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Stadt Peine Theater als Prävention gegen Mobbing
Stadt Peine Theater als Prävention gegen Mobbing
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09:00 25.06.2019
Wer war es denn jetzt? Der unangepasste Hendrik, die prollige Hülya, der nerdige Sandro oder gar Mia selbst?
Wer war es denn jetzt? Der unangepasste Hendrik, die prollige Hülya, der nerdige Sandro oder gar Mia selbst? Quelle: Grit Storz
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Peine

Den großartigen Auftakt der Woche gegen Mobbing, Amok und Gewalt, die der Kulturring Peine seinen Kooperationsschulen anbietet, bildete das Theaterstück „Schutzengel“. Das Theater Sonni Meier aus Witten erreichte damit sofort die Aufmerksamkeit der Schüler im Alter zwischen 11 und 18 Jahren.

Herrschte anfangs noch eine gewisse Heiterkeit bei den Schülern, wich diese bald der Fassungslosigkeit: Ein Amoklauf an einer Schule mit 14 Toten und vielen Verletzten? So etwas ist hier nicht möglich – oder doch?

Scheinbare Kleinigkeiten können zu Katastrophen führen

In minimalistischer Kulisse und einigen wenigen dramatischen Effekten spielten die Darsteller mit der Fantasie ihrer Zuschauer und deren eigenem Erleben. Natürlich sind die verschiedenen dargestellten Arten der Gewalt – ob körperlicher oder psychischer Natur – starke negative Erfahrungen. Aber so überspitzt wie im Theaterstück und so im traurigen Finale endend, passiert „es doch immer den anderen, irgendwo anders“ – lautete zumindest anfangs der Grundtenor. Das selbst kleinste Anlässe, scheinbare Nebensächlichkeiten oder einfach nur unterschwellige Nichtbeachtung zur großen Katastrophe führen können, wurde im Stück sehr deutlich.

Theaterstück zieht Zuschauer in den Bann

Hatten sich die meisten Schüler im Vorfeld mit den Themen Mobbing und Gewalt auseinandergesetzt, bekamen diese nun beim unmittelbaren Erleben eine ganz andere Dimension. Die kleineren Schüler rissen die Augen auf, Freundinnen rückten eng aneinander und selbst die größeren Schüler konnten teils kaum fassen, wie sich einige Handlungen quasi als Selbstläufer entwickelten. In düsteres Licht getaucht, hörte das Publikum Schüsse, Sirenen und den Nachrichtensprecher aus dem Off: Amoklauf an der Eichendorffschule. Schließlich der ohrenbetäubende finale Schuss – Stille.

Schüler erkannten sich wieder

Schülerin Mia (Sonni Meier) war eigentlich ein Opfer des Amoklaufes und tot, durfte aber nach harten Verhandlungen wieder zu den Lebenden zurückkehren – allerdings ohne Erinnerung ohne das zuvor Geschehene. „Verhindere den Amoklauf. Sieh genau hin!“, lautete ihr Auftrag. Natürlich wurden zuerst alle Klischees bedient, um den Täter zu finden. Gemeinsam mit Nerd Sandro (Elias Engels) legte sich Mia auf Hendrik (großartig: Tobias Vornberg), den schwarz gekleideten, unangepassten Raufbold mit der schweren Kindheit fest. Als dieser es nicht sein konnte, verbündete sich Mia mit ihm, um nun die durch unkonventionelle Sprache und Gewaltbereitschaft auffallende Hülya (Stefanie Linneberg) ins Visier zu nehmen. Immer wieder lockerte das Ensemble die düstere und teils bedrückende Handlung mit lustigen Einlagen auf. Oft erkannten sich die Schüler in Verhaltensweisen oder auch in der Sprache wieder. Trotzdem spitzte sich das gut einstündige Theater bis zum überraschenden Höhepunkt dramatisch zu und die meisten waren schließlich froh, dass es vorbei war.

Workshops im Anschluss

Gespielt war das Stück großartig, sein Inhalt verleitete zum interessierten Hingucken trotz der eigenen Fassungslosigkeit oder gar des Angeekeltseins. Im Anschluss diskutierten die knapp 300 Schüler mit dem Ensemble. In Workshops, die die ganze Woche laufen, werden mithilfe des Theaterspiels Strategien für eine gewaltfreie Schule erarbeitet.

Von Grit Storz