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Stadt Peine Nach Millionenverlust: Bekenntnis zum Klinik-Standort Peine
Stadt Peine Nach Millionenverlust: Bekenntnis zum Klinik-Standort Peine
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00:20 21.10.2018
Tief in den roten Zahlen: Das Klinikum Peine. Quelle: Privat
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Peine

Einen Verlust von 16,5 Millionen Euro hatte AKH für die beiden Krankenhaus-Standorte in Celle und Peine am Mittwoch bekanntgegeben. Ursachen seien nach der Aussage des Vorstands der AKH-Gruppe, Dr. Martin Windmann, nicht mehr belastbare Forderungen gegenüber Krankenkassen und anderen Kostenträgern sowie schlechte Belegungszahlen im Krankenhaus in der Fuhsestadt.

Verkauf ist derzeit nicht geplant

Die PAZ fragte bei der AKH nach, wie tief das Klinikum Peine in der Krise steckt – droht vielleicht sogar eine Schließung? „Nach wie vor bekennen wir uns zum Klinikum Peine. Auch ein Verkauf ist derzeit nicht geplant“, sagte AKH-Chef Windmann.

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Auf die Frage, ob es im Zuge der Krise Entlassungen im Peiner Klinikum geben wird, gab es kein klares „Nein“, Windmann erklärte: „In enger Zusammenarbeit mit den Führungskräften und dem Betriebsrat ist vorgesehen, eine Personalbedarfsanalyse über alle Bereiche der Klinik vorzunehmen, um einen effektiven und bedarfsgerechten Einsatz der Mitarbeiter zu gewährleisten. Mit den Ergebnissen der Analyse sollen die Abläufe in der Klinik neu gestaltet werden.“

Sprachen über die Zukunft auch des Peiner Klinikums (von links): Ralf Laumert (Betriebsratsvorsitzender AKH-Gruppe) Klaus Wiswe (Landrat des Landkreises Celle), Dr. Martin Windmann (Vorstand AKH-Gruppe) sowie Hans-Werner Kuska (Geschäftsführer Klinikum Peine). Quelle: privat

Entwarnung gibt Windmann im Hinblick auf die geplanten Investitionen in die Modernisierung OP-Abteilung im Peiner Klinikum. „Moderne Medizin benötigt moderne Strukturen. Die Pläne für die OP-Sanierung mit Teilneubau laufen wie geplant weiter. Nach ersten Einschätzungen könnte das Investitionsvolumen elf Millionen Euro umfassen – eine Förderungsmöglichkeit von bis zu zehn Millionen Euro besteht.“

Zu den schlechten Belegungszahlen im Klinikum Peine, die auch als Grund für das Millionen-Defizit genannt wurden, sagte Hans-Werner Kuska, Geschäftsführer des Klinikums Peine: „Viele Kliniken in der Branche kämpfen mit nicht ausreichenden Belegungszahlen. Gründe sind hier im steigenden Wettbewerb als auch in der sogenannten ,Ambulantisierung in Kliniken’ zu sehen. Viele Behandlungen können im medizinischen Sinne und auch zum Wohl der Patienten ambulant durchgeführt werden, was zwangsläufig dazu führt, dass die vorgehaltenen Betten nicht mehr ausreichend belegt werden können.“

Reaktionen zur Krankenhaus-Krise

Die Nachricht des Millionenverlustes des Peiner Klinikums kam für fast alle Menschen im Peiner Land völlig überraschend. Die PAZ fragte die Spitzen der drei größten Fraktionen im Peiner Kreistag, was sie von den Entwicklungen halten.

„Wir müssen jetzt abwarten, was passiert. Ich hoffe nur, dass die Arbeitsplätze erhalten bleiben“, sagt der SPD-Fraktionsvorsitzende Frank Hoffmann. Die von einigen schon angedachte Rückführung des Klinikums in das Eigentum des Landkreises hält er für keine realistische Option. „Dazu fehlt uns auch einfach das Geld“, so der Sozialdemokrat.

Ähnlich sieht es Hans-Werner Fechner, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Kreistag. „Wir werden diese Entwicklung intensiv begleiten und dabei hellwach sein“, so der Christdemokrat. Das Klinikum solle auf jeden Fall erhalten bleiben, das Niveau der medizinischen Versorgung im Landkreis Peine dürfe nicht sinken.

„Von der Höhe des Verlustes war ich auch überrascht – dass es irgendwie Sand im Getriebe gab, hatte man aber immer mal wieder gehört“, sagte Heiko Sachtleben, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Kreistag. Seiner Meinung nach könne man im Klinikum kaum noch an der Personalschraube drehen – „die sind da jetzt schon ganz schön am Wirbeln“. Eine Rekommunalisierung des Krankenhauses könne er sich derzeit auch nicht vorstellen.

Von Tobias Mull

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