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Stadt Peine Prostituierten-Mord: 30-Jähriger muss lebenslang in Haft
Stadt Peine Prostituierten-Mord: 30-Jähriger muss lebenslang in Haft
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20:00 17.01.2018
Der Angeklagte mit seinem Verteidiger bei der Gerichtsverhandlung am Mittwoch.  Quelle: Wiebke Barth
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Peine/Hildesheim

 Die Schwurgerichtskammer des Hildesheimer Landgerichts hat ihr Urteil im „Lovemobil-Prozess“ verkündet: lebenslange Haft für den 30-jährigen Angeklagten wegen Mordes in Tateinheit mit Raub mit Todesfolge an einer 40-jährigen Prostituierten.

Aus Habgier, so die Überzeugung der Kammer, habe der Mann aus Salzgitter die Frau in ihrem Wohnwagen auf einem Parkplatz bei Hofschwicheldt umgebracht. Dabei sei ihr Tod zwar nicht von Anfang an sein Ziel gewesen, doch um an ihre Einnahmen heranzukommen, habe er diesen in Kauf genommen. Der 30-Jährige, der die Tat bis zuletzt bestritten hat, hörte der Urteilsbegründung ruhig, nahezu reglos zu.

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In der Urteilsbegründung folgte der Vorsitzende Richter Peter Peschka der Schilderung des wichtigsten Zeugen. Dieser einstige Freund des Angeklagten sei zwar ein „Betrüger, Hochstapler und Aufschneider“, daher habe das Gericht seine Aussage kritisch hinterfragt. Im diesem Fall sei es jedoch glaubhaft gewesen, dass sein Wissen den Mann belastete. Seine Aussagen seien konstant geblieben und passten zu den anderen Beweismitteln.

DNA des Angeklagten unter den Fingernägeln der Toten, ein Tropfen seines Blutes auf ihrem Top, ein Abdruck auf ihrem Brustkorb, der zu seinen Schuhen passte, sein Handy eingeloggt in der Nähe des Tatortes, all das wertete die Kammer als belastend. Handy-Nachrichten zwischen dem Angeklagten und dem Zeugen nach der Tat wiesen außerdem darauf hin, dass beide die Berichterstattung über die Ermittlungen verfolgten.

Der Angeklagte hatte für die Beweismittel seine eigenen Erklärungen geliefert; unterschiedliche Schilderungen, die „sukzessive den Ermittlungen angepasst“ wurden, so Peschka. Es handele sich um ausgedachte Geschichten und Verschwörungstheorien, denen die Kammer nicht folge.

Dadurch, dass der Zeuge sein Wissen gegenüber einer Bekannten offenbarte und diese die Behörden informierte, hätten beide geholfen, einen Justizirrtum zu verhindern, sagte Peschka. Aufgrund der neuen Informationen war der erste Angeklagte in diesem Fall im Juli 2017 freigesprochen worden.

Er sei erleichtert, dass nun das Urteil gesprochen sei, erklärte Erster Staatsanwalt Wolfgang Scholz im Anschluss an die Urteilsverkündung – nachdem der Fall 14 Monate lang seine Gedanken beschäftigt habe.

Verteidiger Malte Schönekäs kündigte an, es sei „sehr wahrscheinlich“, dass er für seinen Mandanten Revision einlegen werde.

Von Wiebke Barth