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Stadt Peine „Wie läuft Schule eigentlich in Syrien?“
Stadt Peine „Wie läuft Schule eigentlich in Syrien?“
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18:00 30.07.2019
Das Bild zeigt die Islamwissenschaftlerin Julia Nohn (Mitte) mit Friederike Isensee vom Bildungsbüro (rechts) und Annika Tölle, Koordinatorin in der Bodenstedt-Wilhelmschule. Quelle: Bodenstedt-Wilhelmschule
Peine

Wie lernen Schüler eigentlich in Syrien, im Irak oder im Jemen? Wie läuft der Unterricht dort ab? Fragen, die sich viele Lehrkräfte stellen, die Geflüchtete in ihrer Klasse haben. Antworten erhielten sie jetzt von der Islamwissenschaftlerin Julia Nohn, die viele Jahre im Nahen und Mittleren Osten gelebt und geforscht hat. Das Bildungsbüro des Landkreises und das Netzwerk für schulische Sprachförderung haben die Veranstaltung in der Bodenstedt-Wilhelmschule (Bowi) in Peine organisiert. Gefördert wurde sie vom Regionalen Bildungsfonds des Landkreises. Rund 25 Lehrer nahmen daran teil.

Schule ist kaum vergleichbar

„Das Bildungsniveau in vielen islamisch geprägten Ländern hat in den letzten 20 Jahren stark zugenommen“, so die Einschätzung der Referentin. Allerdings seien die Lehrpläne und die Lehrerausbildung nicht mit den hiesigen Standards vergleichbar. Die Schulpflicht betrage neun Jahre, zuerst würden alle Schüler gemeinsam unterrichtet, später folge der Unterricht meist getrennt nach Geschlechtern. Danach könnten sie anfangen zu arbeiten oder weitere drei Jahre die Schule besuchen, um einen Abschluss ähnlich unserem Abitur zu bekommen. Ein verpflichtendes Berufsschulsystem gebe es nicht.

Fehler werden meistens bestraft

Laut Nohn dominiert der Frontalunterricht, die Lehrkräfte haben große Autorität. Individuelle Unterrichtsmethoden und kooperative Lernformen gebe es kaum. Sie sagte: „Religiöser Unterricht nimmt in einigen islamischen Ländern mehr Raum ein als technische Fächer und Fremdsprachen. Die Schüler müssen viel auswendig lernen und vortragen. Wer Fehler macht oder sich nicht an Regeln hält, wird oft bestraft.“ Auch wenn offiziell körperliche Strafen verboten sind, hat die Referentin doch erfahren, dass körperliche Züchtigung in fast allen Schulen noch praktiziert und geduldet wird. Aus Angst vor Strafen und Erniedrigung trauten sich viele Schüler nicht, Fragen zu stellen.

Lerninhalte sind oft religiös geprägt

Viele Schulbücher in islamischen Ländern würden auf den ersten Blick modern wirken mit Bildern, Grafiken und kurzen Texten. Julia Nohn, die fließend Arabisch spricht, hat in ihren Forschungen aber festgestellt, dass offenen Fragestellungen oder der eigenen Meinungsbildung nur wenig Raum gegeben wird. Die Schulbuchinhalte einiger Länder seien stark religiös geprägt, das heißt, auch bei Mathe-Aufgaben oder in Sachkunde gehe es um Themen des Islam. In den Lehrbüchern finde man vielfach die traditionellen Geschlechterrollen, aber auch den Respekt vor alten Menschen oder die Bedeutung der Gastfreundschaft.

Elternarbeit ist wichtig

In einer lebhaften Diskussion berichteten einige Lehrkräfte von Schwierigkeiten, mit Schülern aus islamisch geprägten Ländern umzugehen. „Sie müssen in einem langen Prozess lernen, ihre Konflikte gewaltfrei zu lösen“, meinte eine Pädagogin. Viele Zuhörer wiesen dabei auf die große Bedeutung der Elternarbeit hin. Eltern müssten dafür sensibilisiert werden, dass Schule in Deutschland anders ablaufe als in ihren Herkunftsländern.

Diesem Thema wird sich das Netzwerk weiter widmen. Die Gruppe steht allen Lehrkräften und Schulsozialarbeitern offen. Kontakt: bildungsbüro@landkreis-peine.de oder über Telefon (0 51 71) 4 01 51 29.

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