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Stadt Peine Sally Perel warnt vor AfD und Neonazismus
Stadt Peine Sally Perel warnt vor AfD und Neonazismus
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Sally Perel. Quelle: dpa
Peine

Er war „Hitlerjunge Salomon“: Der Jude Sally Perel überlebte die Nationalsozialisten und den Holocaust, indem er sich als Volksdeutscher ausgab. Seine Erfahrungen veröffentlichte der gebürtige Peiner als Autobiografie, die auch verfilmt wurde.

Heute liest Perel an Schulen in Deutschland, um die Jugend vor der rechten Ideologie zu warnen. Im Interview mit Bettina Grachtrup (dpa) erklärt der 94-Jährige, was er von der AfD hält und warum ihn die derzeitige politische Stimmung in Deutschland Sorgen bereitet.

Sie sind in Deutschland geboren, leben heute in Israel und haben seine sehr bewegende Lebensgeschichte hinter sich. Was empfinden Sie, wenn Sie heute nach Deutschland kommen?

Für mich war Deutschland wegen der glücklichen Kinderjahre, die ich hier hatte, immer ein Stück Heimat, Mutterland. Israel ist mein Vaterland. Ich komme gerne nach Deutschland. Mein Hauptinteresse gilt der Jugend. Das ist schon die dritte Nachkriegsgeneration. Ich möchte die jungen Mitmenschen mit meiner Lebenserfahrung aufklären und warnen vor den Gefahren der braunen Szene.

Hat sich Deutschland in den letzten Jahren nach ihrem Eindruck politisch und gesellschaftlich verändert?

Ja, es hat sich schon verändert. Der Druck nach rechts ist sehr erkennbar. Und immer mehr Wähler wählen sie, die AfD.

Haben Sie dafür eine Erklärung?

Die müssen ja immer irgendeinen Sündenbock haben. Damals waren es die Juden, heute sind es die Flüchtlinge. Es wiederholt sich, was ich in der Weimarer Republik erlebte. Wenn ich noch vor zehn Jahren sagen konnte, es fängt wieder an, sage ich jetzt, es ist schon viel mehr als der Anfang.

Wo sehen Sie Parallelen zwischen heute und damals?

In den 1930er-Jahren war ich ein Kind. Dann hieß es, da wurde plötzlich ein Kommunist erschossen, ein Sozialdemokrat erstochen. In Peine wurde mal ein Metzgerlehrling, Kommunist war er, erstochen. Damals hieß es: Das sind Einzelfälle. Das sind Dummköpfe, Idioten, die leben am Rande der Gesellschaft. Es wurde ignoriert und weggeschaut. Aber die haben in den Wahlen immer mehr zugenommen, bis sie das Volk wurden. Und das Volk wählte den Hitler. Das war das Ende der Weimarer Republik und der Beginn einer zwölfjährigen, mörderischen Diktatur, welche uns den Holocaust gebracht hat, mit dem schlimmsten Fleck der deutschen Geschichte: Auschwitz.

Sehen Sie die Gefahr, dass sich der Nationalsozialismus wiederholen kann?

Es kann sich wiederholen. Wenn die (die AfD) an die Macht kommen, dann kommen andere Gesetze raus, mit der Beschränkung der Pressefreiheit und gegen das oberste Gericht. So, wie wir das damals hatten. Das wollen die ja, wenn die an die Macht kommen: ein anderes Deutschland, Alternative für dieses Deutschland. Dann haben wir wieder so eine Art faschistisches Land. Das muss auf jeden Fall verhindert werden. Auschwitz wird uns immer verfolgen, das wird uns nie loslassen. Noch so ein Auschwitz darf es nie wieder geben.

Haben Sie einen Rat, wie man mit der AfD umgehen sollte?

Es gibt kein Rezept, wo man sagen kann, nimm das und das und misch es zusammen. Nur Aufklärung hilft. Ich glaube, die deutschen Schulen machen wirklich viel, um die Jugend vor dieser Tendenz des aufkeimenden Neonazismus zu warnen. Sie laden Zeitzeugen ein, fahren nach Buchenwald, nach Dachau, sehen diese Wahrheit. Und das ist die beste Vorbeugung gegen diese Gefahr.

Wie schaffen Sie diese Lesungen mit 94 Jahren?

Das gibt mir auch Kraft irgendwie. Natürlich ist das anstrengend, man fühlt, man wird älter. Aber so viele Umarmungen wie heute von jungen Mädels, das gibt Kraft (lacht). Das war so süß, dass die mich so umarmten. Da fühlt man, man hat doch etwas erreicht.

Zur Person

Als Sohn jüdischer Eltern wurde Sally – Salomon – Perel am 21. April 1925 in Peine geboren. 1938 flüchtete die Familie nach Lodz/Polen. 1939 schickten die Eltern die beiden Brüder in die Sowjetunion, Sally kam für zwei Jahre in ein Waisenhaus.

1941 wurde er von der Wehrmacht gestellt – und er schlüpfte in die Rolle des Hitlerjungen Josef. So überlebte er den Nationalsozialismus. Perel brauchte 40 Jahre, um das Erlebte zu verarbeiten, bevor er sich 1985 entschloss, das Buch „Ich war Hitlerjunge Salomon“ mit seiner Geschichte zu schreiben. Seit 1945 lebt Perel im israelischen Tel Aviv. Er hält immer wieder Lesungen in Deutschland.

Von Bettina Grachtrup

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09.12.2019