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Stadt Peine Verunreinigtes Leitungswasser: Abkochgebot bleibt übers Wochenende bestehen
Stadt Peine

Leitungswasser in Peine und Telgte abkochen: Weiterhin Gefahr durch Mikrobakterien

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14:38 04.10.2020
Symbolfoto: Der Landkreis Peine warnt, dass das Leitungswasser in Peine und Telgte verunreinigt ist. Quelle: dpa
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Peine/Telgte

Das Leitungswasser in der Kernstadt Peine und in Telgte ist durch Mikrobakterien verunreinigt. Nur abgekochtes Wasser sollte getrunken werden, warnen der Landkreis und der Wasserverband Peine. Das Abkochgebot soll mindestens über das ganze Wochenende bestehen bleiben, denn mit einer Auswertung der Proben sei erst am Montag zu rechnen. Weitere Ortschaften im Landkreis Peine seien nicht betroffen.

Die Verunreinigung mit Enterokokken sei bei Untersuchungen im Labor festgestellt worden, sagt Sandra Ramdohr, Sprecherin des Wasserverbands. Der Verband überprüfe regelmäßig mehrere Stellen im Leitungsnetz. Die Mikrobakterien seien im südlichen Stadtbereich bei einer Transportleitung aufgetreten, die ausschließlich Peine und Telgte versorgt. „Nach einer Abstimmungsrunde mit dem Gesundheitsamt sind weitere Proben am Freitag vom Gesundheitsamt genommen worden, um den ersten Befund zu überprüfen“, erläutert Michael Wittemann, Technischer Leiter des Wasserverbands Peine.

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Mehrere Analysen müssen Einhaltung der Grenzwerte nachweisen

„Diese Analyseergebnisse gilt es abzuwarten. Sie werden dann umgehend mit dem Gesundheitsamt als zuständiger Aufsichtsbehörde beraten und eventuell notwendige Maßnahmen abgestimmt. Auch die Aufhebung des vorsorglich ausgesprochenen Abkochgebots kann zur Sicherheit erst erfolgen, wenn mehrere Analysen die Einhaltung der strengen Grenzwerte der Trinkwasserverordnung nachgewiesen haben. Das regeln die rechtlichen Vorgaben der Trinkwasserversorgung“, so Wittemann.

Die Auswertung solcher mikrobiologischen Tests benötige einige Zeit: Im Laufe des Montags erwarte der Wasserverband Ergebnisse der Proben, die am Freitag genommen wurden. Das zuständige Team habe die aktuelle Lage auch am Wochenende im Blick. Außerdem stehe der Verband weiter im Austausch mit dem Gesundheitsamt und werde neue Entwicklungen umgehend beraten und entsprechend über seine Website informieren.

Enterokokken

Die Milchsäurebakterien Enterokokken kommen sowohl in menschlichen als auch tierischen Körpern sowie im Erdboden vor. Bestimmte Enterokokken-Stämme können bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem Infektionen auslösen. Antibiotika sind für eine Therapie geeignet, jedoch nur, wenn dagegen keine Resistenzen vorliegen. Dies ist etwa bei den sogenannten Vancomycin-resistenten Enterokokken (VRE) der Fall, hier kann eine Behandlung mit dem Antibiotikum Vancomycin unwirksam sein.

Unverzüglich nach dem mikrobiologischen Befund habe der Wasserverband Peine vorsorglich seine Leitung im entsprechenden Netzbereich zur Übergabe ins Stadtnetz gespült. „Diese Spülung halten wir auch über das Wochenende aufrecht“, sagt Wittemann. Die beiden Wasserwerke Wehnsen und Burgdorfer Holz, aus denen Peine mit Trinkwasser versorgt wird, seien ohne Befund. Auch an weiteren Punkte des Leitungsnetzes seien noch einmal Proben genommen worden, es habe dort keine Auffälligkeiten gegeben.

Verunreinigung könnte verschiedene Ursachen haben

Wie genau die Bakterien ins Leitungssystem gekommen sind, ist vorerst unklar. „Es gibt mehrere Möglichkeiten, zum Beispiel zu wenig Durchfluss, eine Biofilm-Bildung in der Leitung oder auch eine beschädigte Anlagen-Komponente“, sagt Ramdohr.

Weiterhin gilt: Wasser aus der Leitung sollte in Peine und Telgte nicht direkt getrunken, sondern zuvor sprudelnd abgekocht werden. Gleiches gilt, wenn das Wasser zum Zähneputzen verwendet wird oder für die Essenszubereitung dient. Beim Duschen, Baden oder dem Wäschewaschen sei die Verwendung von Leitungswasser unbedenklich. Ein gesundheitliches Risiko könnten die Bakterien laut Gesundheitsamt in erster Linie für Menschen mit geschwächtem Immunsystem darstellen, erklärt Ramdohr.

Von Dennis Nobbe