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Stadt Peine Peine: Sarah Elena und Samuel Koch präsentieren ihren „Lieblingsweihnachtsabend“
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Peine: Sarah Elena und Samuel Koch präsentieren ihren „Lieblingsweihnachtsabend“

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15:51 10.12.2021
Sarah Elena und Samuel Koch plauderten immer wieder spontan mit dem Peiner Publikum.
Sarah Elena und Samuel Koch plauderten immer wieder spontan mit dem Peiner Publikum. Quelle: Ulrich Jaschek
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Peine

Irgendwo, ganz tief verborgen in nebulösen Erinnerungen, wartet er „alle Jahre wieder“ darauf, endlich geborgen und noch einmal Wirklichkeit werden zu dürfen: der „Lieblingsweihnachtsabend“. Das Schauspielerehepaar Sarah Elena und Samuel Koch hat sich auf eine entsprechende Suche begeben und präsentierte am Donnerstagabend Erinnerungen, Vorstellungen und Erwartungen im Peiner Forum.

Sie bündelten ausgewählte Erzählungen und persönliche Erlebnisse mit bunten Schleifchen mal zu süßen, erfrischenden Geschenke-Päckchen mit zuweilen unerwartetem Inhalt. So wandert Sarah Elena Koch beispielsweise zu Beginn singend und Gebäcktütchen verteilend durchs Parkett. Ihr Mann leiht anschließend dem Evangelisten Lukas seine Stimme und erzählt die Geschichte von Augustus, Steuerlisten und einem Stall, während und seine Frau wiederum folgerichtig gesanglich die Gedankenwelt eines Engels erforscht.

Sarah Elena Koch sang auch weihnachtliche Lieder.. Quelle: Ulrich Jaschek

Gemütlich ist die Bühne dekoriert, die Ausführenden sitzen wie im heimischen Weihnachtszimmer unter der Leselampe neben dem Kamin und plaudern entspannt mit dem Publikum. Für Kochs in Sierße aufgewachsene Ehefrau sei der Abend „ein Heimspiel“, sagt sie, besonders, weil sie ihre Angehörigen im Zuschauerraum wisse. Entspannt liest er über Erlebnisse in wilden Fahrgeschäften oder hadert mit Theaterbesuchen voller Barrieren. Sie erscheint als Sterntaler-Mädchen und lässt sich von ihrem Mann Samuel nur mühsam zurückhalten, rollengemäß auch noch ihr letztes Hemdchen an die Armen im Parkett zu verteilen.

Kombination aus Humor und Charme

Wie in einer Talkshow blickt das Paar dann zwischen die Zeilen des Märchens, kommt auf die Diskrepanz zwischen Selbst- und Nächstenliebe und zieht, wie oft an dem Abend, das Publikum mit ein. In einer Kombination aus Humor und Charme lassen sie Impulse über Geschenke-Alternativen („Vorlesen statt Buch“) aufblitzen, deuten die Herkunft des bekanntesten deutschen Weihnachtsliedes, animieren das Publikum unter Corona-Atemschutz zum Mitsingen, spekulieren über die Realität des Weihnachtsmanns und würzen das alles mit Gesangseinlagen, die Pianist Dirk Menger so feinfühlig wie unermüdlich improvisierend in einen musikalischen Winter-Weihnachtszauber hüllt.

Bis Samuel Koch daran unvermittelt erinnert, dass heute wie einst Weihnachten selten perfekt sei – schon in der Ursprungs-Weihnachtsfamilie mag es an der Sehnsucht nach Harmonie und Zuversicht gehapert haben: Geburt des unehelichen Kindes im Stall mit anschließender Flucht ins Ausland – dies alles aber „von guten Mächten wunderbar geborgen“, wie Sarah Elena Koch es gesanglich ins Mikrofon haucht.

Schwerer Unfall bei „Wetten dass.?“

Und jene guten Mächte sind es wohl auch, die ihren Mann nach seinem Unfall vor elf Jahren ins Leben zurückgebracht haben. Samuel Koch verletzte sich damals schwer in der ZDF-Fernsehshow „Wetten, dass..?“, als er versuchte, mit speziellen Sprungstiefeln über ein fahrendes Auto zu springen. Seither ist er vom Hals abwärts querschnittgelähmt. In Leseauszügen aus seinen biografischen Büchern berichtete Koch: über seine Suche nach Gott, das Hadern, den Trost, die Versöhnung und seine Überzeugung, dass einst alle Tränen getrocknet würden.

Das Publikum scheint sowohl gut unterhalten als auch tief ergriffen und applaudiert herzlich über den Kochschen anderthalbstündigen pausenlosen und wie mit glühend heißer Nadel genähten und pianistisch grandios zusammengehaltenen Lieblingsweihnachtsabend. Aber wie wir alle wissen, sind „Lieblingsweihnachtsabende“ nie perfekt, weil sie sonst eben nicht jene „Lieblingsweihnachtsabende“ wären, nach denen wir alle uns so sehr sehnen.

Von Ulrich Jaschek