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Stadt Peine Schule ohne ein einziges Buch: Peiner starten Spenden-Aktion für Flutopfer
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Schule ohne einziges Buch: Peiner starten Spenden-Aktion für Flutopfer

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20:00 26.07.2021
„Überall wo du hinschaust: Schrott, Schlamm und Trümmer“: Auch die Kindertagesstätte in Gemünd wurde vom Hochwasser schwer getroffen.
„Überall wo du hinschaust: Schrott, Schlamm und Trümmer“: Auch die Kindertagesstätte in Gemünd wurde vom Hochwasser schwer getroffen. Quelle: privat
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Kreis Peine/Gemünd

Die Peiner Zahnärztin Birgit Niemann war froh, dass sie Montag noch einen freien Tag hatte – denn das, was sie da im Eifelort Gemünd gesehen hatte, musste sie erst einmal verarbeiten. Vorm Kindergarten stapelte sich der Schutt, in Gärten lagen völlig demolierte Autos auf dem Dach, mitunter ganze Häuser sind eingestürzt – und als sie die spartanisch an einer Mauer zum Trocknen aufgehängte, matschbeschmierte Kleidung erblickte, konnte sie die Tränen nicht mehr zurückhalten. Die Peinerin hat zusammen mit Ariane Kummer am Wochenende dringend benötigtes Material wie Hygieneartikel und Schaufeln in das Gebiet der Hochwasser-Katastrophe geliefert. Die Hilfsaktion hat sie zusammen mit ihrem Mann Heiko Niemann organisiert – die Erlebnisse vor Ort bestärkten beide darin: Dabei soll es nicht bleiben.

Zusammen mit mehreren Peiner Serviceclubs stampften sie in Windeseile eine Spendenaktion aus dem Boden, die der Grundschule und den Kindergärten in Gemünd zugute kommen soll. Das Motto: „Steine für den Wiederaufbau – Peine hilft Gemünd!“

Pausenhof ist jetzt quasi ein Wertstoffhof

Der 3800-Einwohner-Ort in der Eifel versank drei Meter tief im Wasser. „Überall wo du hinschaust: Schrott, Schlamm und Trümmer“, sagt Heiko Niemann. Auch die Katholische Grundschule hat es mit voller Wucht getroffen, das Erdgeschoss wurde überflutet, viel Mobiliar zerstört. Der Pausenhof ist jetzt eher ein Wertstoffhof, hier stapelt sich der Müll. Die Schule habe kein einziges Buch mehr, berichtete Rektorin Brigitte Wilhelms dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.

Die Peinerin Birgit Niemann war tief bewegt, als sie die Folgen der Hochwasser-Katastrophe bei ihrem Besuch in Gemünd in der Eifel sah. In Peine ist jetzt eine Spendenaktion für den Ort gestartet.

Auch die Kita-Gebäude seien nicht mehr zu nutzen, weiß Heiko Niemann. „Außerhalb werden Container aufgebaut“, berichtet er. Viele Bauern aus der Region würden inzwischen den Schutt auf Sport- und Parkplätze transportieren, damit im Ort Platz geschaffen wird. Alle packen an und unterstützen sich gegenseitig. „Das ist total bewegend, zu sehen“, betont Heiko Niemann. Die Lage in Gemünd hat den Peiner und seine Frau so erschüttert, dass sie mit Hilfe der Peiner Service-Clubs Round Table, Old Table und Lions in Kürze eine Spendenaktion organisierten. Das Geld soll den Schulen und Kitas in Gemünd zugute kommen. Ob zum Beispiel ein Klettergerüst für den Schul-Pausenhof oder Inneneinrichtungen für die Kita – „Alles muss neu beschafft werden“, unterstreicht Niemann.

3000 Euro sind bereits zusammen

„Steine für den Aufbau von Gemünd“: Heiko Niemann (rechts) und Jan-Philipp Schönaich hoffen auf viel Unterstützung für die Peiner Spendenaktion für den von der Hochwasser-Katastrophe schlimm getroffenen Ort in der Eifel. Die Steine hatten sie als Symbol mitgebracht. Quelle: Christian Meyer

Die Peiner Service-Clubs Round Table, Old Table und Lions wollen gerne helfen. „In der Corona-Krise mussten Kinder und Schüler schon leiden. Und dann kommt die nächste Katastrophe noch obenauf. Da muss die Gemeinschaft versuchen, ein Statement zu setzen“, findet Mitorganisator Jan-Philipp Schönaich. Der Anfang ist gemacht, die Lions hätten bereits 2000 Euro gesammelt, Round Table und Old Table zusammen 1000 Euro. Doch dabei soll es nicht bleiben. Jeder Peiner kann sich an der Aktion beteiligen und so viel spenden, wie er möchte – „Jeder kann quasi symbolisch einen Ziegelstein für den Wiederaufbau kaufen“, sagt Heiko Niemann.

So können Peiner für Gemünd spenden

Um den Aufbau der Grundschule und der Kindertagesstätten in Gemünd zu unterstützen, haben drei Peiner Service-Clubs zusammen mit dem Peiner Ehepaar Birgit und Heiko Niemann die Spendenaktion „Steine für den Wiederaufbau – Peine hilft Gemünd“ ins Leben gerufen. Wer spenden will, kann das ab sofort an die Kontonummer des Peiner Hilfsvereins „Keiner soll einsam sein“ unter DE09 259 501 30000 2711 000. Im Verwendungszweck muss „Peine hilft Gemünd“ eingetragen werden.

Das Geld fließt zunächst auf das Konto des Peiners Hilfsvereins „Keiner soll einsam sein“ und wird dann gezielt für Projekte weiter verteilt. „Mittlerweile werden kaum noch Sachspenden im Krisengebiet benötigt, sondern es sind Geldspenden gefragt, mit denen punktuell und unbürokratisch schnell geholfen werden kann“, betont Schönaich.

„Peine hilft Gemünd“ – für ihre Initiative haben die Peiner im Eifel-Ort direkte Ansprechpartner wie den Bürgermeister oder den Elektromeister Andreas Decker, einen Bekannten von Heiko Niemann. Der kann über die Schicksale aus erster Hand berichten, wie zum Beispiel dem Kunden, dem er kurz vor der Flutkatastrophe gerade eine nagelneue Küche eingebaut hat. „Und jetzt steht das ganze Haus nicht mehr.“

Von Christian Meyer