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Stadt Peine Inklusion in Peine wird immer mehr zu einer Mammutaufgabe
Stadt Peine Inklusion in Peine wird immer mehr zu einer Mammutaufgabe
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18:32 14.08.2019
Um Inklusion umzusetzen, haben Lehrer einige Hürden zu nehmen. Quelle: dpa
Peine

Lehrermangel an allen Ecken und Enden – besonders aber im Förderschul- und Inklusionsbereich. Das klagt der Kreiselternrat an. „Wie soll so Inklusion erfolgreich sein?“, fragen sie. Die PAZ hat die Inklusions-Landschaft in Peiner Schulen unter die Lupe genommen und ist dabei auf ein interessantes Modell in der Peiner Burgschule gestoßen.

Drei Förderschulen im Landkreis Peine

Im Landkreis Peine gibt es die Astrid-Lindgren-Schule, eine Förderschule mit dem Schwerpunkt Geistige Entwicklung, mit 210 Schülern (Stand Schuljahr 2018/19). Die Schule Ilseder Hütte, eine Förderschule für emotionale und soziale Entwicklung, besuchten im letzten Schuljahr 32 Schüler. Beide Schulen befinden sich in Groß Ilsede. Direkt in Peine gibt es die Pestalozzischule, eine Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen mit Sprachheilklassen. Diese wurde im vergangenen Schuljahr von 110 Schülern besucht. Die Janusz-Korczak-Schule, mit dem Förderschwerpunkt Lernen, in Groß Ilsede wurde geschlossen. Hier besuchten 43 Schüler die Schule, die ab dem Schuljahr 2019/20 in der Pestalozzischule in Peine betreut werden.

Kreiselternrat sitzt in der Zwickmühle

Vorsitzende des Kreiselternrats Daniela Klein und Kreiselternratsmitglied Roland Mainka. Quelle: Kathrin Bolte

„Wir sitzen in einer Zwickmühle“, erzählen die Mitglieder des Kreiselternrats, Daniela Klein (Vorsitzende) und Roland Mainka. Rund 1000 Kinder besäßen im Landkreis Peine einen gutachterlich bestätigten Förderbedarf, klären sie auf. 40 davon gehen auf eine Regelschule. Da die Sonderschulpädagogen an einer Förderschule angestellt seien, würden sie dort auch zukünftig vorrangig die Unterrichtsversorgung sichern. Sie könnten also nicht mehr mobil an Regelschulen tätig sein, sodass dort Förderstunden wegfallen.

Die Aufgabe der Elternvertreter sei es, die Interessen aller Eltern zu vertreten, „doch wie soll das in diesem Fall gehen?“, fragen Mainka und Klein. Man habe es satt, die Fehler der Vergangenheit auszubaden. Es müssen mehr Lehrer her, so die Forderung. „Wir wissen, Förderlehrer fallen nicht vom Himmel und so wird es noch dauern, bis der Bedarf so gedeckt ist, wie Inklusion angedacht ist“, meint Mainka.

Schönaich: „Die Frage ist: Wie lange haben die Inklusionsschüler noch Zeit?“

Auf PAZ-Anfrage äußert sich Jan-Philipp Schönaich, Schulleiter der Burgschule (Grund- und Hauptschule) in Peine, zu diesem Thema. Die zentrale Frage, die er stellt: „Wie lange haben die Inklusionsschüler noch Zeit?“ Denn Fakt sei, es gäbe einfach zu wenige Förderschullehrer. Die Kinder „purzeln oben heraus und dann?“, fragt Schönaich und erklärt, dass Kinder mit Förderbedarf derzeit an der Regelschule nicht die Aufmerksamkeit bekommen, die sie eigentlich brauchen. Am Ende der Schulzeit stünde der Schulabschluss, doch wie ginge es dann weiter? „Welche Zukunft haben die Schüler?“, fragt der Schulleiter.

Förderlehrer selbst ausbilden

Um dem entgegenzutreten hat sich Schönaich auf den Weg gemacht und an der Burgschule selber einen Förderlehrer für den Bereich Lernen und Sprache ausgebildet. „Den darf ich auch ,behalten’ und bei uns in der Schule einsetzen“, freut er sich, weist aber gleichzeitig darauf hin, dass es sich um ein Pilotprojekt handele und nicht die Regel sei. Sein Ansatz: „Wer Inklusion an Regelschulen umsetzt, der muss auch Förderschullehrer bekommen.“ Doch was so einfach klingt, ist eine Mammutaufgabe, die kurzfristig nicht zu bewältigen ist.

Das ist Inklusion

Inklusion bedeutet die umfassende und uneingeschränkte Teilhabe jedes Einzelnen am gesellschaftlichen Leben. So definiert es die niedersächsische Landesregierung. Die inklusive Schule ist eine Schule, in der jedes Kind mit seinen individuellen Talenten, Begabungen sowie besonderen Bedarfen bestmöglich unterstützt wird. Da keinem Kind in Niedersachsen der Zugang zu einer bestimmten Schule oder Schulform aufgrund einer Einschränkung oder Behinderung verwehrt wird, gilt hier jede Schule als inklusive Schule.

Zum Schuljahresbeginn 2013/14 wurde niedersachsenweit die inklusive Schule in den Schuljahrgängen 1 und 5 verbindlich eingeführt. Im Schuljahr 2018/19 folgte dann die inklusive Schule in den Schuljahrgängen 1 bis 10 der öffentlichen allgemeinbildenden Schulen sowie in den Berufsbildenden Schulen. Somit erhalten Schüler mit einem Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung auch in der Regelschule eine entsprechende Förderung.

Seit dem Schuljahr 2013/14 laufen die Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt Lernen jahrgangsweise aufsteigend aus. Der Primarbereich der Förderschulen Lernen wurde vollständig abgebaut. Nach der Änderung des niedersächsischen Schulgesetzes Anfang 2018 haben einige Schulträger die Möglichkeit wahrgenommen, Förderschulen Lernen im Sekundarbereich I bis längstens bis 2028 weiterlaufen zu lassen. Voraussetzung: Die Schulträger haben ein regionales Inklusionskonzept erarbeitet, aus dem die Gestaltung des Weges in ein inklusives Schulsystem vor Ort, hervorgeht.

Förderschulen mit den Förderschwerpunkten emotionale und soziale Entwicklung, geistige Entwicklung, körperliche und motorische Entwicklung, Hören, Sehen, und Sprache wird es weiterhin geben.

Von Kathrin Bolte

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