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Stadt Peine Vom Helfer zum Hilfesuchenden: Das Schicksal eines Peiner Fußballfans
Stadt Peine Vom Helfer zum Hilfesuchenden: Das Schicksal eines Peiner Fußballfans
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11:58 17.08.2019
Extra aus Österreich ist René Westendorp (rechts) angereist, um seinen Freund Andreas Steguweit zu besuchen und ins Trainingslager des Fußballvereins Borussia zu begleiten. Quelle: Antje Ehlers
Peine/Oedelum

Niemals aufgeben: Der gebürtige Peiner Andreas Steguweit ist seit 38 Jahren Anhänger des Fußballvereins Borussia Dortmund (BVB) – „Vollblutborusse“ wird er deshalb auch oftmals genannt. Seit einiger Zeit engagiert er sich im Fanclub „ BVB Tempelfreaks“. Die Besonderheit dieses Clubs: Er ist karitativ unterwegs, unterstützt Menschen mit besonderen Bedürfnissen. Doch nun ist Andreas Steguweit selbst auf die Unterstützung anderer angewiesen – bei ihm wurde im Mai Krebs diagnostiziert.

Aufgeben kommt nicht infrage

Chemo- und Strahlentherapie führen jetzt dazu, dass es ihm gesundheitlich sehr schlecht geht und er dankbar ist für Hilfe in jeglicher Form. Aufgeben kam für den heute in Oedelum (Kreis Hildesheim) lebenden 54-Jährigen nicht infrage – im Gegenteil. „Kämpfen und siegen“ lautet sein Motto.

 So lange es ihm möglich war, hat er für andere Mitglieder noch viele Aktionen ins Leben gerufen. Besonders am Herzen liegt dem Vollblutborussen der Einsatz für Mobbing-Opfer. „Aber in unserem Verein ist es egal, wer du bist und wo du her kommst. Wenn es dir schlecht geht, egal wie, sind wir für dich da“, beschreibt er den Teamgeist.

Besuch im Trainingslager

Gut gelaunt ging es für den Fußballfan (rechts) zu seiner bislang letzten größeren Tour nach Bad Ragaz in die Schweiz. Quelle: Tempelfreaks

Die „BVB Tempelfreaks“ haben es sich zur Hauptaufgabe gemacht, Menschen mit Benachteiligungen zu unterstützen. Dazu zählt zum Beispiel auch, Geld zu sammeln für Bedürftige innerhalb des Vereins, Treffen mit Spielern oder Fahrten ins Trainingslager zu organisieren oder auch nur Trikots von Bundesliga-Spielern unterschreiben zu lassen.

Jetzt darf der Oedelumer selbst erfahren, wie wertvoll der Zusammenhalt innerhalb des Fanclubs ist. Der Vorsitzende René Westendorp hat ihn mittlerweile nicht nur mehrfach besucht und ist zum guten Freund geworden, sondern hat ihm auch die Teilnahme am Trainingslager des Traditionsvereins in Bad Ragaz in der Schweiz ermöglicht. Andere Klubmitglieder versuchen, ihn auf der Suche nach einem neuen, gebrauchten Auto zu unterstützen, damit er seine Therapien wahrnehmen kann.

Und nicht nur das: Um Steguweit und weitere Vereinsmitglieder zu unterstützen, gründete Westendorp eine Firma, die unter anderem T-Shirts oder selbst gestaltete Trikots verkauft. Überschüssige Einnahmen werden dann den Fanprojekten zur Verfügung gestellt.

T-Shirts für den guten Zweck

„Das T-Shirt mit der Aufschrift ,Fuck Cancer’ hat René extra für mich entworfen, ich war richtig gerührt“, sagt Steguweit. Die Aufschrift steht frei übersetzt für „Scheiß Krebs“. Erst habe er ein Foto davon bekommen, dann habe der Vorsitzende Westendorp mit den ersten Shirts vor der Tür gestanden und ihn damit überrascht. So viel Zusammenhalt und Unterstützung sei eine echte Wertschätzung, und das sei das, was den Verein ausmache.

Seit vielen Jahren ist Andreas Steguweit Fan von Borussia Dortmund. Trotz seiner Erkrankung konnte er noch an der Fahrt zum Trainingslager seines Lieblingsvereins in der Schweiz teilnehmen.

Hoffnung auf weitere Unterstützung

Den Fanclub gibt es übrigens erst seit April. René Westendorp, ein in Österreich lebender Niederländer, dessen Herz ebenfalls für den BVB schlägt, hatte ihn gegründet. Und weil sich Steguweit so stark engagiert hat, ist er mittlerweile Ehrenvorsitzender.

Etwa 870 Fanclubs hat Borussia Dortmund, rund zehn Prozent bringen sich in sozialen Projekten ein. „Dieses Engagement nehmen wir mit großer Freude zur Kenntnis“, sagt Alexander Winker, einer der Fanbeauftragten des BVB. Je nach Möglichkeit biete der Verein die Möglichkeit der finanziellen, oder wie bei den Tempelfreaks, der Unterstützung im kommunikativen Bereich durch Bekanntmachung der Projekte in den sozialen Medien.

Für Andreas Steguweit ist die Sache klar: Er will weiter helfen, auch wenn es ihm gesundheitlich immer schlechter geht – und er sich fast täglich den schmerzhaften Therapien stellen muss. Und er ruft auch andere auf, es ihm gleich zu tun. „Ich weiß, dass es hier im Peiner Land viele Borussia-Fans gibt – und es wäre doch großartig, wenn sich davon noch einige für die gute Sache einsetzen würden“, sagt der ehemalige Lkw-Fahrer. „Es gibt doch kaum etwas Schöneres, als Bedürftigen oder auch Kindern ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.“ Und auf Eines hofft er noch: Er möchte noch erleben, dass der BVB den Titel „Deutscher Fußballmeister“ gewinnt!

Mehr Informationen gibt es unter www.bvbtempelfreaks.com im Internet.

Andreas "Vollblutborusse" Steguweit (rechts), lässt sich vom Maskottchen des BVB, der Biene Emma, umarmen. Quelle: Maik@Tempel Freaks

Von Antje Ehlers

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