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Stadt Peine Spenden erhofft: Dem Peiner Stadtorchester geht langsam die Luft aus
Stadt Peine

Spendenaufruf: Dem Peiner Stadtorchester geht langsam die Luft aus

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19:15 28.11.2020
Hier ist es wegen Corona derzeit ganz schön still: Schriftführer und Trompeter Björn Grobe im Übungsraum des Stadtorchesters Peine. Quelle: Christian Meyer
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Peine

Wo normalerweise die Musik spielt, ist der Ton schon wieder aus. In der Übungshalle des Peiner Stadtorchesters im Peiner Unternehmenspark an der Woltorfer Straße kleben die penibel aufgebrachten Abstandsmarkierungen für die Musiker noch auf dem Boden. Doch nach einem kurzen Übungscomeback darf das Stadtorchester im zweiten Corona-Lockdown hier schon wieder nicht mehr gemeinsam musizieren.

Was dem Verein fehlt, ist aber nicht nur der beeindruckende Sound und der wohltuende soziale Kontakt – „Es fehlt uns auch an Einnahmen. Wir mussten an unsere Rücklagen gehen, doch die neigen sich dem Ende zu“, betont der Schriftführer Björn Grobe. Deshalb hat das Stadtorchester jetzt zu Spenden aufgerufen und wird sich zudem gerne an der neuen „Kulturretter“-Aktion der PAZ beteiligen (siehe Infokasten). „Wir finden, das ist eine schöne Idee, um zu helfen und die Künstler aus der Versenkung herauszuholen. Wir sind gespannt, wie es angenommen wird“, sagt Stadtorchester-Vize Mareille Wittnebel.

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Der letzte Auftritt ist schon 348 Tage her

Auf dem Internet-Portal „Unter uns“ möchten die Peiner Allgemeine Zeitung, die Wolfsburger Allgemeine Zeitung und Aller-Zeitung den Kulturschaffenden der Region eine Plattform bieten auf der sie Einnahmen generieren können. Vom unmittelbaren Aus ist das Stadtorchester zwar nicht bedroht, „doch noch so ein Jahr würden wir nicht überstehen“, verdeutlicht Björn Grobe. Exakt 348 Tage ist er her – der letzte Auftritt des Stadtorchesters beim großen Jahreskonzert traditionell am dritten Advent in den Peiner Festsälen. Das Benefizkonzert für den Wünschewagen des Arbeiter-Samariter-Bunds, mehrtägige Engagements beim Peiner Freischießen und bei Volks- und Schützenfesten im Landkreis – sie alle hat die Corona-Krise danach zum Verstummen bringen lassen. „Einnahmen im mittleren vierstelligen Bereich sind uns allein dadurch entgangen“, bedauert Vorstandsmitglied Grobe.

Die Music Session Gang des Peiner Stadtorchesters bei einem Auftritt im Stederdorfer Café Duo. Quelle: Stadtorchester

Kein einziges Neu-Mitglied im Corona-Jahr

Neuanschaffungen von Instrumenten? Verschoben! Neue Mitglieder? Fehlanzeige im Corona-Jahr. Dabei hatte das Stadtorchester mit seinen 190 Mitgliedern bis in den Herbst noch auf Entspannung in der Vereinskasse und im Corona-Geschehen gehofft. Die Lage hatte sich so verbessert, dass die Musiker vorsichtig optimistisch waren, zumindest ihr Jahreskonzert noch spielen zu können. Für das wollten sie aufgrund der Hygienevorschriften in die Solschener St. Pancratii-Kirche ausweichen. „In der Festsäle hätten wir nur mit 9 Musikern auf die Bühne gedurft. Doch unser Orchester braucht mindestens 35 Personen, damit es vernünftig spielen kann“, erläutert Grobe. Die Layouts der Eintrittskarten und Plakate für den 12. Dezember waren bereits fertig – dann folgte mit dem zweiten Lockdown der nächste Corona-Tiefschlag. „Damit wird unser Jahreskonzert erstmals seit 1979 ausfallen“, bedauert Trompeter Grobe.

So können Peiner dem Stadtorchester helfen

190 Mitglieder, ein großes Blasorchester, ein Jugendorchester, eine Combo, die Music-Session-Gang, die Neuen Fuhsetaler mit traditioneller Blasmusik, musikalische Ausbildung – all das ist das Stadtorchester Peine. Weil im Corona-Jahr nicht ein einziger Auftritt stattfinden konnte, wird es in der Kasse des Orchesters langsam brenzlig. Die Musiker haben einen Spendenaufruf gestartet. Wer helfen möchte, kann eine Finanzhilfe mit dem Verwendungszweck „Spende“ überweisen. Die Kontodaten: Stadtorchester Peine, IBAN DE 31 2595 0130 0131 0708 98, Sparkasse Hildesheim Peine Goslar.

