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Stadt Peine Masernausbruch: Mutter des erkrankten Säuglings Levin äußert Kritik
Stadt Peine Masernausbruch: Mutter des erkrankten Säuglings Levin äußert Kritik
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19:57 04.12.2019
Wieder wohlauf: Eren und Michelle Akbolat mit dem kleinen Levin. Quelle: Jan Tiemann
Kreis Peine

Aktuell gibt es im Landkreis Peine einen bestätigten Masernfall sowie einen Verdachtsfall, der abgeklärt wird. Dies hat Kreis-Sprecher Fabian Laaß am Mittwochnachmittag auf PAZ-Anfrage bestätigt. Wie berichtet, ist ein Säugling erkrankt. Zwischenzeitlich hat sich die Mutter des Kindes bei der PAZ gemeldet. Dem Gesundheitsamt in Peine wirft Michelle Akbolat vor, dass nicht umfassend genug reagiert wurde, als der Ausbruch der hoch ansteckenden Krankheit bei ihrem vier Monate alten Sohn Levin entdeckt worden war.

Am 16. November sei sie mit ihrer Mutter beim Kassenärztlichen Notdienst im Peiner Klinikum gewesen, berichtet die 21-Jährige Peinerin. Dort fand zufällig die Ansteckung statt. „Ein paar Tage später rief das Gesundheitsamt bei meiner Mutter an und sagte, dass sie kommen soll, weil es einen Fall von Masern gegeben hat.“ Auf Hinweis der Mutter wurde dann später auch mit ihr Kontakt aufgenommen.

Zu Beginn einer Masern-Infektion gibt es Zeichen wie Abgeschlagenheit und Fieber, danach tritt der typische Masernausschlag auf. Und dann kann es auch zu gefürchteten Komplikationen wie Mittelohrentzündungen, Lungenentzündungen oder einer Gehirnentzündung kommen.

Krankheit verlief glimpflich

Bei ihrem Sohn Levin sei die Krankheit ausgebrochen und glücklicherweise glimpflich verlaufen. Sie sei nur auf Immunschutz getestet worden, aber nicht auf Masern. „Ich hatte keinen Immunschutz, obwohl ich zweimal geimpft worden war und wurde daher nachgeimpft“, so die Mutter. Einen Tag später seien bei ihr Fieber sowie Ausschlag im Gesicht und an den Händen aufgetreten. Im Gesundheitsamt sagte man, dies könnten keine Masern sei, weil der Ausschlag hinter den Ohren anfange. Es handele sich wohl um eine Impfreaktion.

Bei einem weiteren Test seien dann Masern im Urin, aber nicht im Speichel gefunden worden. Das Ergebnis des Bluttests steht noch aus. Erst da habe man ihr gesagt, sie solle zu Hause bleiben, bis das Ergebnis vorliege, erklärt Akbolat. Davor sei sie mit zahlreichen Menschen in Kontakt gewesen. Bekannte, die zweifach geimpft waren und sich beim Gesundheitsamt gemeldet hatten, wurden erst gar nicht getestet. Drei Freundinnen hätten ebenfalls keinen Immunschutz. Sie findet, „man hätte mehr unternehmen müssen, damit sich die Krankheit nicht ausbreitet“.

Kreis widerspricht

Dem widerspricht Peines Kreis-Sprecher Laaß: Das Gesundheitsamtin Peine arbeitet mit Hochdruck, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. „Fast alle Schüler aus dem Kreis Peine, die an der Adventsfeier an der Oberschule in Söhlde teilgenommen haben, sind bereits ausfindig gemacht worden“, sagt Laaß. „Diese und weitere Kontaktpersonen werden ins Gesundheitsamt gebeten, untersucht und gegebenenfalls nachgeimpft.“ Wer Fragen hat oder sich unsicher fühlt, kann sich unter der Telefonnummer (0 51 71) 4 01 70 01 an das Gesundheitsamt in Peine wenden.

Laaß erläutert die übliche Vorgehensweise: „Nach Meldung einer Masernerkrankung nimmt das Gesundheitsamt den Kontakt zu der erkrankten Person auf und ermittelt mögliche Kontaktpersonen. Hierbei müssen Inkubationszeit und Erkrankungsbeginn beachtet werden. Die Kontaktpersonen werden angerufen, persönlich aufgesucht oder es wird ein Informationsbrief persönlich in den Briefkasten gesteckt.“

Der Impfstatus der Kontaktpersonen wird überprüft. Falls die Immunität unklar ist, erfolgt eine Blutabnahme und gegebenenfalls eine Impfung – entweder durch das Gesundheitsamt oder den Hausarzt. Hierbei ist zu beachten, dass eine Impfung den Ausbruch der Erkrankung nur verhindern kann, wenn diese innerhalb von drei Tagen nach dem Kontakt zur erkrankten Person erfolgt. Spätere Impfungen können die Erkrankung nicht verhindern, sie aber abmildern.

Umfangreiche Informationskette

„Sobald ein gesicherter Masernfall bekannt ist, werden die niedergelassenen Hausärzte und Kinderärzte über den E-Mail Verteiler vorinformiert für den Fall, dass sich mögliche Kontaktpersonen oder Erkrankte an die Praxen wenden. Die direkt betroffenen Arztpraxen, gegebenenfalls das Klinikum Peine und der Kassenärztliche Notdienst werden zusätzlich telefonisch kontaktiert“, erklärt der Sprecher.

Das Gesundheitsamt kann verschiedene Maßnahmen ergreifen, zum Beispiel als Schutz ansteckungsverdächtige Personen verpflichten, bestimmte Orte nicht zu betreten. Das Ziel besteht darin, weitere Erkrankungsfälle und damit eine Ausbreitung der Masern zu verhindern. Hierzu wurde am Niedersächsischen Landesgesundheitsamt in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium ein Masern-Leitfaden entwickelt, auf dem der deutschlandweit eingesetzte Masernleitfadenbasiert.

Korrekt gearbeitet

„Auch im aktuellen Masernfall wurde leitfadengerecht gearbeitet und der oben beschriebene Ablauf eingehalten. Sobald der Masernfall dem Gesundheitsamt Peine gemeldet wurde, sind unverzüglich die oben genannten Maßnahmen eingeleitet worden. Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen. Es ist nicht auszuschließen, dass noch weitere Einzelfälle auftreten“, erklärt Laaß.

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Von Jan Tiemann

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