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Stadt Peine Kunze im Forum: Leckerbissen der Musikkunst
Stadt Peine Kunze im Forum: Leckerbissen der Musikkunst
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09:53 27.05.2019
Der bekannte Rockpoet Heinz Rudolf Kunze trat im Peiner Forum auf.
Der bekannte Rockpoet Heinz Rudolf Kunze trat im Peiner Forum auf. Quelle: Grit Storz
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Peine

Vorher brannte der Rockpoet ein Feuerwerk der Wortkunst ab: Gesungen oder gelesen, mit sonorer und doch extrem wandelbarer Stimme vorgetragen – vom Jubel des Publikums zu mehreren Zugaben gebracht. Vor fast ausverkauftem Saal sang, reimte und erzählte der begnadete Wortkünstler, der mit seiner Stimme Akzente setzt, ausdrucksstarke Pointen in seiner typischen Kauzigkeit sympathisch nachklingen lässt und harte Gesellschaftskritik mit drastischen Worten salonfähig macht. Von seiner rebellischen Art hat der Altmeister der Rockpoesie nichts eingebüßt, von seiner musikalischen Virtuosität erst recht nicht. So erklangen alte und neue Hits in gekonnter Mischung, wechselten sich kritische Töne zur Umweltverschmutzung, Weltpolitik und engstirnigem Denken mit Liebesliedern und Anekdötchen aus Kunzes Leben ab.

Das Publikum im Peiner Forum. Quelle: Grit Storz

„Schön, dass ich hier bin“, rief er seinem Publikum zu und spielte ohne Pause knapp zweieinhalb Stunden Altes und Neues, Aktuelles und noch immer Aktuelles – ohne technischen Schnickschnack, nur er und seine Gitarren und sein Klavier. Drastische Wortspiele kurbelten das Kopfkino an, jeder Gesellschaftsbereich bekam seinen Teil weg: Religion und Freiheit, Vermüllung und Verblödung, Liebe und Hass oder auch Macht und Ohnmächtigkeit waren Themen, zu denen der altgediente Revoluzzer hinter der Gitarre tatsächlich etwas zu sagen hat. Dies tut er mit spitzer Zunge, unglaublich gekonnt gesetzter Sprache – sehr deutsch, sehr akzentuiert und gerade deswegen sehr authentisch.

Jubel und frenetischer Beifall

Kunze weiß, was er den alten Hits wie „Aller Herren Länder“, „Finderlohn“ oder „Mit Leib und Seele“ hat und spielt auch die, zumindest im Anklang. Humorig nimmt er seine Kompositionen selbst auf die Schippe – der „musikalische Reinhard-Mey-Einfluss“ lässt sich beim Lied für Klimaschutz nicht leugnen, und geht nahtlos zu „Meine eigenen Wege“ über. Genüsslich und doch unaufgeregt bohrte er in den Wunden der Gesellschaft, verstanden von seinem aufmerksamen Publikum. Doch endlich, endlich durften auch alle „offiziell“ mitsingen: Im letzten Block intonierte der Künstler „Dein ist mein ganzes Herz“. Jubel und stehender frenetischer Beifall kitzelten schließlich noch „Finden sie Mabel“ und „Lola“ hervor, bis sich der verschwitzte Rockpoet und das Publikum gegenseitig auf Wiedersehen sagten.

Der „Alte“ kann es noch

Ein Leckerbissen der Musikkunst im Einheitsbrei der weich gespülten nichtssagenden Texte heutiger „Liedermacher“. Der „Alte“ kann es noch und hat es allen gezeigt. Gesungene Gesellschaftskritik mit eingängigen Melodien und klaren Botschaften – möglich ist alles. Mainstream geht anders, Beliebigkeit auch - aber gerade dafür liebten ihn die Zuhörer im Forum – große Klasse.

Von Grit Storz