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Stadt Peine PAZ-Diskussion über Nazi-Zeit zieht ins Ratsgymnasium um
Stadt Peine PAZ-Diskussion über Nazi-Zeit zieht ins Ratsgymnasium um
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17:29 17.01.2020
Diskutieren gemeinsam mit Dr. Jens Binner (nicht im Bild): Holger Hahn (l.) und Jürgen Gückel. Quelle: Ralf Büchler
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Peine

Wegen einer Erkrankung war die Diskussion über die Nazi-Zeit in Peine verschoben worden – jetzt ist aber ein neuer Termin und ein neuer Ort gefunden worden: Am Donnerstag, 30. Januar, wird in der Aula des Ratsgymnasiums in Peine darüber gesprochen, ob die NS-Vergangenheit uns auch heute noch etwas angeht.

Für Manfred Filsinger, Schulleiter des Ratsgymnasiums, ist die Frage schon beantwortet. „Leider ist in Deutschland die Tendenz zu beobachten, dass mehr Menschen rechtsradikale Gedanken unreflektiert aussprechen“, sagt er. Vor diesem Hintergrund dürfe die demokratische Gesellschaft nicht müde werden, die nationalsozialistische Vergangenheit unseres Landes aufzuarbeiten.

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Filsinger und auch der Landkreis als Schulträger zögerten nicht, die Anfrage der PAZ nach dem Gymnasium als Veranstaltungsort positiv zu beantworten. Ursprünglich sollte am 14. Januar im Kreismuseum diskutiert werden. Da im Museum Ende Januar aber eine neue Ausstellung aufgebaut wird, musste ein neuer Raum gefunden werden.

Diskussion beginnt um 19.30 Uhr

Bei der Diskussion, die um 19.30 Uhr beginnt, werden Buchautor Jürgen Gückel, Dr. Jens Binner als Vertreter des Kreisheimatbundes und der Stederdorfer Ortsbürgermeister Holger Hahn (SPD) auf dem Podium sitzen. Gemeinsam mit dem Publikum soll darüber diskutiert werden, ob Beschweigen oder Aufarbeiten der richtige Umgang mit den Schatten der nationalsozialistischen Vergangenheit ist. PAZ-Chefredakteurin Stefanie Gollasch moderiert den Abend, der Eintritt ist frei.

Bei den Recherchen zu seinem Buch „Klassenfoto mit Massenmörder“ begegnete Jürgen Gückel öfter die Frage, warum er die alten Geschichten noch mal aufrühren wolle. Der frühere PAZ-Redakteur hatte sich mit der Biografie seines Stederdorfer Volksschullehrers befasst, der später als NS-Gewaltverbrecher enttarnt und verurteilt wurde. In den Gesprächen mit Zeitzeugen merkte Gücke, dass einige noch heute nicht über das sprechen mögen, was im Dritten Reich in Stederdorf und Peine geschehen ist. Das kollektive Schweigen, das dem falschen Lehrer damals das Leben mit einer mehr als fadenscheinigen Tarnung ermöglicht hat, hält teilweise bis heute.

Den Schlussstrich unter die Nazi-Zeit, den viele für sich selbst längst gezogen hatten, hat die PAZ-Veröffentlichung des Buches plötzlich wieder in Zweifel gezogen. Jetzt kommt eine neue Diskussion darüber in Gang, ob die Verantwortung für die Gräuel jener Jahre und die Lehren, die daraus zu ziehen sind, nicht doch eine gründlichere Erforschung der Ereignisse in der Region Peine nötig machen.

Von Stefanie Gollasch