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Stadt Peine Wie die Schlaraffen zu Friedrich von Bodenstedts Bleistift kamen
Stadt Peine Wie die Schlaraffen zu Friedrich von Bodenstedts Bleistift kamen
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06:00 25.04.2019
Friedrich von Bodenstedt (Mitte mit rotem Fes) feierte im Jenseits mit berühmten Kollegen – unter Aufsicht von Ritter „Lord Journalje“ von den Peiner Schlaraffen (hinten im Bild) Quelle: Ulrich Jaschek
Peine

Beim Peiner Männerbund „Schlaraffia“ werden die Feste zur Pflege von Freundschaft, Kunst und Humor gefeiert, wie sie fallen. Und so trafen sich die Schlaraffen in Peine am Dienstag, um den 200. Geburtstag von Friedrich von Bodenstedt mit einer sehr speziellen Geburtstagsparty zu feiern. Bereits seit 1963 ist der einstige Vorzeige-Literat, Sprachwissenschaftler, Journalist und Ehrenbürger der Stadt Peine, Friedrich von Bodenstedt, den Peiner Mitgliedern des Männer-Freundschaftsbundes „Schlaraffia“ verehrter und allerliebster „Ehrenschlaraffe“ mit dem Beinamen „Mirza Schaffy“.

Heiterer und schlagfertiger Geburtstagsreigen

Nun sei die „Schlaraffia“ Außenstehenden ebenso kompliziert zu erklären, wie beispielsweise das Peiner Freischießen, erklärt „Oberschlaraffe“ Ulrich Jaschek, der als „Fungierende Herrlichkeit“ namens „Ritter Lord Journalje“ den heiteren und schlagfertigen Geburtstagsreigen einleitete. Seit mehr als 55 Jahren wird bei Zusammenkünften der Schlaraffen die Erinnerung an Bodenstedt als „Ehrenschlaraffe“ hochgehalten und sein Andenken literarisch interessierten und treuen Schlaraffenbrüdern aus anderen Städten als erstrebenswerte hohe Auszeichnung verliehen.

„Mirza Schaffy-Ritter“ nennen sich die so Geehrten, von denen sich zwei einen fiktiv-heiteren Geburstagsumtrunk Bodenstedts unter Mitwirkung von Genies wie Goethe, Schiller, Lessing und Heine ausgedacht und inszeniert hatten. Zum Vergnügen der Feiergemeinde entsprachen die Freunde nicht nur Bodenstedts Sinnspruch „Trinkt er, wird er betrunken, trinken wir, sind wir begeistert“. Sie sinnierten als Geistesgrößen überdies über ihre Bemühungen um Aufklärung und Bemühen um Freiheit, Wissenschaft und Weltoffenheit und zeigten sich erstaunt, aber nicht mutlos über den heutigen Umgang ihrer Nachfahren mit ihrem geistigen Erbe.

Bodenstedt-Bleistift hat neue Bleibe gefunden

Ganz nebenbei fand der „Bodenstedt-Bleistift“, der einst zu einem Politikum wurde, eine neue Heimat. Er wurde feierlich in den Hallen der Schlaraffen aufgehangen. Als 2015 Orkantief Niklas den Peinern im Herzberg eine abgebrochenen Birke bescherte, gestaltete die GuB/FDP/Piraten-Fraktion als „Land-Art-Projekt“ auf Fraktionskosten daraus den „Bodenstedt-Bleistift“. Erstellt wurde der fast vier Meter lange Bleistift von den Firmen Holzbau-Selle (Gestaltung) und Ingo Prutz (Beschriftung). „Wer Weisheit übt, legt andern keinen Zwang auf“, so lautet Spruch auf dem Stift.

Bodenstedts Bleistift: Spitz und im Großformat hat seine symbolische Heimat bei den Verehrern seiner literarischen Kunst, den Peiner Schlaraffen, gefunden. Quelle: Ulrich Jaschek

Im Mai 2016 gab es dann Ärger: Die Fraktion habe den „Bodenstedt-Bleistift“ nämlich schenkweise in die Obhut der Stadt übergeben wollen, doch die Stadt forderte die Unterschrift auf einem sogenannten Gestattungs-Vertrag mit allerlei Forderungen und Pflichten für den Aufstellenden. Schlussendlich wurde im Juni 2016 der Bleistift aus dem Herzberg entfernt und kam in Hartwig Klußmanns Garten.

Stichwort: Schlaraffia

Schlaraffia ist ein am 18. Oktober 1859 in Prag gegründeter, weltweiter, deutschsprachiger Männerbund zur Pflege von Freundschaft, Kunst und Humor unter dem Wahlspruch: „In arte voluptas“ („In der Kunst liegt das Vergnügen“), in dem der Alltag persifliert und das Interesse an Literatur und Kunst gepflegt wird. Bedeutende Künstler sind und waren Schlaraffen, darunter Franz Lehár, Gustav Mahler und Peter Rosegger. Neue Mitglieder müssen durch einen Paten als „Pilger“ eingeführt werden und eine Probezeit als „Prüfling“ überstehen. Ihre schlaraffische Karriere beginnen sie als Knappe, die dann über den Stand des „Junkers“ zum „Ritter“ führt.

Von Ulrich Jaschek und Kathrin Bolte

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