Kreis Peine will neuen Corona-Impfstoff trotz Nebenwirkungen einsetzen
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Kreis Peine will neuen Corona-Impfstoff trotz Nebenwirkungen einsetzen

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18:52 16.02.2021
Eine Ampulle des neuen Corona-Impfstoffs des Pharmakonzerns Astrazeneca.
Eine Ampulle des neuen Corona-Impfstoffs des Pharmakonzerns Astrazeneca. Quelle: dpa
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Für Probleme sorgt der neue Corona-Impfstoff Astrazeneca. Nach dem Impfen klagen viele Menschen über Müdigkeit, Kopfschmerzen und Fieber – es gab zahlreiche Krankmeldungen. In Schweden wurde daher sogar ein vorübergehender Impfstopp verhängt. Wie geht der Landkreis Peine mit Astrazeneca um?

Mit dem neuen Impfstoff von Astrazeneca können jetzt vor allem bei den unter 65-Jährigen sehr viel mehr Menschen ihre Impfung bekommen. Aber es gibt Nebenwirkungen. Quelle: dpa

Kreissprecher Fabian Laaß sagt: „Typische Impfreaktionen wie Müdigkeit, Kopfschmerzen, Mattigkeit, Gliederschmerzen oder auch Fieber sind nach den Impfungen sowohl mit dem Covid-19-Impfstoff von Biontech als auch von Astrazeneca zu verzeichnen. Diese möglichen Nebenwirkungen sind grundsätzlich bekannt. Die Patienten werden im Aufklärungsgespräch entsprechend darauf hingewiesen.“ Die Impfungen seien freiwillig, und natürlich könne man auch ablehnen. Wegen der Nebenwirkungen werde bei Betrieben empfohlen, jeweils nur die Hälfte des Personals an einem Termin zu impfen.

Das ist Astrazeneca

Astrazeneca ist ein internationaler Pharmakonzern, der 1999 aus der schwedischen Firma Astra AB und der britischen Zeneca PLC entstand. Zeneca war 1993 aus der Pharmasparte des britischen Chemieunternehmens Imperial Chemical Industries entstanden. Der Hauptsitz ist in Cambridge, die Entwicklungs- und Forschungsabteilung sitzt im schwedischen Södertälje südlich von Stockholm. Astrazeneca ist 2019 mit 26,6 Milliarden US-Dollar Umsatz und 70.600 Mitarbeitern einer der größten Arzneimittelhersteller weltweit. Einer größeren Öffentlichkeit bekannt wurde Astrazeneca mit seinem Impfstoff AZD1222 als einer der derzeit führenden Hersteller eines Corona-Impfstoffs.

Derzeit seien 1200 Impfdosen von Astrazeneca in Peine vorhanden. „Diese werden jetzt gemäß Erlass an unter 65-Jährige verimpft, zunächst an priorisiertes Personal von Praxen, Pflegediensten und Rettungsdiensten“, erklärt Laaß. Hintergrund: Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt die Impfung mit dem Astrazeneca-Impfstoff in Deutschland nur für 18- bis 64-Jährige. Ursache dafür ist die bis dato nicht eindeutig geklärte Wirksamkeit des Präparats bei älteren Menschen, heißt es.

Bis zu vier mobile Teams im Einsatz

Bis zu vier mobile Impfteams mit Ärzten und Helfern seien täglich im Einsatz, um neben den Zweitimpfungen in den Alten- und Pflegeheimen auch die Bewohner der teilstationären Einrichtungen, des betreuten Wohnens oder auch der Tagespflegen zu impfen. Der Sprecher weiter: „Hier wird dann auch nach Alter unterschieden, wer welchen Impfstoff erhält. Grundsätzlich erhalten alle unter 65-Jährigen – zumeist also die jüngeren Mitarbeiter dieser Einrichtungen – Astrazeneca. Dieser Impfstoff wird auch weiterhin verwendet.“ Den älteren Menschen würde man den Biontech-Impfstoff verabreichen. Bisher haben laut Laaß insgesamt 3171 Personen (mobil und im Impfzentrum im Unternehmenspark II an der Woltorfer Straße) die Erstimpfung und 1832 Personen bereits die Zweitimpfung erhalten.

Das ist Biontech

Die Biontech SE ist ein seit Ende 2019 börsennotiertes Biotechnologieunternehmen mit Sitz im rheinland-pfälzischen Mainz. Es hat sich auf die Entwicklung und Herstellung von Immuntherapien zur Behandlung von Krebs und anderen schweren Krankheiten fokussiert. Anfang 2020 entwickelte Biontech den Impfstoff BNT162b2 gegen das Coronavirus, der in Werken vom Konzern Pfizer für den weltweiten Bedarf hergestellt wird. Es ist das erste zugelassene Produkt des Unternehmens, rund 20 potenzielle Medikamente sind in der Entwicklungsphase. Biontech hat 1323 Mitarbeiter und einen Umsatz in Höge von 121,5 Millionen Euro (2019).

Am Mittwoch seien die Erstimpfungen im DRK-Seniorenzentrum Oelheim und am Donnerstag im Dorea-Wohnpark an der Sundernstraße in Peine vorgesehen. „Damit sind dann alle 2504 Erstimpfungen in den Peiner Pflegeheimen abgeschlossen, dann folgen die Zweitimpfungen“, erklärt der Kreissprecher. Besonders vorsichtig müsse man beim Impfen im Oelheimer Heim sei, denn dort habe es mehrere Fälle der britischen Corona-Mutation gegeben. Er sagt: „Daher sind gleich drei mobile Teams vor Ort, denn um das Infektionsrisiko zu senken, wird die Schutzkleidung der Mediziner nach jedem Zimmer gewechselt.“ Und im Peiner Impfzentrum werden ab Mittwoch täglich 162 Personen geimpft.

Insgesamt will der Peiner Corona-Krisenstab angesichts der anhaltenden Impfstoff-Knappheit an seiner Strategie festhalten, Impfstoffe nicht verfallen zu lassen und Reste aus den Injektionsfläschchen nicht im Abfall zu entsorgen. So werden Reste von Biontech-Impfstoff (nach Anbruch eines Fläschchens nur sechs Stunden haltbar) Palliativmedizinern und deren Patienten angeboten, sofern Impfberechtigte aus der höchsten Priorisierungsstufe (über 80 Jahre) nicht zur Verfügung stehen. Alle zwei Wochen erreichen den Landkreis derzeit 1170 Biontech-Impfdosen.

Ein Mann geht ins Peiner Impfzentrum. Quelle: Ralf Büchler

Interessante Unterschiede: Während aus einer Zwei-Milliliter-Biontech-Ampulle (wird verdünnt) etwa sieben Impfungen möglich sind, können bei Astrazeneca aus einem Fünf-Milliliter-Fläschchen zehn Impfungen verabreicht werden. Und während der Biontech-Impfstoff bei minus 75 Grad gelagert werden muss, reicht bei Astrazeneca die Kühlschrank-Temperatur.

Von Thomas Kröger