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Stadt Peine 27 Jahre nach der Tat: Polizei hat neue Spuren zum Wipshäuser „Heidkrug“-Mord
Stadt Peine

Nach 27 Jahren: Polizei hat neue Spuren zum Wipshäuser „Heidkrug“-Mord

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20:47 23.02.2021
Dieses Foto vom Mordopfer (links) veröffentlichte die Peiner Polizei 1994 und fragte: „Wer kennt Artur Linzmaier, beziehungsweise weiß, was er am Abend des 4. Mai vorhatte?“ Mit dem Foto vom Geländewagen hofft die Polizei nun auf neue Hinweise.
Dieses Foto vom Mordopfer (links) veröffentlichte die Peiner Polizei 1994 und fragte: „Wer kennt Artur Linzmaier, beziehungsweise weiß, was er am Abend des 4. Mai vorhatte?“ Mit dem Foto vom Geländewagen hofft die Polizei nun auf neue Hinweise. Quelle: Archiv/Polizei
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Wipshausen

Die Ermittlungen führten Peines Polizei einst sogar bis nach Polen, aber doch nicht ans Ziel: Seit 27 Jahren sucht die Kripo den Mörder von Artur Linzmaier, der am Abend des 4. Mai 1994 auf dem Parkplatz der Wipshäuser Gaststätte „Heidkrug“ durch zwei Kopfschüsse am Steuer seines Toyota-Geländewagens getötet wurde. Jetzt hat die Polizei-Inspektion in Salzgitter erneut eine Mord-Kommission gegründet. Denn: „Es gibt neue Spuren“, bestätigt Polizei-Sprecher Matthias Pintak. 1995 waren die Ermittlungen eingestellt worden, nun hat sie die Staatsanwaltschaft Hildesheim wieder aufgenommen.

„Heidkrug“-Mord wird zum Cold-Case-Fall

Schnäuzer, Brillenträger, dunkle Haare, Subunternehmer in der Baubranche: 52 Jahre alt war der gelernte Maurer Artur Linzmaier, als er nach zwei Kopfschüssen blutüberströmt am Steuer seines Toyota Landcruisers auf dem „Heidkrug“-Parkplatz an der viel befahrenen Bundesstraße 214 zusammensackte. Zwei Tage später starb der Braunschweiger an den Folgen seiner schweren Verletzungen im Krankenhaus. Der Mord an Artur Linzmaier – er ist jetzt ein sogenannter Cold-Case-Fall. So werden neue polizeiliche Ermittlungen in einem bisher ungeklärten Kriminalfall bezeichnet. Da Mord nicht verjährt und sich die Kriminaltechnik ständig weiterentwickelt, können „kalte“ Mordfälle mitunter auch nach Jahrzehnten noch aufgeklärt und die Täter verurteilt werden. Darauf setzt die Polizei nun auch hier.

Ein DNA-Treffer, womöglich ein neuer Zeugenhinweis, ein neuer Ansatz nach dem Aktenstudium – um welche neuen Spuren es sich konkret handelt, wollen die Ermittler (noch) nicht verraten. „Aber wir möchten ganz bewusst noch einmal mit dem Fall an die Öffentlichkeit gehen. Mögliche Zeugen von damals sind noch in einem Alter, in dem man sich an Sachen erinnern kann“, betont Pintak. Vielleicht Eifersucht, vielleicht Geldgier, vielleicht ein Arbeiter, der sich um seinen Lohn gebracht fühlte? Warum musste Artur Linzmaier sterben? Bei der Suche nach dem Kopfschuss-Killer startet die Polizei daher erneut einen Zeugenaufruf.

Am Tatabend lief das Fußball-Europapokal-Endspiel

Wer hat am Abend des 4. Mai 1994 Beobachtungen in der Nähe des Tatorts gemacht? Die Schüsse fielen gegen 22.10 Uhr, der Abschnitt an der Heidkrug-Gaststätte an der B 214 trägt bei Ortskundigen den eingängigen Spitznamen „Sauerfleisch-Kurve“, weil die Gaststätte für dieses Gericht einst bekannt war. Für mögliche Zeugen hat Polizeisprecher Matthias Pintak eine weitere Erinnerungsstütze: „An jenem Mittwoch fand auch das Fußball-Europokal-Endspiel zwischen dem AC Parma und Arsenal London statt“, sagt er.

Die Aufnahme zeigt die Gaststätte „Heidkrug“ im Jahr 1994 in Fahrtrichtung Braunschweig. Mit einem Zeugenaufruf samt Fotos hofft die Polizei auf weitere Hinweise im Mordfall Artur Linzmaier. Quelle: Polizei

Die Strecke nutzen viele Pendler aus Gifhorn oder Peine, die zur Arbeit zum Beispiel nach Braunschweig fahren. „Vielleicht hat jemand etwas beobachtet und kann sich zum Beispiel noch an das Fahrzeug erinnern“, betont Pintak. Der dunkelblaue Toyota Landcruiser war auffällig, hatte er doch ein Reserverad am Heck und ein helles Dach.

Vernehmungen sogar in Polen

Ansätze bei den Ermittlungen gab es nach dem Mord an Artur Linzmaier mehrere: Die Polizei untersuchte das Umfeld des Opfers, fand zum Beispiel heraus, dass es von seiner Familie getrennt lebte. Linzmaier galt als „unbescholtener Bürger“. In seinem Gewerbe soll er polnische Arbeiter beschäftigt haben. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung wurden Briefe gefunden, seine Maurer wurden vernommen, es gab sogar Vernehmungen in Polen – doch der Durchbruch gelang nicht.

Schüsse sollen aus nächster Nähe abgefeuert worden sein

Der damaligen „Heidkrug“-Gastwirtin Erika Blickwede war ein gehöriger Schrecken in die Glieder gefahren, als sie spätabends das Auto des Opfers auf den Parkplatz fahren sah und kurz danach mehrere Schüsse hörte. Die Gastwirtin unternimmt mit der Freundin ihres Sohnes erste Rettungsversuche, als das Opfer blutüberströmt die Fahrertür öffnet. Vater Blickwede alarmiert die Polizei. Wenige Minuten später ist der Parkplatz an der Gaststätte an der B 214 in gleißendes Scheinwerferlicht getaucht. Unsere Zeitung berichtet, dass die Polizei keine Zeit bei der Spurensuche verliert und die Patronenhülsen findet. Es handelt sich um Kaliber 22, flexibel in Pistolen, Revolvern als auch Gewehren verwendbar. Die Polizisten sind überzeugt, dass die Schüsse „aus nächster Nähe“ abgegeben worden sind. Doch, wer war es?

„Wir suchen Zeugen, die sich an jeglichen Personen- und Fahrzeugverkehr in diesem Zeitraum und am Tatort erinnern können. Auch die kleinsten Hinweise sind für die Ermittler von großer Wichtigkeit“, unterstreicht Pintak. Hinweise nimmt die Polizei in Salzgitter unter Telefon 05341/18970 entgegen.

Von Christian Meyer