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Stadt Peine Die Kinder müssen sich im Wasser sicher fühlen
Stadt Peine Die Kinder müssen sich im Wasser sicher fühlen
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00:13 28.06.2019
Gibt seit mehr 51 Jahren Schwimmunterricht: Klaus Ruthenberg aus Müden.
Gibt seit mehr 51 Jahren Schwimmunterricht: Klaus Ruthenberg aus Müden.  Quelle: Hilke Kottlick
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Peine / Gifhorn

Helga und Klaus Ruthenberg aus Müden/Aller im Kreis Gifhorn arbeiten ehrenamtlich – seit 55 Jahren stehen sie während ihrer Freizeit im Sommer im Wasserbecken. Beide Profis machen sich seit Jahrzehnten stark für den Schwimmunterricht von Kindern. Beiden liegt die Sicherheit der Mädchen und Jungen am Herzen, beide Schwimmlehrer wurden deshalb für ihren Einsatz mit dem Bundesverdienstkreuz zur Zeit von Bundespräsident Roman Herzog geehrt.

Viele Kinder ertranken früher in der Aller

Ruthenbergs berichten Hintergründe für ihr Engagement. Danach ertranken früher in der Aller zahlreiche Kinder. Ganz Müden hatte sich daraufhin vor nunmehr 51 Jahren stark gemacht für den Bau eines Lehrschwimmbeckens an der dortigen Grundschule.

Ruthenbergs gehörten dazu – seit Fertigstellung des Lehrschwimmbeckens verbringen beide dort auch heute noch etliche Sommerstunden, um Grundschulkinder erst an das Wasser zu gewöhnen und ihnen im Anschluss die Prüfung des Seepferdchens abzunehmen. Und das mit einem Erfolg, der schöner nicht sein kann – denn seit dieser Zeit sind keine Kinder mehr zu beklagen, die in der Aller ertrunken sind, wie sie berichten. Der Grund dafür liegt auf der Hand, denn es galt und gilt den Ruthenbergs zufolge auch heute noch der Grundsatz, dass „kein Schüler diese Grundschule als Nichtschwimmer verlässt“.

Im Spaßbad lernt kein Kind ausdauerndes Schwimmen

Die Freibad-Saison läuft längst. Kinder und Jugendliche tummeln sich in den Schwimmbädern. Allerdings: „Schwimmen zu lernen hat offenbar nicht mehr den Stellenwert wie früher“, sagen Ruthenbergs mit Blick auf die Spaßbäder. Dort könnten die Badenden zwar rutschen und toben, „ausdauerndes Schwimmen lernen sie dort aber nicht“, ist das Ehepaar überzeugt. Seit dem Jahr 1964 erteilt Klaus Ruthenberg Kindern Schwimmunterricht. Erwachsene nehmen seiner Erfahrung zufolge kaum an Schwimmkursen teil, „sie schämen sich und möchten nicht zugeben, dass sie nicht schwimmen können.“ Das bestätigt sein Frau: „Das ist so ähnlich wie bei manchen Analphabeten.“

Der Anspruch der ehrenamtlichen Lehrer: Kein Kind sollte die Grundschule als Nichtschwimmer verlassen 

Dabei hat Klaus Ruthenberg als Schwimmlehrer jetzt dieses Ruder eigentlich an die Familie von Tore Kisser aus Müden übergeben, wie er berichtet. Diese Familie macht sich Ruthenberg zufolge auch ehrenamtlich von Montag bis Donnerstag stark für den Schwimmunterricht. Pro Kursus nehmen dabei laut Helga Ruthenberg zwölf Kinder teil, die stets von fünf bis sechs Erwachsenen und Jugendlichen unterrichtet werden. Das sind zwei, höchstens drei Kinder pro Trainer. Fällt bei der Familie Kisser allerdings mal jemand aus, springt Ruthenberg nach wie vor ins Wasser, um den Kindern Sicherheit und Spaß im Schwimmbecken zu vermitteln. Helga Ruthenberg steigt nicht mehr so häufig ins Becken – „ich kümmere mich um den organisatorischen Kram der Schwimmkurse und bin von Außen Klugscheißer“, schmunzelt sie

Schwimmunterricht in Schulen ist kaum zu leisten

Angesichts der steigenden Zahl von Nichtschwimmern diesen Unterricht in der Schule anzubieten, ist laut Helga Ruthenberg kaum möglich. Darf ein Lehrer zeitgleich doch nur zwölf Schüler im Becken unterrichten, wie sie weiß. Die anderen Schüler müssten so lange am Rand warten, bis getauscht wird. „Die machen dort Quatsch, denn es fehlt eine zusätzliche Betreuung“, sagt Helga Ruthenberg. Und sie weiß als ehemalige Schul- und nach wie vor als aktive Schwimmlehererin genau: „Dieser personelle Kraftakt mit zwei Kräften ist von den Schulen kaum zu leisten.“

Wichtige Wassergewöhnung

„Die Wassergewöhnung ist zu Anfang das Wichtigste“, beschreibt Klaus Ruthenberg Anfänge des Unterrichts. „Die Kinder müssen sich im Wasser sicher fühlen, damit sie keine Panik bekommen“. Sein Tipp hier für Eltern: „Im Waschbecken das Tauchen üben – nach einer Münze.“ Genauso rät er Eltern, zu Anfang mit den Kindern immer nur Spaß im Wasser zu haben und sie „niemals gegen ihren Willen ins Becken zerren“.

Schwimmen lernen: Diese Angebote gibt’s in Peine

Ehrenamtlich aktiv in Sachen Schwimmkursen sind auch Trainer und Helfer des Peiner Schwimmvereins. Sie bieten im Sommer im Freibad und im Winter im Hallenbad Kurse für Kinder ab fünf Jahren an.Laut Vereinschef Helmut Döhne nehmen pro Kursus etwa 16 bis 20 Mädchen und Jungen teil. Betreut werden sie von vier Trainern und zehn Helfern. „Dabei kommt jeweils ein Mitarbeiter auf zwei Kinder“, nennt Döhne Zahlen. Die zehnstündigen Kurse enden mit dem Schwimmabzeichen Seepferdchen. Kinder, die das während dieser Zeit nicht schaffen, haben Döhne zufolge die Möglichkeit, in einer Fördergruppe weiter zu üben.Dabei hat sich die Motivation, Kinder für einen Schwimmkursus anzumelden, laut Döhne verändert. „Mein Kind soll sich bewegen“, sei häufig von Eltern bei der Anmeldung zu hören.Die Aktiven des Peiner Schwimmvereins bieten darüber hinaus einen Kursus für Kinder mit Migrationshintergrund an. Für Erwachsene gibt es keine Schwimmkurse, sie haben aber laut Vereinschef die Möglichkeit, in Kursen neue Schwimmtechniken zu trainieren.Seit 20 Jahren ist Helmut Döhne aktiv für den Peiner Schwimmverein. „Ich bin in dem Verein groß geworden, wir machen das alles ehrenamtlich“, sagt der Vereinschef, der selbst nur noch einmal pro Woche für den Unterricht ins Becken steigt. „Ich erledige jetzt hauptsächlich die administrativen Aufgaben“, sagt er. Nähere Infos erhalten Interessierte unter Tel. 01525-3742947 oder bei Helmut Döhne, Im Dreierfeld 6, 31241 Ilsede.