Die Kosten laufen weiter

Was jedoch nicht komplett zu stoppen ist – die Kosten des Stadtorchesters. Für die Musikhalle fallen Kosten für Strom und Fernwärme an, Versicherungen für die Instrumente und das Hab und Gut der Musik- und Sportgemeinschaft müssen gezahlt werden, Löhne für die Bürokraft und die Musiklehrer. Denn ganz verstummt ist das Stadtorchester nicht. Es gibt digitale Übungsabende und Proben. „So konnten wir unseren Lehrkräften zumindest ein paar Einkünfte verschaffen“, merkt Schriftführer Björn Grobe an. Getrennt vorm Computer zu musizieren sei zwar besser als gar nichts, doch die Klangqualität gewöhnungsbedürftig und ein richtiges Zusammenspiel nahezu unmöglich.

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Deshalb hatten sich die Stadtorchester-Mitglieder auch riesig gefreut, als unter Corona-Sicherheitsbedingungen im Sommer ein zumindest eingeschränkter Probebetrieb wieder gemeinsam vor Ort möglich war. Jeder schraubte seine Instrumente bereits im Vorfeld unter Abstand am Auto zusammen, musiziert wurde auf dem Außengelände, Nachbarn und Passanten fanden’s gut. „Da haben auch mal Radfahrer angehalten und länger zugehört und geklatscht – das tat gut“, stellt Vorstandsmitglied Björn Grobe fest.

Auch der Kickertisch der Musiker in der Übungshalle des Peiner Stadtorchesters ist wegen der Corona-Sicherheitsmaßnahmen derzeit gesperrt. Quelle: Christian Meyer

Verständnis für Einschränkungen

Auch wenn die gesamte Kultur sehr unter den Corona-Einschränkungen leidet, kann der Stadtorchester-Schriftführer sie doch gut verstehen. Der 30-Jährige studiert Medizin und arbeitete bereits als Rettungssanitäter. „Und deshalb kann ich auch nur daran appellieren, sich an die Auflagen zu halten, denn nur dann ist auch abzusehen, dass es Lockerungen gibt und auch wir wieder das machen, was wir gut können: Musik!“

Aktion Kulturretter: PAZ öffnet virtuelle Gratis-Bühne

Konzerte, Lesungen, Auftritte aller Art - seit vielen Monaten haben die Künstlerinnen und Künstler aus unserer Region coronabedingt keine Bühne. Das ändert sich jetzt: Die Aller-Zeitung, Wolfsburger Allgemeine und Peiner Allgemeine öffnen ihr Mitmachportal unteruns-portal.de für Kulturschaffende in Not. Wer haupt- oder nebenberuflich sein Geld mit seiner Kunst verdient, sei es mit Musik, Schauspiel, Kleinkunst oder was auch immer, kann von sofort an einen oder mehrere seiner Beiträge als Audio- oder Videodatei auf dem Portal hochladen - und sogar etwas Geld damit einnehmen. Denn für jeden Künstler wird ein eigener Paypal-Button zur Verfügung stehen, sodass jeder, dem der Beitrag gefällt, mit wenigen Klicks ein paar Euro überweisen kann.

Für die teilnehmenden Künstler ist das Ganze völlig kostenlos – denn AZ, WAZ und PAZ wollen mit dieser Aktion die heimische Kulturszene unterstützen und ihr durch die bittere Corona-Zeit helfen. Darum bieten wir eine digitale Bühne und zudem die erhebliche Reichweite unserer Zeitungsportale, mit denen unteruns-portal.de verknüpft ist. Denn möglichst viele Interessierte sollen die Beiträge anklicken und am besten auch gleich eine kleine Spende an ihren Lieblingskünstler überweisen.

Mitmachen ist ganz einfach: Auf https://www.unteruns-portal.de/kulturretter/ können sich Kulturschaffende registrieren und ihre Beiträge samt einem kurzen Selbstporträt hochladen.Wir prüfen jeden einzelnen eingegangenen Beitrag, um sicherzugehen, dass die oben genannten Kriterien erfüllt sind.

Die ersten Beiträge sind bereits online, einfach mal reinschauen und nachsehen, wie so ein virtueller Auftritt aussieht – und vielleicht schon den ersten Euro spenden! Damit wir auch nach Corona noch eine lebendige Kulturszene in unserer Region haben …

Von Christian Meyer