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Stadt Peine Peiner Lebenshilfe: „Barrierefreiheit in den Köpfen schaffen“
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Peiner Lebenshilfe: „Barrierefreiheit in den Köpfen schaffen“

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18:00 02.12.2021
Gabelstaplerfahrer müssen einen Führerschein machen, außerdem benötigen sie ein gutes Auge und Fingerspitzengefühl.
Gabelstaplerfahrer müssen einen Führerschein machen, außerdem benötigen sie ein gutes Auge und Fingerspitzengefühl. Quelle: Lebenshilfe
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Kreis Peine

Diesen Freitag ist der Internationale Tag der Menschen mit Behinderungen und diese haben es immer noch schwerer auf dem Arbeitsmarkt als Menschen ohne Behinderungen – Corona hat die Situation nur noch verschärft. Der Qualifizierungs- und Vermittlungsdienst (QVD) der Lebenshilfe Peine-Burgdorf hat erfolgreich Wege gefunden, Arbeitssuchende und Unternehmen zusammenzubringen. „Dabei kommt es nicht nur auf die Barrierefreiheit bei den Zugängen zu den Betrieben an, sondern auch auf die Barrierefreiheit in den Köpfen“, erklärt Jörg Vilser, Bereichsleiter Soziale Dienste.

Eine große Herausforderung bei der Integration von Menschen mit Behinderung in den allgemeinen Arbeitsmarkt sei die Mobilität, sagt Vilser. „Die Menschen müssen pünktlich ihren Arbeitsplatz erreichen, haben oftmals keinen Führschein und kein eigenes Fahrzeug und sind auf den ÖPNV angewiesen.“ Bei vielen herrsche noch die Vorstellung vor, da komme jemand im Rollstuhl. „Diese Hürde ist sehr groß“, ergänzt Saskia Engel Mitarbeiterin beim QVD. „Die Leute wissen nicht, was auf sie zukommt.“ Dabei habe jeder Mensch besondere Eigenschaften, Talente und Fähigkeiten. Diese gelte es herauszufinden, zu bestärken und aufzuzeigen.

Der QVD spricht Unternehmer und Arbeitgeber direkt an, um für Kooperationen zu werben und Berührungsängste abzubauen. Er berät über finanzielle Fördermöglichkeiten und Investitionshilfen. Arbeitssuchende werden zu den Arbeitserprobungen und Praktika und Beschäftigte auf den ausgelagerten Arbeitsplätzen begleitet. Und das durchaus mit Erfolg: „Wir begleiten aktuell 53 Menschen auf ausgelagerten Arbeitsplätzen und fünf Menschen im ,Budget für Arbeit’, hinzu kommen Praktikanten“, erläutert Engel. Bei den ausgelagerten Arbeitsplätzen bleiben die Menschen weiterhin sozialversicherungspflichtige Beschäftigte der Werkstätten der Lebenshilfe, beim „Budget für Arbeit“ sind sie im Unternehmen fest angestellt.

Kontakt

Interessierte Betriebe und Beschäftigte erreichen den Qualifizierungs- und Vermittlungsdienst der Lebenshilfe Peine-Burgdorf am besten per E-Mail unter qvd@lhpb.de, weil die Mitarbeitenden viel unterwegs sind. Die Telefonnummer lautet: (0 51 71) 99 09 30. Mehr Infos gibt es auf der Homepage www.lhpb.de im Internet.

Die Corona-Pandemie hat die Arbeit des QVD natürlich erschwert. Aber auch hier wurden Wege gefunden. Man habe sich draußen getroffen und bei Spaziergängen Gespräche geführt, schildert Engel. Ebenso seit der telefonische Kontakt mit Beschäftigten und Arbeitgebern dauerhaft aufrechterhalten worden.

Reha-Team der Agentur für Arbeit

Für Menschen mit Behinderung steht das Reha-Team der für Peine zuständigen Agentur für Arbeit in Hildesheim und der E-Mail-Adresse hildesheim.161-reha@arbeitsagentur zur Verfügung. Telefonischer Kontakt ist über die allgemeine Service-Hotline (08 00) 4 55 55 00 möglich. Für Arbeitgeber ist Janina Sue unter Telefon (0 51 21) 96 92 87 oder über die Mail-Adresse erreichbar.

Die Einsatzmöglichkeiten für Menschen mit Behinderung sind vielfältig. Engel nennt Lager und Logistik, Reinigungstätigkeiten, Küchenhilfe, Garten- und Landschaftsbau, Holz- und Metallbearbeitung, Landwirtschaft, aber auch Bürotätigkeit und IT-Bereich. Beide Seiten profitieren. Neben der möglichen finanziellen Förderung kann die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung auch die Unternehmenskultur bereichern und betriebliches Personal entlasten. „Bei den Beschäftigten verbessert sich die persönliche Lebensqualität, der Gesundheits- und seelische Zustand“, hat Engel beobachtet. „Sie bekommen Lob, Anerkennung und sind stolz auf das Geleistete.“

Von Jan Tiemann