Menü
Peiner Allgemeine | Ihre Zeitung aus Peine
Anmelden
Stadt Peine Landleben-Kolumne: Diverse Arten von Sägen
Stadt Peine

Landleben-Kolumne: Diverse Arten von Sägen

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:00 31.07.2021
Geräuschintensiv: Die neue Tischkreissäge.
Geräuschintensiv: Die neue Tischkreissäge. Quelle: Weber
Anzeige
Peine

In meinem Besitz befinden sich ein paar Sägen, die mein Vater in seiner Werkstatt für entbehrlich hielt. Mit denen kann ich mal einen Ast ab- oder ein Brett durchsägen. Meist ist das mühsam, weil es sich um ausrangierte Sägen handelt. Einige stammen wohl sogar noch von meinem Opa.

Es war nur eine Frage der Zeit, bis der Wunsch nach besserem Werkzeug bei mir aufkam. Ich kaufte mir eine Stichsäge und war sehr stolz und zufrieden, mich damit durch die meisten kleinen Holzarbeiten sägen zu können. Bei größeren Projekten bat ich meinen Mann um Ausführung – also immer dann, wenn größere Sägen mit Antrieb gefragt waren. Diese sind mir nämlich schnell zu laut und auch irgendwie ein bisschen unheimlich.

Warnung vor abgetrennten Körperteilen und herumfliegenden Holzstücken

Beim kleinsten Fehler können sie immerhin große Verletzungen hervorrufen. Das ist bei mir fest verankertes Kindheitswissen. Damals hat man mich nämlich im Zusammenhang mit Motor- oder Kreissägen wiederholt und mit Nachdruck vor abgetrennten Körperteilen und herumfliegenden Holzstücken, die zu tödlichen Geschossen werden können, gewarnt. Entsprechende Geräte habe ich mir also nie gewünscht.

Warum sich mein Mann jedoch so lange geziert hat, sich die ersehnte neue Tischkreissäge anzuschaffen, war mir ein Rätsel. Er baut viele Dinge selbst und kann souverän mit Sägen aller Art umgehen. Insofern ermunterte ich ihn, sich mal so eine richtig praktische Säge zu gönnen. Und nun war es endlich soweit – eine hochwertige Tischkreissäge bereicherte unseren Werkzeug-Pool.

Er betrachtete die Säge so, wie er einst mich betrachtet hatte, als ich noch neu war

Zuerst wohnte das Ding im Haus. In dieser Phase machte sich mein Mann mit dem Gerät vertraut, soll heißen, er strich zärtlich mit der Hand über die Flächen und betrachtete die Säge so, wie er einst mich betrachtet hatte, als ich noch neu war. In Phase zwei studierte er mehrere Abende die Gebrauchsanleitung. Das hochtechnische Gerät hat eine Menge Einstellungs-Möglichkeiten. Ich fühlte mich fast schon abgeschrieben, als die Neuanschaffung für erste Probe-Sägungen endlich in den Werkbereich umziehen durfte und ich mir nicht mehr den Wohnraum mit ihr teilen musste.

Dennoch bestimmte das neue Werkzeug weiter mein Leben. Meinen Mann bekam ich in dieser dritten Phase kaum zu sehen, er hatte sich eingesägt. Dann kam der Tag, an dem viele und sehr lange Bretter gesägt werden mussten. Zum Helfen wurde ich herbeigerufen, doch meine Kindheits-Kreissägen-Angst machte mich für diesen Dienst untauglich. Ich war zu zaghaft, kniff dabei die Augen zusammen und wirkte wohl auch sonst nicht so begeistert. Jedenfalls schickte mich mein Mann wieder weg und machte alleine weiter.

Das Lob für sein Tagwerk hat mein Mann schon gar nicht mehr mitbekommen

Die Säge verstummte erst am späten Abend. Dankbar genoss ich die Stille, als wir im Bett lagen. Ich wollte meinem Mann gerade ein Lob für sein Tagewerk zuflüstern, aber da war er schon erschöpft eingeschlafen. Was wollte ich sagen? Ach ja – er kann echt sägen.

Das Buch zur Kolumne „Mein Landleben“ ist im Buchhandel erhältlich. Sie erreichen die Autorin unter E-Mail: autorin@anke-weber.de; Instagram: https://www.instagram.com/ankeweber_author; facebook: https://www.facebook.com/ankeweberautorin.

Von Anke Weber