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Stadt Peine Der Lehrer, der ein Mörder war
Stadt Peine Der Lehrer, der ein Mörder war
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09:47 20.09.2019
Unfassbar: Gebannt hören die Besucher Jürgen Gückels Worten über den falschen Lehrer zu. Quelle: Ralf Büchler
Stederdorf

Sie ist eine mutige Frau. Man sieht der zarten älteren Dame nicht an, was gerade in ihr vorgeht, aber dass sie hier sitzt und zuhört, ist ein Kraftakt, den sich wohl die wenigsten zugemutet hätten. Sigrid R. lauscht im Saal des Stederdorfer Hotels Schönau gemeinsam mit rund 130 weiteren Zuhörern einer Lesung von Jürgen Gückel. Der Peiner Journalist hat ein Buch geschrieben – über Artur Wilke, den Vater von Frau R., der im Stederdorf der Nachkriegszeit Volksschullehrer war. Und der zuvor in Weißrussland viele tausend Menschen tötete oder töten ließ, denn der vermeintlich harmlose Lehrer war in Wirklichkeit mitverantwortlich für die Nazi-Massaker rund um Minsk.

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Die Geschichte um den Stederdorfer Lehrer Artur Wilke ist atemberaubend: Gleich nach dem Krieg heuert er unter falschem Namen an der Volksschule an und unterrichtet zwölf Jahre lang mehr als 1000 Kinder, bevor er enttarnt und verhaftet wird.

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Gleich nach dem Krieg war Wilke zu seiner Tante nach Stederdorf zurückgekehrt, allerdings nicht unter seinem richtigen Namen: Der Gestapo-Mörder hatte die Identität seines gefallenen Bruders, eines harmlosen Feldwebels, angenommen, um sich vor Strafverfolgung zu schützen. Damals kein Einzelfall, dennoch ist Gückels Schilderung dieses Lebenswegs atemberaubend. „Klassenfoto mit Massenmörder“ hat der Autor, selber einst Schüler von Wilke, sein Buch genannt. „Der Titel hat mich dann doch noch mal etwas überrascht, aber es nützt ja nichts: Mein Opa war ein Massenmörder“, sagt die 43-jährige Enkelin von Wilke, die ihre Mutter nach Stederdorf begleitet hat.

Sigrid R. sitzt zwischen ihrem Mann und ihrer Tochter, der Schwiegersohn ist auch mitgekommen. Mit reglosen Mienen hören sie sich an, wie Gückel das Kapitel über Wilkes erste Exekution in Weißruthenien vorträgt. Wie die Opfer, vermeintliche „Partisanen“, in einer Reihe an die von Zwangsarbeitern ausgehobene Grube treten mussten, mit einem Genickschuss getötet und gleich in ihr riesiges Grab gestoßen wurden. In R.s schmalem Gesicht, in dem man den Vater von den alten Schulfotos wiedererkennen kann, ist keine Reaktion zu sehen. Später, nach der Lesung, spricht sie im kleinen Kreis von der „schweren Zeit“, die das damals nach dem Krieg für sie und ihre Geschwister war. Und dass sie alle nicht mal geahnt hätten, was der Vater im Krieg getan hat. „Aber jetzt“, sagt sie entschlossen, „jetzt will ich das alles umso genauer wissen.“

Tatsächlich wusste seinerzeit nicht einmal die eigene Familie, welche Verbrechen Artur Wilke begangen hatte. Und auch im Ort hatte niemand Kenntnis davon. Wie auch: Selbst nachdem Wilke Anfang der 1960er-Jahre aufgeflogen und verurteilt worden war, machte sich niemand die Mühe nachzufragen, weswegen er für zehn Jahre ins Gefängnis kam. Bigamie, mutmaßten die einen, denn tatsächlich hatte der Dorflehrer die Dorfärztin geheiratet, obwohl seine erste Ehefrau zu dem Zeitpunkt noch lebte. Betrug, munkelten andere, denn natürlich hatte sich inoffiziell längst herumgesprochen, dass Artur Wilke nicht der war, für den er sich ausgab.

„Für uns war er immer nur der Mann von ,Tante Doktor‘, wie wir die Ärztin nannten“, sagt Ortsbürgermeister Holger Hahn (SPD). Er selber, betont er, sei völlig überwältigt von der Erkenntnis, dass mitten unter den Stederdorfern ein solcher Massenmörder gelebt hat. Hahn findet es wichtig und richtig, dass die Geschichte des falschen Lehrers aufgearbeitet wird. Daher hat er sich, als Jürgen Gückel ihn fragte, auch spontan bereit erklärt, die Schirmherrschaft für die Lesung zu übernehmen. Anschließend trug er das Anliegen des Autors im Ortsrat vor – und erlebte eine Überraschung: Lediglich die SPD-Fraktion und der Ortsverein der Sozialdemokraten zogen mit, die anderen Fraktionen mochten sich nicht hinter das Projekt stellen.

Autor Jürgen Gückel stellt sein Buch über den falschen Lehrer vor. Quelle: Ralf Büchler

Nachdem die Lesung schon länger vorbei ist und überall im Saal Grüppchen über das Unerhörte diskutieren, nähert sich ein Mann der Gruppe um Wilkes Nachkommen. Es stellt sich heraus, dass er der einst beste Freund von Wolfdietrich, des verstorbenen Bruders von Sigrid, ist. Dieser Bruder nahm sich als frisch Verheirateter das Leben – wenige Monate, nachdem der Vater verhaftet worden war. „Noch am selben Tag ist er einfach auf die Straße gelaufen und wäre fast überfahren worden“, erinnert sich seine Schwester. Kurze Zeit später, an seinem 27. Geburtstag, nahm sich Wolfdietrich das Leben. Der Jugendfreund schildert, dass er sich unzählige Male gefragt habe, ob er irgendwie hätte helfen, den Freund hätte retten können. Sigrid R. schüttelt den Kopf. „Er war so eng mit unserem Vater und am Boden zerstört, als der verhaftet wurde – selbst wenn man ihn dreimal daran gehindert hätte, sich umzubringen, er hätte es ein viertes Mal versucht und geschafft.“

Von Stefanie Gollasch

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