dort sei das Feuer über geschlagen, „200 Meter Schlauch verbrannten“, erinnert er sich.

Wieder zurück in Meinersen, „ging es hier am Sonntag los“. Einwohner aus Meinersen hatten eine Rauchsäule zwischen Leiferde und Meinersen entdeckt. „Sie schlugen Alarm.“ Großes Problem damals laut Bosch, „es gab noch keine Handys, kaum Telefone und nur die Führungskräfte hatten Funk – allerdings auch nur im eigenen Netz – auf Kanal Florian Gifhorn“.

Kaum Wassertanks

Nach der „Alarmierung durch Daumendruck“ fuhr Bosch als junger Feuerwehrmann damals in Richtung Leiferde zum Löscheinsatz. Weiteres Handicap: Nur die wenigsten Feuerwehrwagen hatten Wassertanks an Bord – „es gab kaum wasserführende Fahrzeuge“. Die Brandschützer mussten deshalb auf Brunnen zurückgreifen – das kostete Zeit. Derweil war Kontakt nach Stüde/Grußendorf hergestellt worden. Dort war offenbar zur Schadensbegutachtung kreisweite Prominenz versammelt. Und von dort wurde laut Bosch veranlasst, dass ein Hubschrauberpilot die Brände bei Meinersen aus der Luft sichten sollte.

Mitten in Meinersen wurde derweil eilig auf einer freien Fläche eine Zeltstadt mit örtlicher Einsatzleitung unter Heinrich Weichsler eingerichtet, berichtet Bosch weiterhin. Zusätzliches Problem: Es war Sonntag und vor allem bei den Behörden niemand erreichbar.

Räum-Panzer

Dabei erinnert er sich an einen ganz besonderen Moment: Wegen der fehlenden Telefone fuhr ein Wagen der Deutschen Bundespost vor, ein Fernmeldetechniker stieg aus, kletterte einen Telegrafenmast hinauf, zapfte die Leitung an und sorgte so für einen Telefonanschluss für die Einsatzzentrale. Jetzt konnte die Bundeswehr in Braunschweig alarmiert werden. Und wenn – wohl auch wegen des Wochenendes – nicht sofort Hilfe geschickt werden konnte, so wurde dort offenbar in der Nacht reagiert, denn am nächsten Morgen waren Räum-Panzer vor Ort, um Schneisen zu fahren und der Feuerwehr die Wege im Wald zu ebnen.

Was dem jungen Feuerwehrmann damals sehr imponierte, war eine „Feuerwehr-Bereitschaft mit 200 Leuten, die aus Bielefeld dazu kam“. Sehr versiert, lief dort alles nach Plan, die Gruppe war laut Bosch völlig selbständig, „hatte Getränke, eine eigene Versorgungseinheit dabei“, erinnert er sich an eine „geschlossene Einheit – so wie es heute bei den Feuerwehren allgemein üblich ist“ .

Deyhdrierte Einsatzkräfte

Denkt Bosch zurück an diesen Sonntag, erinnert er sich auch an das DRK, „das uns mit kühlem Leitungswasser und Salztabletten versorgt hat. Ein Segen für viele der dehydrierten und völlig erschöpften Feuerwehrkameraden.“ Genauso denkt er gern zurück an die Einwohner. „Sie halfen, wo sie nur konnten, ließen uns telefonieren, versorgten uns mit Essen und Getränken.“

Jürgen Bosch ist heute 64 Jahre alt und Rentner. Noch drei Jahre – möglich ist das jetzt bis zum 67. Lebensjahr – wird er aktiven Dienst bei der Freiwilligen Feuerwehr Meinersen leisten.

Von Hilke Kottlick

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