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Stadt Peine Geständnis im Drogen-Prozess: Peiner drohen sieben Jahre Gefängnis
Stadt Peine

Geständnis im Drogen-Prozess: Peiner drohen sieben Jahre Gefängnis

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16:00 03.12.2021
Landgericht Hildesheim: Der Peiner Angeklagte wird von Justiz-Mitarbeitern in den Gerichtssaal geführt. Am zweiten Prozesstag räumte der 34-Jährige ein, im großen Stil mit Drogen gehandelt zu haben. Als Triebfeder gab er seinen eigenen Kokain-Konsum an.
Landgericht Hildesheim: Der Peiner Angeklagte wird von Justiz-Mitarbeitern in den Gerichtssaal geführt. Am zweiten Prozesstag räumte der 34-Jährige ein, im großen Stil mit Drogen gehandelt zu haben. Als Triebfeder gab er seinen eigenen Kokain-Konsum an. Quelle: Christian Meyer
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Hildesheim/Peine

Die Angehörigen auf den Zuschauerplätzen im Saal des Hildesheimer Landgerichts kämpften mit den Tränen: Im Drogen-Handel-Prozess gegen einen 34 Jahre alten Peiner muss der Angeklagte und zweifache Familienvater mit einer üppigen Haftstrafe zwischen sieben und acht Jahren rechnen. Das kündigte der Vorsitzende Richter Philipp Suden Freitag nach einer Verhandlungspause an, in der die Verteidigung, die Staatsanwaltschaft und die Kammer sich in einem Rechtsgespräch ausgetauscht hatten.

Geständnis: „Habe mich entschieden, reinen Tisch zu machen“

Entschlüsselte Chatprotokolle, kiloweise Marihuana, im Blumentopf gefundenes Kokain, eine Pistole im Auto, fast 60 000 Euro Bargeld in der Wohnung, Finger-Abdrücke, die ihm zuzuordnen waren – die Beweislage war erdrückend. Als Folge des Rechtsgesprächs las der Wahlverteidiger des Angeklagten am zweiten Prozesstag eine Erklärung des 34-Jährigen vor, in der er alle ihm zur Last gelegten Taten gestand. „Ich habe mich entschieden, nicht zu taktieren und mit meiner Vergangenheit abzuschließen und reinen Tisch zu machen.“ Damit gab er unter anderem zu, im April 2020 von einem Kurier rund 7 Kilo Amphetamin und 20 Kilo Marihuana erhalten zu haben, die er in Peine weiterverkaufte.

Waffe aus Sorge vor Überfall gekauft

Das hatte er auch mit den rund 10 Kilogramm Marihuana vor, die die Polizei im Mai 2021 bei einer Durchsuchung in Vöhrum im Kofferraum seines Autos fand. In einer Garage entdeckten die Ermittler mit ihrem Drogenspürhund zudem circa 120 Gramm Kokain. „Bewaffnetes Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in Tateinheit mit unerlaubtem Waffenbesitz“ lautet im Juristen-Deutsch der Vorwurf der Anklage. Die im Handschuhfach gefundene halbautomatische Walther-P22-Pistole habe er erst kurz vor der Razzia gekauft, weil er Sorge hatte, von Drogen-Abnehmern oder Händlern überfallen zu werden. Die Drogen-Menge, die dem 34-Jährigen zur Last gelegt wird, hat es schließlich in sich. Verkaufswert: Locker über 100 000 Euro!

Motiv: Angeklagter brauchte Geld für eigenen Kokain-Konsum

Triebfeder seiner Drogen-Geschäfte soll die eigene Kokain-Abhängigkeit gewesen sein. In der Erklärung durch seinen Verteidiger gab der Peiner an, 2013 erstmals in Kontakt mit diesem Rauschmittel gekommen zu sein, vor der Verhaftung habe er zwei bis drei Gramm täglich konsumiert. Das geht ins Geld. Experten geben den Straßen-Verkaufspreis pro Gramm mit rund 70 Euro an. Er habe sich nicht mehr in der Lage gesehen, diesen Konsum über normale Wege zu finanzieren.

Das Landgericht Hildesheim: Hier läuft der Prozess wegen bewaffneten Drogenhandels gegen den 34-jährigen Peiner. Quelle: Christian Meyer

Eine freiwillig abgegebene Haarprobe bestätigte den Kokain-Konsum. Die Medizinische Hochschule in Hannover hatte das Gutachten angefertigt. In der Erklärung äußerte der Angeklagte den Wunsch, eine Drogentherapie absolvieren zu dürfen. „Ich hoffe, dass mir das ermöglicht wird.“ Er wolle künftig ein drogen- und straftatenfreies Leben führen.

Passwort-Zusammensetzung brachte die Polizei auf die Spur

„Polizei! Auf den Boden legen!“ Zwei Beamte aus dem Fachkommissariat Organisierte Kriminalität der Polizeidirektion Braunschweig sowie ein Kollege der Inspektion Salzgitter/Peine/Wolfenbüttel hatten als Zeugen am zweiten Prozesstag zuvor geschildert, was bei der Durchsuchung der Wohnung und des Grundstücks im Mai in Vöhrum passiert war. In den frühen Morgenstunden hatten sie den Angeklagten überrascht, der vorm Öffnen der Tür noch hektisch versucht haben soll, eine Papiertüte zu verstecken – darin waren die 60 000 Euro Bargeld verstaut, die typisch für die Drogenhandel-Szene in Bündeln zu je 1000 Euro zusammengelegt waren.

Der Zugriff erfolgte nach mehreren Monaten Ermittlungsarbeit und Observation. Dem Angeklagten auf die Spur gekommen war die Polizei, nachdem französische Ermittlungsbehörden den Nachrichten-Dienst „Encro-Chat“ entschlüsselt haben. Den nutzte auch der 34-Jährige für die illegalen Drogen-Geschäfte. Zum Verhängnis wurde ihm dabei ein genutztes Passwort, dass sich aus dem Geburtsdatum seiner Verlobten und dem Namen ihrer Hunde zusammensetzte. Durch eine Geodaten-Auswertung und eine Abfrage bei der Stadtverwaltung hatte die Polizei plötzlich eine heiße Spur – und es war offenbar die richtige.

Nach dem Geständnis des Angeklagten soll nun schon am dritten Prozesstag am Montag, 13. Dezember, ein Urteil fallen.

Von Christian Meyer