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Stadt Peine „Fleischklopfer-Attacke“: Freiheitsstrafe für den Angeklagten
Stadt Peine „Fleischklopfer-Attacke“: Freiheitsstrafe für den Angeklagten
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00:18 23.12.2018
Die Dolmetscherin und der Angeklagte vor Gericht. Quelle: Eckhard Bruns
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Peine/Hildesheim

Das war passiert: Da das spätere Opfer dem Angeklagten noch 5000 Euro für eine Renovierung geschuldet haben soll, habe dieser sich mit weiteren Männern Zutritt zur Wohnung des Peiners verschafft. Nachdem das Opfer bedroht worden sein soll, sei es zu einer handgreiflichen Auseinandersetzung mit Verletzungsfolgen gekommen. Dabei sei auch ein Fleischklopfer verwendet worden. Erst hieß es, diesen habe der Angeklagte eingesetzt, dieser behauptete nun jedoch, selbst damit attackiert worden zu sein.

Gericht bezeichnet Tat als „verwerflich“

Das Gericht bewertete die „verwerfliche Tat“ als einfachen Raub mit gemeinschaftlicher schwerer Körperverletzung. Der Staatsanwalt hatte in seinem Plädoyer sechs Jahre Haft und der Verteidiger eine milde Strafe von 18 Monaten auf Bewährung gefordert. „Wir haben hier nicht die goldene Mitte gewählt. Unsere Bewertung liegt etwas anders, als es der Staatsanwalt und der Verteidiger eingeschätzt hatten“, äußerte der vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung. „Wir haben auf einfachen Raub entschieden, da es Zweifel am Einsatz des Fleischklopfers gibt. Dazu fehlt uns der Nachweis.“

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Der Sachverhalt und Tathergang konnten im Prozessverlauf glaubwürdig und nachvollziehbar bestätigt werden. Das Gericht glaubte nicht an ein zufälliges Treffen der beteiligten Täter in Peine. Ziel des Besuchs war nach Annahme des Gerichts, dass möglichst viel Geld und Wertgegenstände mitgenommen werden und entsprechender Druck auf den Geschädigten ausgeübt werden sollte.

Sprachbarrieren erschwerten Glaubwürdigkeit

Das Gericht bewertete die Aussage des Täters, dass er seine Fäuste, aber keinen Fleischklopfer eingesetzt habe und dass es vielmehr das Opfer gewesen sei, das den Fleischklopfer zur Abwehr benutzt habe, als nachvollziehbar. Die Glaubwürdigkeit der Partnerin des Geschädigten wurde durch Sprachbarrieren zusätzlich erschwert.

Zweifel am Einsatz von Fleischkloopfer

Aufgrund der bestehenden Zweifel am Einsatz der Waffe stufte das Gericht den Vorfall als einfachen Raub mit gemeinsamer gefährlicher Körperverletzung ein. „Dass der Übergriff mit einem hohen Maß an Gewalt in der Wohnung des Opfers und in Anwesenheit seiner Partnerin und kleinen Tochter stattfand, war beeindruckend genug“, führte der Richter weiter aus. Für die geschädigte Familie habe sich ein nachhaltiger negativer Einfluss durch das Erlebte ergeben.

Ein Werte-Ersatzverfahren entfällt, da keine Zuordnung zum Verbleib des Geldes (630 Euro) erfolgen konnte. Der Haftbefehl bleibt bestehen. Eine Revision ist innerhalb einer Woche zulässig.

Von Eckhard Bruns