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Stadt Peine Sucht im Alter – ehemalige Betroffene aus Peine erzählt
Stadt Peine Sucht im Alter – ehemalige Betroffene aus Peine erzählt
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12:47 14.07.2019
In eine Sucht rutschen Betroffene oft schleichend. Hilfe gibt es bei Beratungsstellen wie dem Lukas-Werk in Peine. Quelle: dpa
Kreis Peine

„Ich konnte einfach nicht ,Nein’ sagen“, beschreibt die Rentnerin Grete H. (Name von der Redaktion geändert) eine der Ursachen, die sie in die Sucht gebracht haben. Erst nach mehreren Jahren und angeregt durch einen Zeitungsartikel hat es die damals Mitte 50-Jährige geschafft, sich ihrer Problematik zu stellen und Hilfe über das Lukas-Werk zu suchen.

Mittlerweile ist sie gesund und Mitte 70, möchte aber gerade auch älteren Menschen Mut machen, bei Suchtproblemen Hilfe in Anspruch zu nehmen. „Die Zahl der Suchterkrankungen gerade bei älteren Menschen wird oft unterschätzt“, erklärt die Peiner Suchttherapeutin Elfriede Pattberg.

Das Leben verlief ganz „normal“

„Ich habe meinen Mann kennengelernt, und schnell war uns klar, dass wir zusammengehören. Wir haben schon nach kurzer Zeit geheiratet und uns ein gemeinsames Leben aufgebaut. Mein Mann war beruflich sehr viel unterwegs, und auch ich bin meinem Beruf nachgegangen. Wir haben gebaut, und ich habe mich nach der Arbeit um Haus und Garten gekümmert. Wenn mein Mann dann am Wochenende zuhause war, stand er für mich im Mittelpunkt, Kinder haben wir ja nicht“, berichtet Grete H. „Eigentlich ein ganz normales Leben.“

Krankheit der Mutter war tiefer Einschnitt

Erst, als sie Ende 40 war, gab es den Umbruch in ihrem Leben. Bei ihrer Mutter hätten sich ganz allmählich gesundheitliche Probleme eingestellt, und so habe sie ihr immer wieder geholfen. Anfangs sei dies kein Problem gewesen, doch im Laufe der Zeit habe sie angefangen, sich am Abend mit einem Glas Wein für das Geschaffte „zu belohnen“.

„Dass es immer regelmäßiger wurde und ich in eine Abhängigkeit gerutscht bin, habe ich lange gar nicht bemerkt. Schließlich benötigte meine Mutter immer mehr Hilfe, und ich wollte für sie da sein – als ich klein war, war sie doch auch immer für mich da. So war ich immer mehr gefordert, und der Wein hat mich beruhigt“, erzählt die Rentnerin weiter.

Erst ihr Mann habe sie darauf aufmerksam gemacht, dass sie sich im Laufe der Zeit verändert habe, nicht mehr aufmerksam und konzentriert sei. Er habe ihr auch den Zeitungsbericht mit einem Bericht über das Lukas-Werk in Peine gegeben, dass Hilfe bei Sucht und Abhängigkeiten bietet.

Klinikaufenthalt als große Hilfe

„Es war gut, dass ich mich überwunden habe dort anzurufen, auch wenn es kein leichter Schritt war“, sagt Grete H. Dennoch habe sie das Erstgespräch mit der Suchttherapeutin als sehr angenehm empfunden. „Sie hat mir unheimlich Mut gemacht und empfohlen, in eine Fachklinik zu gehen, um auch den belastenden Kreis des häuslichen Umfelds zu durchbrechen. Die Wartezeit auf den Platz in der Klinik hat gut 20 Wochen gedauert, und ich hätte fast aufgegeben. Aber ich bin so froh und dankbar, dass ich durchgehalten habe“, schildert die Rentnerin.

Die Zeit bis zur Klinik und die Zeit danach habe sie an Gesprächsgruppen überwiegend mit Gleichaltrigen teilgenommen. „Es tat unheimlich gut zu wissen, dass ich mit meinem Problem trotz meines Alters nicht alleine war. Ich dachte immer, die meisten sind jünger.“

Auch der Vater forderte Unterstützung

Eigentlich hätte dann alles gut sein können, doch nach dem Tod der Mutter forderte nun der Vater von Grete H., dass sich seine Tochter um ihn kümmert. Sie habe zwar eine Schwester, aber die hätte immer nur das Nötigste gemacht, so dass sie wieder in eine Überforderung hineingerutscht sei und wieder mit dem Trinken begonnen habe, führt sie aus. Ganz schlimm sei es dann nach dem Tod des Vaters geworden, so dass sie erneut das Lukas-Werk aufgesucht hat.

„Hilfe lohnt sich immer“

„Erneute Gesprächstherapien und die Tatsache, dass mein Mann immer zu mir gestanden hat, haben mir schließlich hoffentlich endgültig geholfen“, fasst die ehemalige Patientin zusammen, die insgesamt etwa 20 Jahre die Tiefen und Höhen einer Sucht mitgemacht hat.

Sie möchte nun Mut machen, sich Hilfe zu holen – unabhängig von der Art einer Sucht. „Auch wir Älteren sind es doch wert, ein lebenswertes Leben zu führen. Und wenn wir Hilfe bekommen können, dürfen wir die auch gern annehmen“, betont die Peinerin.

Von Antje Ehlers

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