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Stadt Peine Mit Schwung aus der Insolvenz: Peiner Umformtechnik startet wieder durch
Stadt Peine Mit Schwung aus der Insolvenz: Peiner Umformtechnik startet wieder durch
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18:24 05.09.2019
Das Führungsteam (v.l.): Dr. Thomas Dückers (Geschäftsführer), Andreas Werner (Finanzen und Controlling), Axel Hille (stellvertretender Vertriebsleiter), Torsten Steger (Werksleiter), Marvin Bialek (Einkauf) mit Dr. Wolf-R. von der Fecht (geschäftsführender Gesellschafter Peiner Treuhand) und Betriebsratsvorsitzenden Uwe Simon. Quelle: Jan Tiemann
Peine

Die alte Dame hat sich ein neues Rechtskleid angezogen und geht mit viel frischem Schwung ans Werk, ihre traditionsreichen Namen hat sie behalten: Ab jetzt ist die Peiner Umformtechnik (PUT) GmbH am Start und aus der Insolvenz raus. Ihre Logistik-Schwester Peiner Services GmbH (PSG) ist auch wieder integriert und somit an den Tarif gebunden.

Nach 17 Monaten erfolgreicher Eigenverwaltung der PUT startet der Peiner Schraubenhersteller an der Woltorfer Straße optimistisch in die Zukunft. Am Donnerstag stellten alle Beteiligten das unternehmerische Konzept vor. Durch die Ausführungen zogen sich die Wörter Vertrauen und Aufbruchstimmung wie ein roter Faden und – ohne die zuverlässigen und engagierten Mitarbeiter wäre dies alles nicht möglich gewesen.

Es geht optimistisch in die Zukunft für die Peiner Umformtechnik.

Ein weiterer wichtiger Baustein für die erfolgreiche Sanierung ist der Düsseldorfer Rechtsanwalt und Steuerberater Dr. Wolf-R. von der Fecht. Der Experte für Krisenberatungen, Sanierungen und Insolvenzverfahren ist vor zwei Jahren auf Vorschlag der Peiner IG Metall als Berater des Betriebsrats zur PUT gekommen, noch vor der Insolvenzeröffnung. „Ich habe den Betriebsrat im Insolvenzverfahren von der ersten Stunde an begleitet“, sagte von der Fecht.

Mitarbeiterlösung zur nachhaltigen Fortführung

Er hat auch die Mitarbeiterlösung zur nachhaltigen Fortführung des Unternehmens ins Spiel gebracht. Die Rheinort-Treuhand hat die PUT, die PSG und das 34 000 Quadratmeter große Betriebsgrundstück erworben. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Die Rheinort-Treuhand ist zur Peiner Umformtechnik GmbH firmiert und übergeordnet steht die Peiner Treuhand GmbH, deren geschäftsführender Gesellschafter von der Fecht ist.

Verzicht auf Lohn und Gehalt

Jetzt kommen die Mitarbeiter zum Zuge. Über einen Sondertarifvertrag arbeiten diese für sechs Jahre für weniger Lohn- und Gehalt. Dies war auch wichtig, um die Nord/LB für einen Kredit zur Vorfinanzierung zu gewinnen. „Die Nord/LB hat sich für das Modell geöffnet – sehr, sehr fachkundig, regional interessiert und mutig“, sagte von der Fecht.

Auch die Arbeitnehmer haben etwas von dem Modell: Neben dem Erhalt der Arbeitsplätze werden sie bei einem möglichen Verkauf der PUT an einen Investor am Verkaufsgewinn beteiligt. Natürlich sei man für Investoren offen, und die Mitarbeiterlösung müsse nicht bis ans Ende aller Tage gelten, aber man könne nun entspannter in die Zukunft schauen.

Kunden und Lieferanten haben zur PUT gestanden

Und hier scheinen die Aussichten nicht schlecht zu sein: Dr. Thomas Dückers wird Geschäftsführer bleiben. Gemeinsam mit der Führungsmannschaft, Mitarbeitern und Betriebsrat soll das Unternehmen nach vorne gebracht werden. „Kunden und Lieferanten haben klar zur PUT gestanden, ohne wenn und aber“, betonte Dückers.

Die Tradition des Unternehmens werde mit den Bereichen Automotive, Handel und Wind fortgeführt. Im Bereich Wind habe die PUT zwei Millionen-Aufträge gewinnen können. Auch im Handel sei man sehr gut unterwegs, und im Bereich Automotive soll das Potenzial neben den Großkunden VW sowie Mercedes auch für andere Automobilhersteller herausgestellt werden.

Paradigmenwechsel in der Produktion

„Auch in der Produktion hat ein Paradigmenwechsel stattgefunden“, so Dückers. Sie sei verstetigt worden, es sollen größere Mengen am Stück gefertigt werden, um die Zeiten zum Umrüsten der Maschinen zu verringern. Auch dies geschehe im engen Austausch mit Kunden und Lieferanten.

„Wir haben eine für die Belegschaft verträgliche Lösung gefunden, auch wenn nicht alle Arbeitsplätze erhalten werden konnten“, sagte Betriebsratsvorsitzender Uwe Simon und betonte ebenfalls das vertrauensvolle Miteinander aller Beteiligten. Die Mitarbeiter seien schon immer das große Potenzial der PUT gewesen. „Die Mitarbeiter, die entlassen werden mussten, sind nicht selbst daran Schuld gewesen“, so Simon. Hier seien frühere Geschäftsführungen in der Verantwortung.

Von Jan Tiemann

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